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Politischer Karneval im Spätsommer

Festzug Momberg Politischer Karneval im Spätsommer

Die Momberger Vereine hatten sich für den traditionellen Kirmesfestzug viel einfallen lassen und griffen einige aktuelle Probleme und Ereignisse thematisch auf.

von Klaus Böttcher

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Die Kicker vom SV Borussia Momberg feierten ihre Meisterschaft und den Aufstieg in die Kreisliga A Marburg zur Freude der Besucher in ihrem eleganten ICE. Fotos: Klaus Böttcher

Momberg. Politischer Straßenkarenval im Spätsommer? Das hat in der Region allein Momberg zu bieten. Die in der eigentlichen fünften Jahreszeit auch nicht gerade faulen Momberger brachten mit Witz und Phantasie die aktuellen Aufreger der ganz großen und der ganz kleinen Politik im Festzug auf die Straße, wobei die Aktiven wieder einmal die Lacher auf ihrer Seite hatten.

Mehr als 30 Motivwagen und Fußgruppen zogen durch die Straßen Mombergs, wobei sie die Klänge der Musikkapelle Großropperhausen und der Momberger Blaskapelle begleiteten. Bei dem herrlichen Spätsommerwetter standen an den Straßenrändern viele Zuschauer, die den Aktiven zujubelten.

Manche Zuschauer schauten sich den sehenswerten Zug gleich mehrfach an, indem sie Abkürzungen wählten und an anderer Stelle wieder standen. Schön für die Festzugteilnehmer, dass der gesamte Zug zunächst praktisch an sich selbst vorbeizog, was auch den Aktiven die Möglichkeit gab, die herrlichen Motivwagen und Kostüme zu bewundern.

Ausrichter der Momberger Kirmes war in diesem Jahr der Gesangverein Concordia, der mit seinem Thema „Las Vegas“ schon am Samstagabend im Festzelt begeisterte. Vor einer stilvollen Bühnenkulisse wurde das große Glücksrad gedreht, an dem die 32 Karten eines Spiels befestigt waren. Als Eintrittskarten gab es ebenfalls Spielkarten und so wurden Gewinner ermittelt. Für gute Stimmung sorgte nicht nur die Kapelle, sondern ein Elvis-Imitator und die Garde-Mädels der Momberger Show-Tanzgruppe.

Das Thema des Gesangvereins hatte dieser mit in den Festzug übernommen, so war das große Glücksrad wieder zu finden und die aus Las Vegas bekannten „Siegfried und Roy“ waren mit ihren weißen Tigern dabei. Dem Thema schloss sich der Reiterverein an, der auch mit Pferden am Zug teilnahm. „Ist die Kasse leer, muss der Roulette-Tisch her“, war ihr Motto-

Bei den aktuellen Themen wurde die Verkehrssituation aufgegriffen: „Momberg regelt selbst“, war da zu lesen und auf dem Motivwagen war die fehlende Ampel zu sehen: „Eine Ampel, die soll sein, drum schalten wir sie selber ein.“

Die Feuerwehr machte auf ihre Eigenleistung beim Gerätehaus aufmerksam: „Die Rathaustreppe war sehr teuer, wir holen die Kohle aus dem Feuer“, dichteten die bei Wettkämpfen hochdekorierten Frauen und Männer der Wehr.

Auch die europäischen Rettungsversuche für die schwächelnden Euro-Länder nahmen die Momberger auf die Schippe. „Besuchen sie uns, ihr Geld ist schon da“, stand an einem Motivwagen, auf dessen Ladefläche sich Spanier, Griechen und Italiener unter dem ESM-Schirm behaglich räkelten.

Auch der hessische Schutzschirm für notleidende Kommunen wurde durch Mombergs Gassen getragen. Ein Biber (so der Spitzname von Bürgermeister Thomas Groll) hing unter dem Schirm und ein Schild klärte auf: „Ich will auch drunter.“ Und dieser Wunsch dürfte sogar nah dran an der Realität sein, aber Neustadts Glück oder Pech ist: Die Stadt hat nicht genügend Schulden für ein Plätzchen unter dem Schutzschirm.

Droht Momberg eine Glaubens-Eiszeit? Auf jeden fall thematisierten die Bürger des katholischen Dorfes die Folgen der Priestermangels.: „Momberg - katholisch - keinen Pfarrer - Eiszeit.“ Der Ort hat altersbedingt zuerst seinen langjährgen Pfarrer Gerlach, und dann noch Neustadts Stadtpfarrer Arnulf Hummel verloren.

Weniger problembeladen kamen die Fußballer der Borussia, daher. Die Kicker kamen mit dem ICE von Bürgeln nach Momberg zur Meisterfeier angerauscht, um im Festzug lautstark und feucht-fröhlich ihren Aufstieg in die Kreisliga A Marburg zu feiern.

von Klaus Böttcher

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