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Rauschenberger üben Solidarität

Benefiz-Flohmarkt Rauschenberger üben Solidarität

Es klingt unglaublich, ist aber für den Witwer und die sechs Kinder der tödlich verunglückten Rauschenberger Busfahrerin Carola Köhler bittere Realität: Einige Mitbürger wollen offenbar von dem Tod der 46-Jährigen profitieren.

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Auf die Besucher des Benefiz-Flohmarktes wartete in der Feldscheune ein großes Warenangebot.

Quelle: Alisa Roller

Rauschenberg. Ende August starb Carola Köhler bei einem Unfall in Rauschenberg am Steuer eines Kleinbusses (diese Zeitung berichtete). Zum Schmerz über den Verlust der Ehefrau und Mutter kommt für die Familie noch ein gewaltiges finanzielles Problem hinzu. Carola Köhler war Sammelbestellerin bei verschiedenen Versandhäusern. Viele ihrer Kunden bezahlten die bestellte Ware in Raten, wobei einige nach dem Unfalltod ihrer Sammelbestellerin die Ratenzahlung einstellten. Die Folge: Die Familie sieht sich durch säumige Zahler plötzlich mit einem Schuldenberg konfrontiert, den sie aus eigener Kraft nicht tilgen kann.

Rauschenberger Bürger zeigten sich mit der Familie solidarisch, organisierten einen zweitägigen Benefiz-Flohmarkt in der Rauschenberger Feldscheune, wo die jüngste Entwicklung natürlich Gesprächsthema war: „Rund ein Drittel der Kunden kommen ihren Ratenzahlungen nach, zwei Drittel haben sie eingestellt“, sagte Silke Schäfer. „Das ist unvorstellbar. Es schockiert uns“, empörte sich Norman Herwig. Die 27 Jahre alte Carina Glade, älteste Tochter der Familie, sagt: „Man hört Ausreden wie ‚wir wollten ja nicht stören‘.“ Auf der anderen Seite beharren die Versandhäuser auf ihren Forderungen. Deren Vertragspartner ist die verstorbene Sammelbestellerin, nicht die säumigen Kunden.

In ihrer Not wandte sich Julia Glade an die Redaktion des Privat-Senders SAT.1, die die Versandhäuser kontaktierte. „Die sind uns jetzt entgegengekommen“, sagte Glade erleichtert. Die älteste Tochter kontaktierte nicht nur den TV-Sender, sie initiierte auch den Benefiz-Flohmarkt: „Meine Mutter hatte immer viel gekauft, und es ist jetzt viel übrig geblieben.“ Auch ihre Nachbarin Gertrud Kreyling weiß: „Bei Carola Köhler konnte man auch auch ohne Bestellung vieles bekommen. Ihr Warenlager glich einem kleinen Laden.“

Und so veranstalteten die Rauschenberger einen Flohmarkt mit dem verbliebenen Warenbestand – und da war für die Besucher allerhand zu finden: Von Nähsachen, Wolle und Gardinen über Haushaltswaren und Dekorationsartikel bis hin zu Spielzeug, Büchern und Kleidung. Der Flohmarkt fand in der Feldscheune in Rauschenberg statt, die Doris und Reinhold Kreyling zur Verfügung gestellt hatten. Die Nachbarn der Köhlers räumten dafür eigens die Scheune leer. Vereinsgemeinschaften und Bürger halfen beim Aufbau mit, bauten Tische und Bänke sowie Zelte vor der Scheune auf und brachten sich durch die Spende von selbst gebackenen Kuchen und den Verkauf von Getränken, Würstchen, Kaffee und Kuchen ein.

„Der ganze Ort hat sich engagiert. Die Familie ist hier sehr beliebt – auch sie war immer hilfsbereit. Deswegen hat jeder, den man angesprochen hat, auch getan, was ihm möglich war“, freut sich Doris Kreyling über das Engagement. Auch Hannelore Schmidt bestätigt: „Die Einsatzbereitschaft der Rauschenberger war lobenswert. Es haben zum Beispiel auch Menschen geholfen, die keinen Bezug zur Familie hatten und allein von deren Schicksal ergriffen waren.“

So haben rund 30 Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn und Rauschenberger allein bei der Betreuung der Stände des Flohmarktes geholfen, so dass dieser an zwei Tagen geöffnet sein konnte.

Beeindruckt durch soviel Hilfsbereitschaft fasste Carina Glade wieder Mut: „So langsam klärt sich hoffentlich alles auf“, sagte sie mit angestrengter Stimme, aus der eine Spur von Hoffnung zu hören war.

von Alisa Roller

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