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Partygänger sind plötzlich bewusstlos

K.-o.-Tropfen? Partygänger sind plötzlich bewusstlos

Gerade noch wild tanzend kippten insgesamt drei Jugendliche bei einer Zeltparty am 18. Januar in Wolferode um. Der Rettungsdienst musste sie behandeln, die Polizei ist eingeschaltet.

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Wurden Jugendlichen von Unbekannten sogenannte K.-o.-Tropfen in ihr Getränk gemischt wie auf diesem Themenfoto? Die Polizei ermittelt nach den Vorfällen in Vorfällen.

Quelle: Nadine Weigel

Wolferode. Bisher stehen nur wenige Fakten zu dem, was in der Nacht zum 19. Januar in einem Partyzelt in Wolferode passierte, fest: Drei Jugendliche sind in der Zeit zwischen 24 Uhr und 1 Uhr auf der Tanzfläche umgekippt. Sie mussten allesamt in die Universitätsklinik Marburg gebracht werden. Stephan Schienbein, Sprecher der Kreisverwaltung, bestätigte auf Anfrage der OP den entsprechenden Einsatz des Rettungsdienstes in jener Nacht. „Bei allen dreien hat ein unklares Beschwerdebild vorgelegen, weshalb der Rettungdienst sie mitgenommen hat“, sagt Schienbein. Zwei Rettungswagen seien vor Ort gewesen.

Die OP erfuhr von den Vorfällen durch eine Mutter und einen Vater anderer Jugendlicher, die die Ereignisse mitbekommen hatten und entsprechend betroffen waren. „Für uns bleiben einfach viele Fragezeichen und Sorgen, wenn so etwas passiert“, fasst es eine Mutter zusammen.

Ihr Sohn hat aus der Entfernung miterlebt, wie einer der Jugendlichen plötzlich umgekippt war und regungslos auf der Tanzfläche lag. Spekulationen, dass an jenem Abend bis zu neun Jugendliche umgefallen sein sollen, ließen sich bis gestern nicht bestätigen. Auch bei der Polizei sind nur diese drei Fälle bekannt.

Fakt ist, dass die Polizei in Wolferode in jener Nacht im Einsatz war. „Die Streife war vor Ort, weil der Verdacht bestand, dass Getränke manipuliert wurden“, erläuterte Polizeisprecher Martin Ahlich im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch dieser Verdacht habe sich nach Gesprächen mit Betroffenen und Zeugen zunächst nicht bestätigen lassen. Der Polizei war bis gestern nur das Ergebnis von einer Blutprobe bekannt. Und darin fanden sich keinerlei Spuren von Betäubungsmitteln, Drogen oder „K.-o.-Tropfen“.

Gerüchte, laut denen es auch eine Blutprobe mit positivem Ergebnis gegeben hat, weist der Polizeisprecher zurück. „Davon ist uns bisher nichts bekannt“, sagt Ahlich. Alle drei Jugendlichen haben eines gemeinsam: Wie viele andere Partygäste des Jugendklubs Wolferode auch tranken sie ausschließlich Apfelwein-Cola. Betrunken waren sie nicht, übermäßiger Alkoholgenuss scheidet als Grund aus Sicht der Polizei aus.

Jugendklub-Vorstand hofft auf Aufklärung

„Was auch immer da passiert ist, im Augenblick haben wir eine unklare Lage“, fasst Ahlich den Stand der bisherigen Ermittlungen zusammen.

Bei den Veranstaltern, dem Jugendklub Wolferode, haben die Ereignisse in jener Nacht große Bestürzung ausgelöst. Oliver Ludwig, zweiter Vorsitzender des Jugendklubs weiß, dass über die Geschehnisse unter Jugendlichen wie auch Erwachsenen seit Tagen sehr viel spekuliert wird.

„Wir hoffen, dass es allen Betroffenen inzwischen wieder gut geht“, betont Ludwig beim Anruf der OP zunächst besonders.

Als die Jugendlichen umgefallen seien, sei die Musik abgestellt worden. Ein Abbruch der Veranstaltung haben die Organisatoren angesichts der Fülle an Besuchern im Partyzelt nicht in Erwägung gezogen. Ludwig ärgern Gerüchte, die ihm zu Ohren gekommen sind. „Wir mischen unseren Gästen nichts in ihre Getränke, wir wollen friedlich Party feiern“, unterstreicht er. Aus Sicht der Polizei gab es bei dem Partywochenende außer den geschilderten Vorfällen auch keine besonderen Ereignisse.

Bisher gute Erfahrungen mit den Veranstaltern

Dem Jugendklub als Veranstalter sind die üblichen Auflagen gemacht worden. Dies erläuterte Hubertus Müller, Leiter des zuständigen Fachbereichs 3. In diesem Jahr habe es keine eigenen Kontrollen der städtischen Ordnungsbehörden gegeben. Hintergrund waren wohl auch die guten Erfahrungen mit einer ähnlichen Veranstaltung des Jugendklubs im vergangenen Jahr. 2012 hat es laut Müller bei Überprüfungen, insbesondere der Einlasskontrollen durch den Sicherheitsdienst, keine Beanstandungen gegeben.

Sollte tatsächlich ein Unbekannter K.-o.-Tropfen in die Getränke der Jugendlichen gemischt haben, so wäre das im Kreis ein möglicherweise einmaliger Fall. Der Polizeipressestelle in Marburg sind keinerlei derartigen Delikte bekannt.

Doch so recht daran glauben, dass solche blitzartig betäubenden Tropfen in Wolferode im Umlauf waren, will die Polizei derzeit nicht. „Beim Einsatz von K.-o.-Tropfen wollen die Täter in der Regel etwas rauben oder ein Sexualdelikt begehen. Dafür gibt es bei diesen Fällen keine Hinweise“, sagt Ahlich.

  • Die Polizei bittet Zeugen wie auch weitere mögliche Geschädigte, sich bei der Polizeistation Stadtallendorf, Telefon 06428/93050, zu melden.

von Michael Rinde

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