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Nur die Steigleitung macht Sorgen

Wasserversorgung Nur die Steigleitung macht Sorgen

Es ist nicht lange her, dass drei Ortsteile mit verkeimtem Wasser zu kämpfen hatten. Der Berg an sich stand zudem zweimalohne Wasser da. Grund genug für die Stadt zu zeigen: Mit der Versorgung ist an sich alles in Ordnung.

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Amöneburg. Die Bürger von Erfurtshausen, Roßdorf und Mardorf erinnern sich nur ungern an einige Wochen zurück, in denen die Stadt ihr Wasser massiv chloren musste. Auslöser war eine Verkeimung - woher sie stammte, ist noch heute unklar. Drei Möglichkeiten stehen im Raum: ein verschmutztes Lüftungsgitter in einem Hochbehälter, eine nicht fachgerechter Hausanschluss oder eine undichte Stelle am Tiefbrunnen in Erfurtshausen, durch die Siebenschläfer ins Gebäude eingedrungen seien könnten.

Die Probleme gebe es nicht mehr, berichtete Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und lud die Mitglieder des Bauausschusses dazu ein, die Anlagen der Wasserversorgung in Augenschein zu nehmen. Üblich sei dies nicht, betonte er und hob hervor, dass Wassermeister Ludwig Hauser schon interessierten Bürgern den Zutritt zu den Anlagen verweigert habe: Die Gründe dafür seien hygienischer Natur und nicht, dass die Stadt etwas zu verheimlichen habe: „Das wichtigste Nahrungsmittel des Menschen ist hochsensibel. In den Anlagen hat niemand etwas zu suchen.“

Hauser jedenfalls gab gemeinsam mit seiner „rechten Hand“, Martin Schick, den Ausschussmitgliedern ausführlich Auskunft über die Anlagen „eines der kleinsten Wasserversorger Deutschlands“, wie Richter-Plettenberg sagte. Die Rundreise führte durch den Hochbehälter am Wald von Roßdorf, die Aufbereitungsanlage hinter der Erfurtshäuser Grotte, die Pumpstation Amöneburg und den Hochbehälter in der Schlossruine auf dem Berg. Lediglich die Wasserversorgung von Rüdigheim liegt nicht in städtischer Hand: Dort ist der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke zuständig.

Während es in den Stadtteilen glänzte und funkelte, kam die Pumpstation in der Kesselgasse eher historisch daher - was besonderen Eindruck auf Karl Wahl aus der Amöneburger Partnerstadt Tragwein machte. Begeistert analysierte der Österreicher die Maschinen, die teilweise noch aus den 1920er Jahren stammen und hob immer wieder hervor, dass die Anlagen zwar alt seien, dafür jedoch zuverlässig und robust: „Sie sieht vielleicht schlimm aus, ist aber unverwüstlich.“

Als weniger zuverlässig hatte sich in den vergangenen zwei Jahren die Steigleitung zum Hochbehälter auf dem Berg erwiesen. Zweimal kam es zu Brüchen - die sich allerdings jeweils an gut zugänglichen Stellen befanden. Der 200 Kubikmeter fassende Hochbehälter lief zwar leer und die Berger standen ohne Wasser da, doch die Probleme hätten sich leicht beheben lassen, erinnerte Richter-Plettenberg. Kritisch könne es werden, wenn der Bruch in schwierigen - sprich: schwer erreichbaren - Teilen auftrete. „Eigentlich gibt es an den Anlagen nichts zu bemängeln“, sagte der Bürgermeister, gab aber zu: „Die Steigleitung ist sensibel.“ 200000 Euro würde eine Erneuerung kosten - Geld, das die Stadt allerdings derzeit nicht so einfach aufbringen könnte. Und so heißt es primär, auf den Wassermeister zu vertrauen: „Hauser betrachtet die Wasserversorgung als sein Baby. Er weiß, wo sensible Stellen sind und fährt diese im Winter zum Beispiel prophylaktisch ab“, lobte das Stadtoberhaupt.

Eine Rücklage bilden, will er indes nicht: „Wir kalkulieren knapp. Die Wassermengen, die wir verkaufen, sind in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen.“ Peter Greib, Vorsitzender des Ausschusses und ob seiner Tätigkeit für den Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke selber Experte in Sachen H2O, ergänzte, die Deutschen würden nur drei Prozent des ihnen zur Verfügung stehenden Trinkwassers nutzen.

von Florian Lerchbacher

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