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Noch sind nicht alle Ziele erreicht

Wohra-Renaturierung Noch sind nicht alle Ziele erreicht

Mit einem Kostenaufwand von 2,01 Millionen Euro wurde ab September 2010 der Unterlauf der Wohra renaturiert. Für die Ökologie des Gewässers hat das Großprojekt noch nicht alle erhofften Effekte gebracht.

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Durch den Einbau von Störsteinen und Totholz hat die Wohra einen anderen Charakter bekommen. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Studierende des Bachelor-Studiengangs Umweltmanagement an der Gießener Justus-Liebig-Universität kommen zu diesem Ergebnis. Sie hatten im Winter vier Abschnitte der Wohra untersucht: Zwei noch nicht renaturierte Teilstücke des Flusses und zwei renaturierte Wohra-Abschnitte am Sandfang und kurz vor der Einmündung in die Ohm.

Vor Kirchhainer Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten sowie vor Mitarbeitern des Bauträgers Wasserverband Lahn-Ohm stellten die Studenten Tobias Grabner und Dominik Marx mit ihrem Hochschullehrer Professor Rainer Waldhardt ihre gewonnenen Erkenntnisse im Kirchhainer Jugend- und Kulturzentrum vor. Die überraschendsten Punkte:

n Die Wasserdurchlässigkeit des Bodens entlang der noch nicht renaturierten Wohra ist höher, als an den renaturierten Abschnitten. n Die Artenvielfalt in der unveränderten Wohra ist höher als in den ökologisch aufgewerteten renaturierten Abschnitten. Tobias Grabner begründete die schlechtere Bodendurchlässigkeit entlang der renaturierten Wohra mit dem Einsatz schwerer Baumaschinen während der Bauphase. Dies habe zu einer Bodenverdichtung geführt. Der Boden werde sich aber vermutlich wieder erholen, sagte der Student.

Dominik Marx begründete den ausbleibenden Artenzuwachs in der ohnehin artenarmen Wohra damit, dass die Wasserlebewesen das neue Flussbett offenbar noch nicht als Lebensraum entdeckt hätten. Bei Gewässerverlauf, Uferstruktur, Durchgängigkeit, Gewässerquerschnitt und Strömungsbild schneide die renaturierte Wohra deutlich besser ab. Der mittlere Abschnitt verdiene sich gute Noten, der untere schneide schlechter ab, weil es hier nicht gelungen sei, für eine naturnahe Umgestaltung das notwendige Land zuzukaufen. Gleichwohl sei auch dieser Abschnitt besser konditioniert, als die mit "mäßig bis schlecht" eingestufte alte Wohra.

Landwirtschaft gefährdet Ökosystem Wohra-Aue

Projektleiter Waldhardt, der für die SPD-Fraktion im Kirchhainer Stadtparalament sitzt, erläuterte die Gefahren, die von der im Einzugsgebiet der Wohra betriebenen intensiven Landwirtschaft für das Ökosystem Wohra-Aue ausgehen. Seine Studirenden hatten auch nach Starkregen-Ereignissen eine gleichbleibend hohe Nitrat-Konzentration und nach starken Regenfällen eine hohe Schwebstoffkonzentration im Wasser festgestellt. Besser ist die Situation dort - so ihre Feststellung - wo sich extensiv bewirtschaftete Gründlandflächen als Puffer zu den intensiv bewirtschafteten Feldern finden.

Waldhardt regte an, die entlang der Wohra wirtschaftenden Landwirte entsprechend zu beraten. Ziel könne sein, den Landwirten ein extensives Produktionsverfahren im Sinne des Hessischen Kulturlandschaftsprogramms HEKUL zum Schutz der Umwelt nahe zu bringen. Bei diesem Programm gleichen Fördermittel eine Minderung der Ernteerträge aus.

Die vom Land Hessen mit 1.5 Millionen Euro bezuschusste Renaturierung der Wohratflutmulde verfolgt gleich mehrere Ziele: Sie dient der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, dem Hochwasser-Schutz in der Zwei-Flüsse-Stadt Kirchhain und erspart das jährliche Ausbaggern des Wohra-Sandfangs. Die Renaturierung beginnt 200 Meter oberhalb des Sandfang-Sees und endet an der Einmündung der Wohra in die Ohm.

von Matthias Mayer

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