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Streit um Geld endet mit einem Messerstich

Aus dem Amtsgericht Kirchhain Streit um Geld endet mit einem Messerstich

Viereinhalb Stunden verhandelte das Amtsgericht Kirchhain einen Fall von gefährlicher Körperverletzung. Erst zum Schluss lichtete sich der Nebel in diesem undurchsichtigen Verfahren.

Eine Bewährungsstrafe bekam ein Angeklagter wegen gefährlicher Körperverletzung.

Quelle: Thorsten Richter

Rauschenberg. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass der heute 49-jährige Angeklagte am 26. April 2015 gegen 18 Uhr in dessen damaliger Rauschenberger Wohnung im Beisein seiner Freundin und deren Kinder Reizgas gegen zwei Flüchtlinge aus Nigeria einsetzte und einen der Männer mit einem gezielten Messerstich in den oberen Unterarm erheblich verletzte.

Richter Joachim Filmer verurteilte den heute in London lebenden Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, die er auf zwei Jahre zur Bewährung aussetzte. Außerdem muss der Mann seinem 32-jährigen Opfer in Raten 5 000 Euro Schmerzensgeld bezahlen.

Zweite Mitbewohner saß zwischen den Fronten

Nach der Beweisaufnahme ergab sich folgendes Bild: Die Grundfrage des Zivilrechts lautet: „Kann A von B etwas verlangen?“ Und um diese Grundfrage drehte sich ein Streit am Vortag der Tat. Der deutsche Angeklagte mit nigerianischen Wurzeln ließ in seiner Wohnung zwei Landsleute wohnen. Dafür sowie für die Vermittlung einer Arbeitsstelle verlangte er von dem späteren Opfer 2 500 Euro. Der 32-Jährige zahlte zunächst 500 Euro und nach einer Überweisung aus der Heimat weitere 1 040 Euro.

Der Angeklagte forderte den 32-Jährigen ultimativ auf, den Restbetrag vollständig zu begleichen oder seine Wohnung zu verlassen. Das lehnte der Schuldner wiederum ab. Er forderte dagegen von seinem Vermieter den kompletten bezahlten Geldbetrag zurück, weil er diesem misstraute. Der Grund: Bei einem Besuch der Firma, bei der er hätte unterkommen sollen, kamen Vermittler und Arbeitssuchender nicht aufs Firmengelände.

Mittendrin im Streitgespräch saß der zweite Mitbewohner, mit beiden Seiten befreundet. Er riet dem Vermieter, die Nacht bei seiner Freundin in Marburg zu verbringen, um Druck aus dem Kessel zu lassen. Der Angeklagte folgte dem Rat und schickte am nächsten Morgen seine Freundin mit den Kindern nach Rauschenberg. Die sollte den 32-Jährigen zum sofortigen Auszug bewegen, was ihr nicht gelang.

Vermieter versperrte mit Küchenmesser den Weg

Als der Angeklagte gegen 18 Uhr dazu kam und die Situation unverändert vorfand, reagierte dieser mit einem Wutanfall und sprühte Reizgas in das von beiden Nigerianern bewohnte Zimmer und hielt die Tür zu. Den unbeteiligten Mitbewohner ließ er raus, nicht aber seinen unerwünschten Mieter.

Als dieser später versuchte, aus der Wohnung fliehen, stellte sich der Vermieter mit einem Küchenmesser in der Hand ihm entgegen. Mit beiden Händen sein Handy umklammernd, machte er Drehbewegungen, um sich zu schützen, sagte das Opfer. Den Stich mit dem Messer konnte er nicht vermeiden. Der Vermieter sprach dagegen von einer Notwehrsituation. Er sei von dem 32-Jährigen gewürgt worden. Deshalb habe er nach einem Messer gegriffen und dem Angreifer einen senkrechten Stich in den Arm versetzt.

Verteidiger forderte Freispruch

Die Notwehrsituation nahm das Gericht dem Angeklagten nicht ab. Gegen ein Würgen spreche, dass beim Angeklagten keine Würgemale gefunden worden seien. Außerdem sei der Angeklagte zielgerichtet nur
gegen den 32-Jährigen vorgegangen, um seinen Willen durchzusetzen, sagte Joachim Filmer.

Zudem hatten die beiden Ärzte, die das Opfer operiert hatten, und der Gerichtsmediziner erklärt, dass Stichkanal und Verletzungsbild für eine Abwehrverletzung spreche. Den vom Angeklagten geschilderten Stich habe es so nicht gegeben.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage forderten Freiheitsstrafen in Höhe von einem Jahr und vier Monaten beziehungsweise ein Jahr und sechs Monate, jeweils auszusetzen auf Bewährung. Verteidiger Sebastian Knebel sah eine Notwehrsituation für seinen Mandanten und beantragte Freispruch.

von Matthias Mayer

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