Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Neustädter (24) gesteht Drogenhandel
Landkreis Ostkreis Neustädter (24) gesteht Drogenhandel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 23.08.2018
(Symbolfoto) Ein Neustädter (24) hat vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Neustadt

„Wir werden das Gericht nicht für dumm verkaufen und behaupten, die Drogen seien allesamt für den Eigenbedarf“, kündigte Verteidiger Thomas Strecker ein lückenloses Geständnis seines Mandanten an. Der in Handschellen aus der Justizvollzugsanstalt Gießen in den Gerichtssaal geführte junge Mann äußerte sich daraufhin vor der 1. Großen Strafkammer des Marburger Landgerichts zu seinen Taten.

Er räumte den Besitz von gleich mehreren Kilogramm Betäubungsmitteln ein – darunter Haschisch, Amphetamin, Marihuana, MDMA und Hasch­kuchen. Noch dazu hatte er Mittel im Haus, um die Drogen zu strecken.

Haus der Großmutter diente als Zwischenlager

Insgesamt 20 unterschiedlichen Gebinde wurden bei einer Haussuchung am 15. Februar 2018 in seiner Wohnung, dem dazugehörigen Keller und später in der Wohnung seiner Großmutter, wo er zuvor gewohnt hatte und die er noch immer als Zwischenlager nutzte – gefunden. Weiterhin gehörten zahlreiche Tütchen in unterschiedlichen Größen, Vakuumierer und Feinwaage – alles Mittel zur Portionierung und zur Weitergabe von Drogen – zu den aufgefundenen Gegenständen.

Auch den Besitz von Waffen räumte er ein. Dazu gehörten verschiedene Butterflymesser, einen Baseballschläger, Machete, Wurfstern und Pfefferspray sowie eine AK 47 und ein Revolver – letztere aber als Schusswaffe unbrauchbar gemacht. Zum Besitz der Waffen gab der Angeklagte an, dass er Sammler sei und diese noch nie gegen unliebsame Gäste eingesetzt habe.

Einzig den Besitz von 502 Ecstasy-Pillen, in einem Rucksack im Flur aufgefunden, bestritt der Angeklagte. Der Rucksack habe einem Kumpel gehört, der ihn am Tage der Durchsuchung nach Hause gefahren hatte und ihn dezent im Treppenhaus habe stehen lassen. Und während er selbst verhaftet wurde, habe sein Bekannter nach der Durchsuchung unbehelligt nach Hause fahren dürfen, erklärte der Angeklagte.

Auf die Frage nach den Lieferanten der Drogen, die er in Kassel und Marburg „in Kommission“ übernommen habe, wollte der Angeklagte nicht antworten. Er müsse dann um Leib und Leben fürchten, rechtfertigte Verteidiger Strecker die Auskunftsverweigerung.

Die anschließend vernommenen Polizisten bestätigten allesamt, dass die erwähnten Drogen und Waffen bei der Durchsuchung gefunden wurden. In einem ausführlichen Vortrag verlas der vorsitzende Richter Dr. Marco Herzog die Ergebnisse der Spurensicherung sowie das forensisch-toxikologische Gutachten.

Abschließend berichtete Dr. Rolf Speier, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Vitos-Klinik Haina, über mögliche Erkrankungen des Angeklagten. Er habe in seiner Kindheit wohl ein ADHS-Syndrom gehabt, welches allerdings nicht behandelt wurde. Es komme nicht selten vor, dass im Erwachsenenalter damit ein Drogenkonsum einhergehe, erklärte der Mediziner.

Den Drogenkonsum hatte der Angeklagte bereits zuvor zugegeben. Auf einer Party habe er erste Kontakte zu Drogen bekommen. Er bezifferte den täglichen Konsum auf rund zehn Gramm Haschisch, dazu habe er noch Speed genommen.

Die Verhandlung wird am 5. September fortgesetzt.

von Heinz-Dieter Henkel

Anzeige