Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Per Kutsche in die Vergangenheit

Burgholz Per Kutsche in die Vergangenheit

Er ist ein gefragter Mann: Dietmar Estor aus Burgholz hatte vergangene Woche gleich zweimal Gelegenheit, seine historischen Kutschen filmisch in Szene zu setzen.

Voriger Artikel
Neue Medien stehen im Fokus
Nächster Artikel
Chlorgasalarm am Hallenbad

Dietmar Estor sitzt auf dem rund zwei Meter hohen Kutschbock seines französischen Omnibusses aus dem Jahr 1890. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Gemündener Bahnhofs fuhr er mit stilecht gekleideten Passagieren die Strecke der ehemaligen Wohratalbahn ab.

Quelle: Nadine Weigel

Burgholz. Hufgetrappel durchbricht die morgendliche Stille. Das Geschirr klappert im Takt. Die herbstlichen Sonnenstrahlen spiegeln sich im roten Lack der Kutsche.

„Brrrrrrrr....“, ruft Dietmar Estor und bringt mit einem sachten Ziehen der Leinen die Pferde zum Stehen. „Oh“ und „Ah“ entfährt es den Schaulustigen, die interessiert das außergewöhnliche Spektakel verfolgen, das sich an diesem Morgen an der Fiddemühle nahe Ernsthausen abspielt.

Es ist keine „normale“ Kutsche, die Dietmar Estor aus Burgholz steuert. Es ist ein Unikat, ein französischer Omnibus aus dem Jahr 1890. „ Darauf gleitet man quasi mayestätisch durch die Landschaft“, sagt der 52-Jährige und lupft seinen Zylinder.

Estor hat sich passend zu seiner historischen Kutsche eingekleidet, trägt Frack und Kutscherdecke. Und auch aus dem Innern des Gefährts steigen Menschen, die optisch eher in die Jahrhundertwende passen würden. „Es sollte alles authentisch wie damals sein“, begründet Estor die Aufmachung seiner Passagiere.

 

Anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Gemündener Bahnhofs fährt Estor mit dem Omnibus die alte Bahnstrecke der Wohratalbahn zwischen Kirchhain und Gemünden ab. Die rund 20 Kilometer lange Strecke, die im Jahr 1914 eröffnet wurde, legt Estor stilecht zurück.

Hinter ihm auf dem etwa zwei Meter hohen Kutschbock sitzen die Passagiere der zweiten Klasse. „Wenn es regnet, haben die gelitten“, amüsiert sich Harald Neyses. Er hat gut lachen, reist er doch als Passagier der ersten Klasse im bequemen, mit schwarzen Leder ausgekleideten Innenraum des Omnibusses.

„In solchen Luxus-Kutschen wurden früher die feinen Herrschaften zum Bahnhof oder zum Picknick gebracht“, erklärt Estor. Und weil an diesem Tag alles wie vor 100 Jahren aussehen soll, machen die Reisenden Halt auf dem alten Gutshof der Fiddemühle. „Gutsherrin“ Renate Stracke schreitet in wallendem Gewand durch den prächtigen Garten und schenkt, den Herrschaften Tee ein.

Dann geht es weiter zum alten Bahnhof Ernsthausen. Dort steigen neue Fahrgäste zu. Das in braun und beige gehaltene Bahnhäuschen wirkt tatsächlich wie aus einer anderen Zeit. Der Verein „aktive Störche“ renovierte es liebevoll im vergangenen Jahr, also fast 40 Jahre nach der eigentlichen Stilllegung der Wohratalbahn.

von Nadine Weigel

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr