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Ostkreis Qualität durch mühevolle Kleinarbeit
Landkreis Ostkreis Qualität durch mühevolle Kleinarbeit
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06:16 02.04.2012
Mardorf

Ein Zeichen für den überregionalen Charakter der Veranstaltung findet der aufmerksame Besucher bereits auf dem Parkplatz des Mardorfer Bürgerhauses. Die fremden Kennzeichen an den Autos zeigen, welch weite Wegstrecke viele Besucher und Aussteller auf sich genommen haben, um den Eröffnungstag des Erfurtshäuser Ostereiermarktes mitzuerleben.

„Am ersten Tag des Marktes kommen immer die Sammler, in der Hoffnung etwas ganz Besonderes zu finden“, weiß Martina Rhein zu berichten. Als Mitglied der Volkstanzgruppe präsentiert sie stolz die Erfurtshäuser Tracht, die heute kaum noch getragen wird. Generell steht der Ostereiermarkt in Zeichen einer langen Tradition: Die Idee zu der Veranstaltung hatte der Erfurtshäuser Alexander Fischer bei einem Urlaub in der Schweiz aufgeschnappt und vor 33 Jahren zum ersten Mal umgesetzt. „Leider ist Alex in diesem Jahr von uns gegangen - wir führen sein Werk jetzt weiter“, sagt Volker Seumer. Der Organisator des Marktes hat dabei einen hohen Qualitätsanspruch: „Verkauft werden hier ausschließlich Natureier. Die Aussteller führen ihr Können direkt am Stand vor und erklären den Besuchern ihre Technik. So stellen wir sicher, dass hier nicht Massenware angeboten wird, sondern alles in Handarbeit hergestellt wurde“.

Künstler bilden eigene „Oster-Gemeinschaft“

Qualität hat bekanntlich ihren Preis. Und so ist es auch kein Wunder, dass die Interessenten für die zum Teil höchst filigran gearbeiteten Kunstwerke etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. „Besonders aufwendig gestaltete Eier erzielen einen Preis von weit über 100 Euro“, sagt Seumer, der im Vorfeld die Aussteller persönlich angeschrieben hat. Zudem habe man vier auswärtige Ostermärkte besucht, um sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen, berichtet er weiter.

Zur Gruppe der Künstler, die ihr Können auf diesen Märkten präsentieren, gehört auch Gabriele Tillmanns. Die Münchnerin betreibt das Hobby der Eierverzierung seit zwölf Jahren. „Ich habe das zunächst aus Spaß mit meinen Kindern gemacht, aber als dann ein Bekannter die fertigen Eier kaufen wollte, wurde ich stutzig“, erinnert sich Tillmanns an die Anfänge. Mittlerweile besucht sie mindestens sechs Märkte in der vorösterlichen Zeit und ist Teil einer Künstlergemeinschaft geworden: „Die Veranstaltungen finden zwar deutschlandweit statt, trotzdem trifft man immer wieder bekannte Gesichter“. Nach Mardorf kam sie durch den Tipp einer Freundin - „eine gute Gelegenheit das Marburger Umland kennenzulernen“, findet Tillmanns, die sich auf eigene Initiative für den Erfurtshäuser Markt beworben hatte.

Ausstellen darf aber längst nicht jeder - auch hier achtet Seumer auf die Feinheiten: „Viele Menschen schreiben uns an oder schicken gleich ein Osterei mit, um uns von der Qualität zu überzeugen“. Bei Gabriele Tillmanns hat dieses Vorgehen funktioniert. Um dem Motto der Marktes „Herz, Stein und Lebensbaum - das Osterei als Spiegel traditioneller Muster“ gerecht zu werden, haben die Volkstänzer einen eigenen Stand hergerichtet. Zu sehen sind dort Kappen, Trachten und viele weitere Kleidungsstücke, die die Vereinsmitglieder in mühevoller Arbeit gesammelt haben. „Wir haben uns darum bemüht, hauptsächlich Ausstellungsstücke aus der heimischen Region zu präsentieren“, berichtet Seumer. Dabei zeige sich ganz deutlich, dass die auf die Kleidung gestickten Symbole dem Alltagsleben entlehnt sind. „Diese Motive finden sich dann auch auf den Ostereiern wieder“, erklärt Seumer.

von Dennis Siepmann