Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Opfer büßt sein linkes Auge ein
Landkreis Ostkreis Opfer büßt sein linkes Auge ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 27.04.2012
Ein Fall von äußerster Brutalität wurde vor dem Marburger Jugendschöffengericht verhandelt. Quelle: Archivfoto

Wegen dieser schweren Körperverletzung wurde gegen einen 24-jährigen Mechaniker aus Neustadt, einen 32-jährigen Lkw-Fahrer aus Stadtallendorf und einen 22-jährigen Auszubildenden, aus Stadtallendorf, verhandelt.

Am 14. März 2010 wurde in einer ehemaligen Stadtallendorfer Diskothek früh um fünf Uhr immer noch kräftig gefeiert. Das Lokal galt als beliebter Treffpunkt für Jugendliche türkischer und russischer Abstammung. Gelegentlich hatte es dort Probleme zwischen beiden Gruppen gegeben, aber in dieser Nacht eskalierte die Situation.

Das spätere Opfer soll auf der Tanzfläche der damals 16-jährigen Freundin eines der Angeklagten an das Hinterteil gefasst haben. Die junge Frau soll sich dagegen gewehrt, und daraufhin von dem Mann geschlagen worden sein. Das wiederum ließ den Freund der jungen Frau ausrasten.

Laut Anklageschrift schlug er dem Opfer ohne Vorwarnung mit einer Wodkaflasche mehrmals ins Gesicht. Auch die anderen beiden Angeklagten sollen den am Boden liegenden Mann mit Schlägen und Fußtritten so heftig traktiert haben, dass dieser einen Teil seiner Zähne verlor und ein Bruch des Jochbeins davontrug.

Dem 31-jährigen gelang es mit Hilfe von Umstehenden, sich kurzzeitig zu befreien. Sein Fluchtversuch wurde jedoch von einem Angeklagten mit einem Barhocker gestoppt. Verzweifelt versuchte der Geschädigte, mit einem Stuhl weitere Angriffe abzuwehren.

Der dritte Angeklagte schlug dem im Gesicht stark blutenden und schon fast wehrlosen Mann mit einem Glasaschenbecher dermaßen heftig ins Gesicht, dass der 31-jährige dabei das Bewusstsein verlor. Ob der Verlust des Sehvermögens des linken Auges durch die Schläge mit dem Stuhl oder dem Aschenbecher verursacht wurde blieb offen. Nach eigenen Angaben hatte der Geschädigte einen Monat in der Marburger Uniklinik zur Behandlung der Augenverletzung, eines Nasen- und Jochbeinbruchs sowie anderer leichterer Verletzungen verbracht. Sein linkes Auge konnte trotz der Behandlungsversuche in der Türkei und in Indien nicht gerettet werden.

Zwei der Angeklagten machten Angaben zur Sache. Das spätere Opfer habe der Freundin ins Gesicht geschlagen. Danach sei die Sache eskaliert. Wie und durch wen die schweren Verletzungen des Opfers verursacht worden seien, konnten beide auf Grund fehlender Erinnerung nicht sagen. Der dritte Angeklagte, dem die Schläge mit dem Aschenbecher zugeordnet wurden, schwieg.

Insgesamt 16 Zeugen hatte das Gericht geladen, um die Vorgänge aufzuklären. Sichtlich aufgewühlt berichtete das Opfer von den Vorgängen in der Disco. Auch er sei angetrunken gewesen. Eigentlich sei er immer Problemen mit anderen aus dem Weg gegangen. Ob er dem Mädchen an das Hinterteil gefasst habe, wisse er nicht mehr. Seine übrige Erinnerung ende bereits mit den Schlägen, die er durch die Wodkaflasche habe einstecken müssen. Die schwere Augenverletzung beeinträchtige ihn in allen Lebenslagen, berichtete der ehemalige Dachdecker.

Die Aussagen der Zeugen waren von deutlichen Erinnerungslücken geprägt, die diese auf den langen Zeitabstand und ihren Alkohol-Pegel in der Tatnacht zurückführten. Einzig die Ehefrau des Opfers sowie ihr Bruder, beide nüchtern in der Tatnacht, schilderten minutiös den Ablauf der Ereignisse bis hin zu den massiven Schlägen mit dem Aschenbecher.

Zum Ende des ersten Verhandlungstages meldete sich überraschend noch einmal die Ehefrau des Geschädigten zu Wort. Sie berichtete von einem Gespräch zwischen zwei anderen vorher vernommenen Zeugen, das sie vor dem Gerichtsgebäude mitgehört hatte. Dabei hätten die beiden Männer erklärt, dass sie beide von einem der Angeklagten massiv zu einer für ihn positiven Aussage aufgefordert worden seien. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 3. Mai, ab 9 Uhr mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

von Alfons Wieber

Anzeige