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Somogyi: "Emotionen rausnehmen"

Umstrittene Predigt in Moschee Somogyi: "Emotionen rausnehmen"

„Für ihn war klar, dass er aus religiösen und nicht aus politischen Gründen hier ist“, zeigt sich Bürgermeister Christian Somogyi überrascht von den Vorwürfen, die gegen den Imam erhoben werden.

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Ein Imam steht wegen eines Gebets in der Stadtallendorfer Fatih-Moschee in der Kritik.

Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Der Imam von Stadtallendorf betete für den Krieg. Am Freitag berichtete die Hessenschau und zeigte dazu ein Video, in dem der Vorbeter in der nahezu leeren Fatih-Moschee zu einer kleinen Gruppe­ Gläubiger spricht. Die Aufnahmen sollen kurz nach Beginn der Aktion „Olivenzweig“ der Armee in Syrien entstanden sein. Problem daran: Eigentlich gilt in Deutschland eine strickte­ Trennung zwischen Staat und Religion – genauso in der Türkei, wo Mustafa Kemal, genannt Atatürk, als Staatsgründer und erster Präsident, dies einführte. In der Erdogan-Türkei steht dieses Prinzip auf der Kippe.

Ein Gebet als Anzeichen? Für Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi kommt der Vorwurf gegen den Stadtallendorfer Imam überraschend. Er habe stets betont, dass er aus religiösen und nicht aus politischen Gründen in Deutschland sei, berichtet der Rathauschef von seinen Erfahrungen mit dem Vorbeter. Entsprechend wolle er zunächst am Freitag das Gespräch suchen, ehe er sich ein Urteil bildet: „Es wäre natürlich ärgerlich, wenn sich das so abgespielt hat – aber ich werde das persönliche Gespräch suchen und mich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen: „In meinem Geschäft ist es wichtig, die Emotionen rauszunehmen und die Menschen Stellung nehmen zu lassen“, erläutert er.

Kontrollen im Reli-Unterricht

Die Fatih-Moschee gehört zu Ditib, der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, die als Dachverband von türkischen Moscheegemeinden fungiert und in Hessen den Islam­unterricht an Grundschulen organisiert. Wegen ihrer Verbindung zur türkischen Religionsbehörde steht sie seit längerem in der Kritik.

Das staatliche Schulamt in Marburg nimmt die aufgekommenen Vorwürfe gelassen hin: „Es gibt bei uns die Regelungen, dass wir im islamischen Religionsunterricht, den wir in Stadtallendorf bis zur Klasse fünf anbieten, ausschließlich Lehrkräfte einsetzen, die ihr Lehramt in Hessen erworben haben“, sagt Amtsleiter Arno Bernhardt und ergänzt: „Das sind also keine Konsulatslehrkräfte und sie sind nicht durch Ditib weisungsgebunden.“ Noch dazu seien sie auf das hessische Schulgesetz verpflichtet und vereidigt worden und müssten ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllen: „Dazu gehören auch Toleranz, die Achtung von Religionen oder die Erziehung zum Frieden.“

Die Schulleiter seien angewiesen, in regelmäßigem Abstand den Unterricht zu besuchen und sicherzustellen, dass diese­ Vorgaben umgesetzt würden: „Bisher gab es keinerlei Beanstandungen“, berichtet Bernhardt und verspricht, dass die Leiter dies sehr genau im Blick hätten und die Lehrer ihre Aufgaben ernst nähmen. Und auch das „möglicherweise fragwürdige Verhalten“ eines Imams könne darauf keinen Einfluss haben.

Landkreis hat Gemeinde um Stellungnahme gebeten

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf, für den Integration ein wichtiges Schlagwort ist und der sich im regelmäßigen Austausch mit Moscheegemeinden interessiert ist, teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Wir sind hier an einer Sachaufklärung und an einem konstruktiven Dialog mit der Gemeinde interessiert. Daher haben wir die Gemeinde um eine Stellungnahme zu den im Raum stehenden Vorwürfen gebeten, um den Sachverhalt besser einschätzen zu können. Erst danach ist eine abschließende Bewertung möglich.“

von Florian Lerchbacher

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