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Plettenberg will Stadt in Dorferneuerung hieven

Bürgermeisterwahl Plettenberg will Stadt in Dorferneuerung hieven

"Die Menschen sehnen sich nach Kontinuität, die Gemeinde steht gut da, und es gibt keinen Streit". Michael Plettenberg sieht eigentlich keinen Grund, warum er nicht weiter Bürgermeister sein sollte.

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Michael Plettenberg steht dazu, den Windpark auf den Weg gebracht zu haben – in den aktuellen Wahlkampf gehört das Thema seiner Meinung nach aber nicht.

Quelle: Lerchbacher

Amöneburg. In der Amöneburger Kommunalpolitik geht es friedlich wie lange nicht mehr zu - doch ein Thema spaltet die Bürger: die Pläne der Mardorfer Waldinteressenten, die eine alte Option aufgreifen wollen und überlegen, weitere Windräder auf der Kuppe aufstellen zu lassen.

Ein Punkt, der Bürgermeister Michael Plettenberg nicht gerade glücklich stimmt: „Es wäre tragisch, deswegen den Job zu verlieren“, sagt er und verweist darauf, dass die Stadtverordneten das Gebiet schon vor mehreren Jahren einstimmig als Vorrangfläche für Windenergie auswiesen. Schon damals war von möglichen 16 Anlagen die Rede - insofern habe es sich weder um einen ihm vorgeworfenen Alleingang gehandelt, noch gehöre das Thema aus seiner Sicht in den aktuellen Wahlkampf, moniert der Amtsinhaber.

Entsprechend will er den Blick lieber nach vorne richten. Ganz kurz geht‘s aber noch einmal in die andere Richtung: Im Vergleich zu den beiden vorherigen Wahlen tritt Plettenberg erstmals als parteiloser Bürgermeister an - vorbei sind die Zeiten, als er immer wieder seine „Parteiunabhängigkeit“ erläutern musste.

Amtsführung als "Dorfbürgermeister"

Inzwischen hat er das SPD-Parteibuch zurückgegeben - aus einer politischen, von Kindesbeinen an erfolgten Prägung macht er aber keinen Hehl.

Doch mit Politik habe das Amt eines „Dorfbürgermeisters“ ohnehin nicht viel zu tun, erläutert er: „Man ist kein Politiker in exponierter Stellung, sondern ein in der Öffentlichkeit stehender Arbeiter, der mit politischen Fragen zu tun hat.“

Nach Plettenbergs Definition besteht das Amt aus drei Teilen: Der Bürgermeister einer kleinen Stadt sei vor allem Verwalter sowie Repräsentant und „Schmiermittel“: Er müsse dafür sorgen, dass die richtigen Rädchen zum richtigen Zeitpunkt ineinandergreifen.

Als Beispiel dafür nennt er den Mardorfer Bürgerverein, in dessen Anfängen er dafür gesorgt habe, dass die richtigen Menschen zusammenkommen und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, Hartnäckigkeit an den Tag zu legen - so wie beim Radweg Roßdorf-Kleinseelheim, für den er zehn Jahre lang gekämpft habe.

Familien und Senioren rücken in den Fokus

Als „allerwichtigstes“ Thema der nächsten Jahre bezeichnet Plettenberg den Erhalt vorhandener Infrastruktur (Straßen, Wasser, Kanäle, etc.). Basis sei eine solide Haushaltswirtschaft mit Überschüssen, die zum Schuldenausbau aber auch für Investitionen genutzt werden. „Wenn man das Portemonnaie der Bürger nicht zusätzlich belasten soll, muss man sich finanzielle Spielräume erarbeiten“, ergänzt er und nennt den Steinbruch als Beispiel.

Die Übernahme der Erddeponie habe der Stadt finanzielle Vorteile gebracht und Überschüsse ­gebe es trotz der Planungen für das Atmen-Projekt immer noch genügend. In diesem Jahr nutze die Stadt zum Beispiel Erlöse, um Straßen zu flicken. „Egal was kommt: Am Ende wird die Stadt ein fettes Plus erwirtschaftet haben“, sagt er und betont: „Ganz ehrlich: Den Bau einer Eventhalle auf dem Gelände sehe ich momentan nicht.“

Was er jedoch sieht, ist eine Chance, Amöneburg und die Stadtteile in die Dorferneuerung zu bringen. Zwischen den Jahren hat er bereits die Bewerbung geschrieben: „Dann könnten wir langfristige Ziele entwickeln, zum Beispiel auch das seit Jahren geforderte Leitbild der Stadt.“ Jede Menge Fördermittel würden nach Amöneburg fließen - eben auch für private Projekte: „Das könnte einen Impuls geben auf dem Weg zur Wiederbelebung der Ortskerne.“

Senioren, aber auch Familie und Jugend

Weitere Schwerpunkte seines Wahlprogramms sind zudem Senioren, aber auch Familie und Jugend. Für die älteren Bürger möchte Plettenberg bestehende Strukturen erhalten und festigen. Zudem gibt er als Ziel aus, auch in Amöneburg und Erfurtshausen Mittagstische zu initiieren und die Bürgerstube in der Kernstadt möglichst barrierefrei zu gestalten (und in Bürgerhand zu übergeben). Noch dazu zeigt er sich froh darüber, dass das von ihm angeregte Projekt „Leben und Altwerden an der Falkenstraße in Mardorf“ voranschreitet.

Darüber hinaus gibt der Rathauschef als Ziel aus, Jugend und Familie stärker in den Fokus zu rücken. Das noch „fragile Gebilde“ der Jugendarbeit (die OP berichtete) möchte er, der sich aufgrund seines großen Engagements in diesem Bereich als „Obersachbearbeiter“ bezeichnet, festigen und ausbauen.

Plettenberg plant zudem, ein neues Baugebiet in Amöneburg auszuweisen und mehr für Familien zu tun - deswegen sei er Mitglied eines „konspirativen Zirkels“, wie er eine Gruppe engagierter Bürger scherzhaft bezeichnet, die verschiedene Ideen für Projekte habe.

Dass Plettenberg in den vergangenen zwölf Jahren übrigens einen Großteil seiner alten Wahlprogramme auch umgesetzt hat, „überrascht“ ihn übrigens selbst: „Ich arbeite nach Intuition - und habe nicht mein Programm neben mir liegen, dessen Punkte ich einzeln abarbeite.“

von Florian Lerchbacher

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