Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Neustädter erlebt Urform der Seefahrt

Auf hoher See Neustädter erlebt Urform der Seefahrt

Die Sail in Bremerhaven war Ende des vergangenen Monats die erste Station der Südamerika-Reise der „Gorch Fock“ in den nächsten zehn Monaten.

Voriger Artikel
Blindes Vertrauen zahlt sich aus
Nächster Artikel
Erste Autos rollen über Umgehung

Decksmeister Steffen Kreidl steht in Bremerhaven vor dem Segelschulschiff „Gorch Fock“.

Quelle: Florian Lerchbache

Neustadt. Richtig frei hat Steffen Kreidl während seines letzten Heimaturlaubs vor der Südamerika-Reise der „Gorch Fock“ nicht. Mehrfach klingelt an einem Morgen im Juni das Telefon. „Decksmeister“, meldet sich der Neustädter und tauscht sich mit seinem Gesprächspartner über Vorbereitungen aus, die für die Probefahrt und die anschließende zehnmonatige Fahrt des Segelschulschiffs getroffen werden müssen.

Als Decksmeister ist der 39-Jährige für die Funktionalität der Takelage verantwortlich, also für 2.000 Quadratmeter Segel, 13 Kilometer „laufendes Gut“ wie Taue und drei Kilometer „stehendes Gut“ wie die drei Masten oder 400 Blöcke, die zum Umlenken des Tauwerks dienen.

Insgesamt 11 Jahre ist Kreidl inzwischen auf der „Gorch Fock“. „Wenn Wehrdienst, dann bei der Marine“, hatte er sich im Jahr 1990 gedacht und Anfang 1991 seinen Dienst angetreten. Auf der Fregatte „Brandenburg“ traf er Anfang 1995 einen Navigationsoffizier, der von der „Gorch Fock“ gekommen war. „Ich erzählte ihm, dass ich auf das Segelschulschiff wolle“, erinnert sich der Decksmeister und erklärt seine Faszination: „Segeln ist für mich die urtypische Form der Seefahrt, denn man ist unmittelbar den Elementen ausgesetzt.“ Binnen einer Woche wurde er auf die „Gorch Fock“ versetzt, auf der er drei Jahre als Korporal diente.

Während wir beim Segeln auf Sicherheit bedacht sind, sind die Norweger eher risikofreudig. Die Amerikaner haben indes noch Entwicklungspotenzial.“ Anschließend war Kreidl fast vier Jahre als Bootsführer einer Barkasse in Berlin tätig, die als Dienststelle der Marine in der Hauptstadt fungiert. „Ich habe dort Einblicke bekommen, die den meisten Menschen verwehrt bleiben“, berichtet der 39-Jährige und fügt hinzu: „Ich sah aus nächster Nähe, wie eine Regierung oder ein Ministerium funktioniert.“

Doch wieder zog es ihn zurück auf die „Gorch Fock“, auf der er seit 2008 Decksmeister ist.

„Die Kunst, zur See zu fahren, liegt nicht darin, von A nach B zu kommen. Die Kunst ist das Leben mit Menschen auf einem engen Raum und ihnen und ihren Fertigkeiten zu vertrauen“, sagt Kreidl. Der Neustädter gibt gemeinsam mit einigen Kameraden den Lesern der OP in den kommenden zehn Monaten einen Einblick in das Leben an Bord.

von Florian Lerchbache

Mehr lesen Sie am Freitag in der Printausgabe der OP.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr