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Ostkreis Ortsbeirat stoppt ehrenamtliche Arbeit
Landkreis Ostkreis Ortsbeirat stoppt ehrenamtliche Arbeit
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17:34 18.09.2016
Kritische Blicke nach oben: Einige Balken der Pergola auf dem Halsdorfer Dorfplatz sind morsch. Eine Beseitigung der Schäden in Eigenleistung ist nach den neuen Vorgaben der Gemeinde für den Ortsbeirat jetzt undenkbar. Quelle: Heinz-Dieter Henkel
Halsdorf

Mit einem Ortstermin am Dorfplatz in der Ortsmitte begann die Sitzung des Ortsbeirats. Auch wenn nur geringe Schäden zu erkennen waren, so wirkt doch die den Platz mit seinen Tischen und Bänken überspannende Holzkonstruktion marode. Dies sei von einem Gutachter bereits im August 2015 festgestellt worden, berichtete Ortsbeiratsvorsitzender Willi Schollmeier.

Mit seinem Stellvertreter Hartmut Dörr habe er selbst in der Vorwoche die Schäden in Augenschein genommen. Bis zur Hälfte seien die Balken marode, was auf den Regen zurückzuführen sei.

Die Pergola sei im Zuge der Dorferneuerung 2001 errichtet worden. Die Qualität des Holzes habe wohl keine große Rolle gespielt, ließ eines der Ortsbeiratsmitglieder durchblicken. Rückfragen bei der Abteilung „Ländlicher Raum“ beim Landkreis hätten ergeben, dass man die Dachkonstruktion ohne Rückforderungen seitens des Amtes auch abreißen könne. Doch das wollte keines der fünf Ortsbeiratsmitglieder. „Außer mir kenne ich lediglich eine weitere Person, die für den Abriss ist“, meinte Dörr.

Und so stand später im „Treffpunkt“ Halsdorf, wo die Sitzung fortgesetzt wurde, ein Abriss erst gar nicht zur Debatte. Es wurde einstimmig beschlossen, die Balkenkonstruktion in derzeitiger Form zu erhalten und die Mittel für einen Austausch durch eine Fachfirma für den kommenden Haushalt zu empfehlen.

Mit großer Verwunderung lauschten alle Anwesenden dem Inhalt eines Schreibens zum Thema „Ehrenamtliches Arbeiten“, den der Gemeindevorstand den Ortsvorstehern zugeschickt hat. Schollmeier führte aus, dass zukünftig sämtliche beabsichtigten Arbeiten zuvor dem Gemeindevorstand mittels eines Formblatts angezeigt werden müssten.

Zusätzlich müsse vor Ort sichergestellt werden, dass der Freiwillige in der Lage sei, die Arbeiten ausführen zu können. Er müsse auf die zur Verfügung gestellten Gerätschaften eingewiesen werden. Die Unfallvorschriften müssten dem Helfer mitgeteilt werden, die Arbeiten überwacht und schließlich auch dokumentiert werden. Die Gemeinde würde für alle Eventualitäten 10000 Euro in zukünftige Haushalte einstellen.

Schwerer Arbeitsunfall als Hintergrund der Direktive

Hintergrund dieser Direktive aus der Gemeindeverwaltung ist ein schwerer Arbeitsunfall, den ein Langendorfer Feuerwehr­mann während des Umbaus des Langendorfer Feuerwehrgeräte­hauses erlitten hatte. Der Unfall hatte sich während eines ehrenamtlichen Arbeitseinsatzes der Feuerwehrleute ereignet. Ein Gericht hatte daraufhin die Gemeinde Wohratal dazu verurteilt, einen erheblichen Teil der aus dem Unfall resultierenden Folgekosten zu bezahlen. Seitdem stehen selbst die in Wohra üblichen Aktionstage der Dorfgemeinschaften wegen der Haftungsfrage auf der Kippe.

Der Ortsbeirat stellte fest, dass die fachkundige Aufsichtsperson für solche freiwilligen Tätigkeiten nicht der Orts­vorsteher sein könne, da er als Laie den Aufgabenkatalog und arbeitsrechtliche Vorschriften gar nicht überschauen könne. Das könne dann ja wohl nur ein Mitarbeiter des Bauhofs überwachen.

„Wenn das so bleibt, ist das Ehrenamt kaputt“, sagte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Karl-Ludwig Bubenheim und erntete uneingeschränkte Zustimmung der anderen. Zur nächsten Ortsbeiratssitzung soll der in der Verwaltung zuständige Achim Homberger eingeladen werden, um dieses Schreiben zu diskutieren. Bis dahin würden in Halsdorf keine ehrenamtlichen Tätigkeiten mehr geleistet werden.

In Übereinstimmung mit der Leitung der KiTa „Sonnen­blume“ wurde empfohlen, die etwa 50 Meter lange Hecke entlang der „Hauptstraße“ zu entfernen und durch einen neuen Zaun zu ersetzen. Das alte Buswartehäuschen Ecke „Heckenweg“ / „Am Steinboß“ soll erhalten bleiben, da es noch häufig genutzt werde. Die Schulleitung soll gefragt werden, ob der Betonbau im Rahmen eines Kunstprojekts bemalt werden könne.

von Heinz-Dieter Henkel