Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Note zwei, aber nicht richtig gut

Junge Wassertester Note zwei, aber nicht richtig gut

„Das Stadtallendorfer Trinkwasser ist besser als Mineralwasser“, stellten die Stadtwerke stolz während der Eröffnung einer Ausstellung zum Thema Trinkwasser fest. Schüler kamen zu einem anderen Ergebnis.

Voriger Artikel
Nieselregen schreckt die Kunden nicht
Nächster Artikel
KiTa-Kinder schauen Blaumeisen-TV

Lukas Fleischhauer, Timo Matzik und Philip Köster (von links) nehmen die inneren Werte eines Mineralwassers unter die Lupe. Mandy Naumann erhitzt und verflüssigt Zucker, den Grundstoff für eine Red Bull nachempfundene Limonade.

Quelle: Matthias Mayer

Stadtallendorf. An der Stadtallendorfer Landgräfin-Elisabeth-Schule gibt es eine Arbeitsgemeinschaft „Spannende Experimente“, und bei dieser AG ist der Name Programm. Die Schülerinnen und Schüler der AG besuchten mit ihrem Lehrer Hans-Joachim Scholz die Ausstellung und machten hinterher die Probe auf das Exempel. Sie testeten fünf Wassersorten auf ihre Qualität. Dazu untersuchten sie den pH-Wert, die Wasserhärte und die Konzentration von Ammonium, Nitrit, Nitrat und Phosphat.

Das Ergebnis: Testsieger ist das Mineralwasser eines großen Discounters mit der Note 1. Platz zwei teilen sich ein bekanntes Mineralwasser und das Marburger Leitungswasser mit der Note 1,5. Dem Stadtallendorfer Leitungswasser gaben die Schüler die Note zwei. Gegenüber dem Marburger Leitungswasser fällt es beim pH-Wert (7,9 gegenüber 6), bei der Wasserhärte (10 gegenüber 7) und bei der Nitratkonzentration (9 Milligramm pro Liter - mg/L - gegenüber 0 mg/L) etwas ab.

Erklären kann sich Hans-Joachim Scholz diese Unterschiede nicht, denn sowohl Stadtallendorf als auch Marburg bekommen ihr Trinkwasser vom gleichen Lieferanten: dem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke. „Wir haben unsere Analysen dreimal wiederholt und sind dreimal zum gleichem Ergebnis gekommen“, erklärt der Lehrer.

Auf dem letzten Platz hinter dem Stadtallendorfer Leitungswasser findet sich mit der Note 3 übrigens ein bekanntes Mineralwasser. Die Ammonium-Konzentration von 0,2 mg/L liegt sehr deutlich über den Werten der Mitbewerber und führt zur Abwertung. Auffällig: Die von den Schülern ermittelte Nitrat-Konzentration übersteigt den vom Hersteller auf dem Etikett angegebenen Wert gleich um das Dreifache.

Der Wissensdurst der jungen Forscher ist noch nicht gestillt. Im AG-Raum herrscht ein lebhaftes Gewusel. In einer Ecke stecken Lukas Fleischhauer, Timo Matzik und Philip Köster die Köpfe zusammen. Sie wollen die Inhaltsstoffe eines No-Name-Mineralwassers bestimmen. „Eine Minute schütteln, zehn Minuten ruhen lassen“, weist Philip seine Mitstreiter ein. Dann passiert‘s. Das Schütteln weckt die Lebensgeister der Kohlensäure. Der Deckel des Proben-Döschens fliegt weg, die Jungs werden nass. Großes Gelächter, nächster Versuch.

Nebenan packt Hans-Joachim Scholz Gewürzkräuter aus. Eine Schülerin schnuppert am Majoran. „Das kenne ich von der Pizza“, sagt sie und nimmt verwundert zur Kenntnis, dass dieses Kraut in die Limonade soll, die diese Gruppe brauen will. Es ist eine ganz besondere Limo: Red Bull. Die Gruppe hat die Energie-Limo mit ihren Grundstoffen schon einmal hergestellt. Allerdings war das Geschmacksergebnis unbefriedigend. Deshalb soll das Getränk heute mit Kräutern und Limonen geschmacklich aufgepeppt werden. Die Schülerinnen und Schüler machen sich dran, die Zutaten mit Präzisionswaagen abzuwiegen,

Genaues Arbeiten, das hat der Lehrer seinen Schülern immer wieder klar gemacht, ist der Schlüssel zum Erfolg. Das gilt besonders für die Schüler, die Blitzlicht-Pulver herstellen wollen. Die brisante Mischung als Magnesiumpulver und Kaliumpermanganat fällt in Deutschland unter das Sprengstoffrecht. Deshalb hat Scholz diese Gruppe besonders im Auge.

Die AG besteht bereits seit sechs Jahren und hat zur Freude von Schulleiter Peter Martin Stier konstant guten Zulauf. „Einige Schüler sind schon im dritten Jahr dabei“, stellt er fest. Einmal wöchentliche bittet Hans-Joachim Scholz die Schüler für drei Schulstunden in den AG-Raum, wo er immer wieder etwas Neues anbietet: „Wir werden von der Schule großzügig unterstützt, haben gute materielle Voraussetzungen und bekommen neue Chemikalien, wenn wir diese brauchen“, stellt der Lehrer zufrieden fest.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr