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Protestanten könnten eine Kirche opfern

Sparzwang Protestanten könnten eine Kirche opfern

35 000 Euro muss die evangelische Kirchengemeinde Stadtallendorf ab dem Jahr 2014 einsparen. Rund 60 Gemeindemitglieder setzten sich am Dienstag mit der Thematik auseinander.

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Kirchenverwaltungsoberrat Wilhelm Kniffert (links) sprach unter anderem über die Gründe für die Einsparungen.Foto: Alfons Wieber

Stadtallendorf. Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung zur finanziellen Situation der evangelischen Kirchengemeinde in Stadtallendorf am Dienstagabend im Gemeindehaus. Vor rund 60 Gemeindemitgliedern berichtete Thomas Peters als geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kernstadtgemeinde, in der derzeit rund 4800 evangelische Christen betreut werden, über den aktuellen Haushalt, gab gleichzeitig einen Überblick über die in der Zukunft zu erwartenden Einschnitte und stellte unterschiedliche Einsparungsmodelle vor. „Wir stehen hier aber erst am Anfang der Diskussion“, betonte Peters.

Den Haushalt der Kirchengemeinde ab 2014 um rund 35000 Euro zu entlasten ist das Ziel. Darüber hinaus soll die Kirchengemeinde nach den Vorgaben des Landeskirchenamtes von ihren derzeit acht Liegenschaften etwa 450 Quadratmeter Gebäudefläche auf- oder abgeben.

Als Fachmann hatte der Kirchenvorstand den ehemaligen Kirchenverwaltungsoberrat Wilhelm Kniffert eingeladen. Er war bis zu seiner Pensionierung Referatsleiter im Baudezernat des Landeskirchenamtes gewesen. Kniffert stellte heraus, dass unter anderem der Rückgang an evangelischen Christen als Mitglieder der Kirchengemeinden ursächlich für die Einsparungen sei. Bis 2025 müssten beispielsweise deshalb rund 100 Pfarrhäuser aufgegeben werden. Aber auch die gestiegenen Anforderungen beim Brandschutz, bei der Arbeitssicherheit und die Kosten der geforderten energetischen Sanierungen bei den kirchlichen Liegenschaften nannte er als Gründe für die notwendigen Einsparungen.

„Die Landeskirche legt Wert darauf, dass sich die Gemeinden selbst mit diesem Problem auseinandersetzen und gemeinsam beraten, wie das Deckungsloch gestopft werden soll“, betonte Kniffert.

Vier unterschiedliche Sparmodelle, die er und Pfarrerin Stefanie Busch zusammen mit Mitgliedern des Kirchenvorstandes erarbeitet hatten, stellte Peters vor. Das erste Modell sieht die Schließung, den Abriss oder den Verkauf eines der beiden Gemeindehäuser in der Liebig- oder der Schlesierstraße vor. Damit würden 450 Quadratmeter Fläche und Kosten in Höhe von 5500 oder 10500 Euro jährlich eingespart.

Im Sparmodell zwei ist sogar die Schließung einer der beiden Kirchen und eines Gemeindehauses vorgesehen. Dabei hält Peters Einsparungen von maximal 36000 Euro für möglich.

Im Sparmodell drei ist die Abgabe der Trägerschaft für die evangelische Kindertagesstätte in der Liebigstraße enthalten. Dies würde zu einer Kostenreduktion von rund 38500 Euro jährlich führen.

Den geringsten Einsparwert hätte der Verkauf des Gebäudes der Sing- und Musikschule in der Beethovenstraße. Deren Angebote müssten dann in die beiden Gemeindehäuser verlagert werden. Dieses Modell vier umfasst Einsparungen von 150 Quadratmetern Fläche und rund 5000 Euro an Kosten.

Eine „Patentlösung“ fanden die Gemeindemitglieder in der anschließenden Diskussion nicht. Allerdings favorisierten sie die Modelle eins und zwei.

Den Kindergarten aufzugeben kommt für Marianne Köller eigentlich nicht in Frage. „Ein Gemeindehaus könnte man aufgeben, aber dafür einen Käufer zu finden, wird schwierig sein“, betonte sie.

Die Konzentration des Gemeindelebens auf nur ein Gemeindehaus sollte nach Ansicht anderer Diskussionsteilnehmer probeweise während einer zeitlich befristeten Schließung eines der Gebäude untersucht werden. Auch die Integration von Gemeinderäumen in eines oder beide der Gotteshäuser können sich die Stadtallendorfer vorstellen - ebenso wie die konfessionsübergreifende Nutzung oder Vermietung von Flächen an Dritte.

Die Gemeindemitglieder wollen die Thematik während einer weiteren Diskussionsrunde wahrscheinlich Mitte Mai fortsetzen.

von Alfons Wieber

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