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Parkplatzsuche mit Hindernissen

Behindertenparkplatz Parkplatzsuche mit Hindernissen

Als Berthold Seeling eine ältere Frau beobachtete, die ihren im Rollstuhl sitzenden Mann quer über den Kirchhainer Festplatz durch den Regen schieben musste, platzte dem Langensteiner der Kragen.

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Auf den Behindertenparkplätzen in der Römerstraße stehen Altglascontainer. Dadurch sind die Lücken für den behindertengerecht umgebauten Transporter von Berthold Seeling zu klein. Klappt der Langensteiner die Hebebühne aus, gibt es für andere Verkehrsteilnehmer kein Durchkommen mehr.

Quelle: OP

Kirchhain. Berthold Seeling und seine Frau hat das Schicksal hart getroffen: Ihre Kinder im Alter von 15, 16 und 20 Jahren sind alle schwerst mehrfach behindert und an den Rollstuhl gefesselt. „Sie leiden an Krampfanfällen – und die Ärzte wissen nicht warum“, sagt der Langensteiner. Der ehemalige Gas- und Wasserinstallateur hat vor einigen Jahren seinen Beruf aufgegeben und richtete sein Leben nach den Kindern aus: „Meine Frau schaffte es alleine nicht mehr.“

Für den Transport seiner Familie finanzierte ihm das Land Hessen einen Ford Transit. In dem umgebauten Transporter befindet sich eine Hebebühne, die das ohnehin schon große Fahrzeug um zwei Meter verlängert. Hinzu kommt, dass Seeling für das Rangieren mit den Rollstühlen hinter dem Wagen einen weiteren Meter Platz braucht. „Ich darf im eingeschränkten Halteverbot parken, aber das mache ich eigentlich nicht“, erklärt er, schließlich gebe es Behindertenparkplätze. Das wiederum stellt ihn an zentralen Punkten in Kirchhain derzeit vor Probleme: Am Bahnhof gibt es keinen Behindertenparkplatz mehr, das gleiche gilt für das neu gebaute Ärzte- und Einkaufszentrum am Festplatz – lediglich vor dem Schlecker-Markt befindet sich ein markierter Stellplatz.

„Da hat sich wohl jemand keine Gedanken gemacht“, kommentiert Seeling und ergänzt, er habe lange still gehalten. Als er dann aber beobachtet habe, wie eine ältere Frau vor der Halle des Reitvereins parken und ihren Mann im Rollstuhl über den Festplatz schieben musste, weil vor der Apotheke kein Stellplatz frei war, sei das Maß voll gewesen. Nun übt er Kritik – und hat noch zwei weitere Punkte parat: Auf dem Parkplatz in der Römerstraße gibt es zwar Behindertenparkplätze, auf denen allerdings Glascontainer als Hindernis warten. Parkt Seeling dort, darf sich kein Auto auf den Platz hinter ihm stellen, denn dann kommt er nur durch millimetergenaues Rangieren wieder aus der Lücke.

„Ich höre es das erste Mal, dass unsere Behindertenparkplätze kritisiert werden“, sagt Bürgermeister Jochen Kirchner auf Anfrage der OP. Die Stadt arrangiere Verkehrsschauen, bei denen immer behinderte Bürger oder Mitglieder des Sozialverbandes VDK dabei seien: „Sie können das Thema gut beurteilen, haben aber nie etwas gesagt.“ Dennoch werde er sich der Problematik annehmen, verspricht er.

von Florian Lerchbacher

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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