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Neustädter kämpfen mit den Schlammmassen

Unwetter Neustädter kämpfen mit den Schlammmassen

Zum zweiten Male innerhalb von 24 Stunden traf ein Unwetter die Stadt Neustadt besonders schwer. Feuerwehren und Technisches Hilfswerk waren bis Freitagabend im Dauereinsatz.

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Am Vormittag räumen Kehrmaschinen Schlamm von der Fahrbahn, um sie wieder befahrbar zu machen.

Quelle: Michael Rinde

Neustadt. Schlamm und Wasser bedeckten Straßen in Neustadt, in Kirchhain musste die Feuerwehr Dächer sichern, überall waren Keller auszupumpen. Das zweite Unwetter innerhalb eines Tages wütete in Neustadt am verheerendsten: 30 Zentimeter hoher Schlamm bedeckte gestern Morgen ab etwa 2 Uhr wieder zahlreiche Straßenzüge in Neustadt.

„So etwas habe ich noch nie erlebt und dabei werde ich bald 80 Jahre alt“, sagte Ludwig Linker im Gespräch mit der OP. Mit Schneeschiebern versuchten er und Helmut Hoch in den Morgenstunden den Schlamm auf dem Grundstück zumindest beiseite zu räumen. Der angrenzende Keller war bis zum Rand vollgelaufen. Neustadts Stadtbrandinspektor Erhard Wölk musste in der Nacht zahlreiche Neustädter bei einem Rundgang vertrösten. „Wir bekommen Verstärkung, bitte gedulden Sie sich“, sagte er zu einer Bürgerin, deren Keller an der Lehmkaute unter Wasser stand. Die Einsatzstellen waren erneut über das ganze Stadtgebiet verteilt.

Auch in Kirchhain ist die Lage zeitweise dramatisch: „Ich kann es nicht fassen, das Wasser lief einfach durch die Decke, zuerst wusste ich nicht, was passierte“, beschrieb eine ältere Kirchhainerin nachts um 3 Uhr ihre Empfindungen. Zeitgleich sicherte die Kirchhainer Feuerwehr das Dach der Gaststätte „Zur Sonne“ per Drehleiter. Zehn Kirchhainer Feuerwehren aus Stadtteilen und Kernstadt leisteten mehr als 80 Einsätze bis zum Nachmittag.

An der Straße Hinter der Mauer mussten Bäume von Autos entfernt werden. Schäden gab es auch am Friedhof und im Anna-Park. Auch aus Großseelheim wurden Überflutungen gemeldet. An der Grundschule entstanden Schäden am Dach, der Keller lief voll. Der Unterricht lief laut Kreisverwaltung aber weiter.

Besonders dramatisch und für die Einsatzkräfte gefährlich: Auf der Landstraße zwischen Neustadt und Wasenberg war ein Tanklastzug zwischen Bäumen eingekeilt. Feuerwehren und Technisches Hilfswerk mussten sich erst einen Weg zum Fahrzeug bahnen. Entgegen erster Befürchtungen blieb der Fahrer unverletzt. „Das hat bei uns zunächst Kräfte gebunden“, sagte Wölk um 5 Uhr in der Frühe.

Schon frühzeitig konzentrierte der Krisenstab des Landkreises Einheiten in Neustadt. Zu Spitzenzeiten waren laut Stephan Schienbein, Sprecher des Kreis-Feuerwehrverbandes und der Kreisverwaltung, bis zu 150 Einsatzkräfte in der Junker-Hansen-Stadt unterwegs. Verstärkung bekamen die überlasteten Neustädter von den Wehren aus Fronhausen, später auch aus Steffenberg. Bei diesen Wehren bestehen Katastrophenschutz-Züge.

von Michael Rinde

Mehr lesen Sie am Samstag in der gedruckten OP.

Kirchhain: Feuerwehrleute sichern ein Dach in der Niederrheinischen Straße (5.15 Uhr).

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