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Ostkreis Wiederholungstäter lernt nicht dazu
Landkreis Ostkreis Wiederholungstäter lernt nicht dazu
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00:17 03.08.2018
„Ich wollte einfach ‘ne Runde drehen“, sagte der Angeklagte über seine illegale Spritztour auf einem Roller. Quelle: Symbolfoto: Yanik Schick
Kirchhain

Richter Joachim Filmer erinnerte sich noch gut an den Mann, der da auf der Anklagebank saß. Erst vor zwei Jahren hatte er ein Urteil gegen ihn gesprochen – wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen.

Damals bekam der vielfach vorbestrafte Kirchhainer eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten, und Richter Filmer merkte an: „Sollte noch einmal etwas danebengehen, dann ist Feierabend.“ Feierabend, das hieß übersetzt: Haft.

Nun, zwei Jahre später, war also Feierabend. Das Urteil: Acht Monate Freiheitsstrafe – ohne Bewährung. Denn der Mann hatte sich wieder etwas zu Schulden kommen lassen: Vergangenes Jahr im November fuhr der 48-Jährige mit einem unerlaubt hochgetunten Motorroller über die Landstraße, das Ganze ohne Führerschein, ohne Versicherung, auf Bewährung und sogar noch unter dem Einfluss von Amphetaminen.

Mit 80 Sachen war er unterwegs. Ein Kriminaltechniker, gerade auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, bemerkte den Mann und nahm die Verfolgung auf. Zusätzliches Pech für den Angeklagten: Weil seinem Roller das Benzin ausging, blieb er dabei auch noch liegen.

Was hatte der Mann jetzt vor dem Kirchhainer Amtsgericht zu seiner Verteidigung zu sagen? „Ich wollte einfach ‘ne Runde drehen“, erklärte er.

Sein Fehlverhalten schob er auf sein Drogenproblem, das sich auch im langen Vorstrafenregister widerspiegelt: Unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln, Trunkenheit im Straßenverkehr, vorsätzliche gemeinsame Brandstiftung, Körperverletzung und eben Fahren ohne Fahrerlaubnis – um nur einige Punkte zu nennen. „Ich möchte aus diesem Strudel herauskommen“, betonte der Angeklagte.

Bisher keine günstige Sozialprognose

Das hob auch sein Verteidiger hervor. Der 48-Jährige habe bereits ein Gespräch bei der Suchtberatung geführt, er wolle an sich arbeiten. „Es geht ja hier nicht nur darum, eine Strafe auszusprechen, sondern auch, dem Mann zu helfen.

Er weiß: es wäre die allerletzte Chance in seinem Leben“, so der Verteidiger. Oberamtsanwalt Peter Heinisch sah die Sache anders: „Wo soll ich denn etwas Positives hernehmen, um zu sagen: Jetzt hat er es kapiert? Das fällt mir schwer.“ Er beantragte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten ohne Bewährung.

Es gebe trotzdem noch eine Chance, die Haft zu vermeiden, sagte er. Der Kirchhainer müsse Berufung gegen das Urteil einlegen und bis zur Berufungsverhandlung eine Therapie gegen sein Drogenproblem beginnen. Dann bestehe die Möglichkeit, die Strafe noch einmal zur Bewährung auszusetzen.

Richter Filmer folgte dieser Argumentation, verurteilte den Mann zu acht Monaten Haft. „Auch im dritten Anlauf habe ich es heute nicht geschafft, eine günstige Sozialprognose zu stellen. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich eine Bewährungsstrafe nicht rechtfertigen.“ Jetzt liegt der Ball bei dem 48-Jährigen.

von Yanik Schick