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Ostkreis Null-Toleranz-Grenze für Fußball-Chaoten
Landkreis Ostkreis Null-Toleranz-Grenze für Fußball-Chaoten
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18:15 03.07.2012
Eintracht-Fan mit Leib und Seele: Werner Fleckna in seinem Heiligtum. Sein Keller ist geschmückt mit Fan-Zubehör seines Lieblingsvereins. Foto: Florian Lerchbacher
Stadtallendorf

Werner Fleckna muss erst einmal tief Luft holen, wenn er an die Sanktionen des Deutschen Fußballbundes (DFB) gegen seine Eintracht denkt. Beim ersten Spiel der neuen Bundesliga-Saison dürfen nur 15000 Frankfurter und 5000 Gäste-Fans in die Commerzbank-Arena. 50000 Euro Strafe für den Club, dazu noch das Public Viewing-Verbot auf dem Stadion- oder Vereinsgelände. „Es ist unbeschreiblich, wie eine solche Minderheit so einen Schaden anrichten kann“, sagt Fleckna. Wen er damit meint, ist klar: Die Chaoten, die während der Spiele bengalische Feuer zünden, sie aufs Spielfeld werfen und für Spielunterbrechungen sorgen.

In den letzten drei Spielen der Saison 2011/12 kamen die Bilder von Vermummten, die stolz die Lichtfackel in die Höhe strecken und das gesamte Stadion einnebeln leider zu häufig vor. Die Offiziellen vom DFB sahen sich gezwungen zu handeln.

Vonseiten der Eintracht gab es auf OP-Anfrage keine Stellungnahme zu den Strafen. „Da es sich in diesem Fall um ein noch nicht abgeschlossenes Verfahren handelt, werden weder Spieler noch Offizielle sich zu diesen Thema öffentlich äußern“, sagt Carsten Knoop von der Pressestelle. Fakt ist, die Eintracht hat Einspruch eingelegt. Ob sich die DFB-Richter umstimmen lassen?

Für Werner Fleckna, seit 1998 Mitglied des größten deutschen Eintracht-Fanclubs mit 645 Mitgliedern, ist die ganze Geschichte ohnehin eine Farce. „Mit solchen Strafen erreicht man gar nichts. Im Gegenteil: Die Maßnahmen treffen nur den Verein.“ Finanzielle Einbußen sind das eine. Der Imageschaden für Stadt und Club sei noch viel schlimmer, sagt Fleckna. „Wir als Fanclub tolerieren niemanden, der mit diesen Zündeleien so einen Schwachsinn anrichtet. Sollten wir Mitglieder sehen, die sich daneben benehmen, rufen wir sie zur Ordnung.“ In letzter Konsequenz hätten solche Störenfriede bei „Adlerhorst“ nichts verloren.

Aber wie soll solchen Chaoten, die nicht das Spiel oder der Verein, sondern einzig Randale und Unruhestiftung im Sinn haben, Einhalt geboten werden? „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Die Politik findet auch kein Patent“, sagt Fleckna. Wenn diese Chaoten etwas ins Stadion schmuggeln wollen, dann schaffen sie das auch, erklärt Fleckna. Da helfen auch keine Kontrollen bis zur Unterwäsche. „Sie finden immer Mittel und Wege.“

Für sich und seinen Fanclub kann der Stadtallendorfer sagen, er gehe mit gutem Beispiel voran, zeige den Mitgliedern von Jung bis Alt, wie man sich untereinander und im Stadion zu verhalten habe. „Es ist doch völliger Schwachsinn, mit Angst ins Stadion zu gehen. Diese Befürchtungen kamen bei einigen zuletzt tatsächlich auf.“ Genau dieses Pauschaldenken bringt Mannschaft, Verein und Fans erst in Verruf. „Es gibt überall Minderheiten, die eine Plattform suchen. Da muss man gezielt gegen vorgehen und nicht mit der Brechstange.“

Konkretes Beispiel: Der Ruf, mit dem die „Ultras“ zu kämpfen haben. „Es handelt sich dabei um Fans mit einer anderen Fan-Philosophie und nicht um Hooligans. Und solche Unterschiede ergeben ein völlig anderes Bild“, sagt der Manager, Schriftführer und Schatzmeister von „Adlerhorst“. „Fußball ist so eine tolle Sache. Für die ganze Familie. Besonders die Eintracht. Und das wollen wir uns nicht kaputt machen lassen.“

von Carsten Bergmann