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Ostkreis Neue Wohnungen und Pflegestützpunkt
Landkreis Ostkreis Neue Wohnungen und Pflegestützpunkt
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00:17 17.06.2018
Die Ruine der ehemaligen Schraubenfabrik Zeppernick steht vor dem Abriss. Auf dem gewerblichen Teil des Mischgebiets An der Ohmtalbahn/Lerchenweg will die Diakonie einen Stützpunkt für ihren ambulanten Pflegedienst bauen.  Quelle: Matthias Mayer
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Kirchhain

Gleich drei Punkte standen im Zusammenhang mit dem Projekt für den unter Vorsitz von Professor Ehrhard Mörschel zur Aussprache und Abstimmung an. Am Ende der stets sachlichen und konstruktiven Diskussion brachte der Ausschuss nur den baurechtlichen Teil zur Umsetzung des Sozialen Wohnungsbaus in Kirchhain einstimmig auf den Weg. Ein ­Votum für die finanziellen Punkte des Projekts scheiterte am Vorliegen eines Vertrages und, aus Sicht des Ausschusses, an fehlenden Details.

Die Stadt Kirchhain arbeite bereits in der Alsfelder Straße und Im Brand mit der Gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft Marburg (GWSBG) zusammen. Mit der Genossenschaft habe die Stadt einen Konsens zur gemeinsamen Verwirklichung von 20 neuen Sozialwohnungen gefunden, teilte der Bürgermeister mit. Das soll auf dem ehemaligen Zeppernick‘schen Gelände geschehen mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass die Ruinen und Brachflächen der ehemaligen Schraubenfabrik verschwänden.

Auf dem gewerblichen Teil des Geländes entlang der Straßen An der Ohmtalbahn und Flurstraße wolle die Diakonie auf einer 2 500 Quadratmeter großen Fläche einen Pflegestützpunkt bauen. Das Unternehmen sei bereits in Kirchhain ansässig, mit seinem jetzigen Standort jedoch nicht zufrieden, erklärte Olaf Hausmann.

Im Rücken des Diakonie-Anwesens solle auf 3 700 Quadratmetern der Soziale Wohnungsbau verwirklicht werden. Das Grundstück werde nach Norden von der Flurstraße, nach Westen von der vorhandenen Wohnbebauung an der Lerchenstraße und nach Süden vom Lagerplatz begrenzt, der nur über die Straße Am Krummweg erreichbar ist. Das Grundstück werde vom jetzigen Eigentümer altlastenfrei an die Stadt übergeben, versicherte Olaf Hausmann.

Die Stadt könne das Grundstück für 314 000 Euro erwerben, wobei die bereits im Haushalt stehenden 100 000 Euro bei Vertragsabschluss und die restliche Summe mit Genehmigung des Haushalts 2019 fällig würden. Für den kommunalen Eigenanteil von 200 000 Euro für die 20 Wohneinheiten bringe die Stadt 200 000 Euro aus den Grundstückskauf ein. Die restlichen 114 500 Euro würden der GWSBG über 30 Jahre als kommunales Darlehen gewährt.

Stadtkredit ein unüblicher Weg

Das Projekt an sich stieß bei den Fraktionen auf Zustimmung, nicht aber das Finanzierungsmodell. „Es ist gut, dass auf dem Zeppernick-Gelände was gemacht wird. Aber warum geben wir als Stadt Kredite? Das ist ein unüblicher Weg“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Pöppler, der sich zudem nur ungern mit dem städtischen Anteil an den Baukosten anfreunden wollte.

„Das Gebiet zu bebauen, ist okay, die Finanzierung ist okay. Es gibt Details, die wir noch klären müssen“, sagte Reiner Nau für die Grünen. Ein Problem sah er allerdings in der Wohnbebauung im unteren Teil des Zeppernick‘schen Geländes. Die Aufteilung des Geländes in Gewerbe- und Mischgebiet habe zum Schutz der nahegelegenen Marburger Tapetenfabrik vor sich über Lärm aus dem Betriebsgelände beklagende Wohnanlieger für die Aufstellung des jetzt noch gültigen Bebauungsplans eine große Rolle gespielt. Der Bürgermeister antwortete, dass der Gewerbetrieb Diakonie diese Schutzfunktion ausübe.

Für die FDP sprach sich Dr. Christian Lohbeck für die Entwicklung des Gebietes aus. Allerdings sei die Finanzierung völlig unklar. „Wie sind die Vertragskonditionen? Wer ist nach Rückzahlung des Darlehens Grundeigentümer?“, wollte er wissen. Für letzteres erklärte Bauamtsleiter Volker Dornseif, dass das Grundstück Eigentum der GWSBG werde. Zum Unverständnis des Liberalen, der forderte, dass das Grundstück über Erbbaurecht Eigentum der Stadt bleiben müsse.

Längst nicht alle Wohnungen barrierefrei

Nicht ganz befriedigend fielen die Antworten von Stefan Funk, Geschäftsführer der GWSBG, auf die Fragen von Reiner Nau aus. Nau fragte selbstverständlich erscheinende Standards ab: Barrierefreiheit in allen Wohnungen und ein Raumprogramm, das auf die in Kirchhain besonders nachgefragten kleinen Wohnungen abziele.

Stefan Funk erklärte, dass es Barrierefreiheit lediglich in den Erdgeschosswohnungen gebe. Es sei zu teuer, alle Häuser mit Aufzügen zu versehen. Der Zuschnitt der Häuser sei gemischt. Die zwischen 50 und 100 Quadratmeter großen Wohnungen berücksichtigten auch Familien mit Kindern.

Die finanziellen Angelegenheiten sollen nach Vorlage belastbarer Zahlen im nächsten Sitzungszug beraten und beschlossen werden. Die vorrangige Änderung und Erweiterung des Flächennutzungsplans brachten die Ausschussmitglieder mit dem Aufstellungsbeschluss auf den Weg.

von Matthias Mayer

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