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Klassenweise geht es in den Bus

Einschulung Klassenweise geht es in den Bus

Seit Montag sind im Landkreis knapp 2.000 neue Schulkinder unterwegs. Neben der neuen Umgebung und dem Lernen stellt für die Jungs und Mädels der Weg zur Schule besondere Herausforderung dar. In Roßdorf achten Paten auf die Abc-Schützen. Für Grundschüler steht eine Extra-Bus zur Verfügung.

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Gute zehn Minuten geht Julian Wagner zur Haltestelle in Roßdorf. Von dort fährt er mit dem Schulbus nach Mardorf in die Grundschule.

Quelle: Nadine Weigel

Ostkreis. Für Kira Lücke aus Emsdorf und Julian Wagner aus Roßdorf hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Sie sind jetzt Schul- und Buskinder.

Wenn Kira das Wort „Schule“ hört, dann fangen ihre Augen an zu strahlen. „Ich bin schon total aufgeregt“, sagt die Sechsjährige vor ihrem ersten Schultag hat. In den letzten Wochen hat Mutter Astrid die DIN A4-Liste der Langensteiner Grundschule abgearbeitet und Knete, Kreide, Flüssigkleber, den Malkittel, Blöcke, Schnellhefter, Turnbeutel, Schulranzen und natürlich die Schultüte besorgt.

All das passt in eine große Einkaufskiste, die sie nach Langenstein gebracht hat, damit alles für den großen Tag vorbereitet ist. Die Einhorn-Schultüte hat Mama Astrid gebastelt passend zum Ranzen und dem Turnbeutel.

Für Familie Lücke ist es ein besonderer Tag, sie feiern quasi zwei Einschulungen. Während Tochter Kira ( links, Foto: Peters) in die Grundschule kommt, geht Sohn Jannik ( rechts) nun in die weiterführende Schule und wechselt von Langenstein nach Kirchhain. Beide­ Kinder fahren mit dem Bus in ihre jeweiligen Schulen. „Zum Glück mussten wir den Weg zur Haltestelle nicht extra üben, ­Kira kennt ihn, seit sie in den Kindergarten geht.

Die Haltestelle liegt auf dem Weg“, sagt Mutter Astrid, die den Einschulungen sehr gelassen entgegen blickt und den Weg nicht extra geübt hat. Kira wird zusammen mit ­einer Freundin etwas früher zur Haltestelle gehen, Bruder Jannik fährt später ja nun in die andere Richtung.
Für die Fahrt nach Langenstein gibt es einen extra Schulbus, der nur die Grundschüler befördert. Nach Unterrichtsschluss sammeln sich alle Buskinder auf dem Schulhof, bis der Bus vorfährt. Erst dann ­gehen sie zusammen mit einer Lehrerin zur Haltestelle.

Julian will schon lange kein Kindergartenkind mehr sein

„So ein Aufriss wie heute, wurde damals bei mir nicht betrieben“, erinnert sich die Emsdorfer Zollbeamtin. Für Kiras großen Tag ist jedenfalls alles bestens vorbereitet: Familie und Freunde sind eingeladen, nach dem offiziellen Teil wird der neue Lebensabschnitt zu Hause bei Kaffee und Kuchen und anschließendem Grillen ­gebührend gefeiert.

Ebenso aufgeregt ist Julian Wagner aus Roßdorf. Nach fünf Jahren im Kindergarten wurde er nun endlich ein Schulkind. „Er hat sich im letzten Jahr oft beschwert, dass er immer noch in den Kindergarten gehen muss“, erinnert sich Mutter Ramona. Auch sie blickt der Einschulung gelassen entgegen, ist es auch bei Familie Wagner die zweite.

Der älteste Sohn Nick wird nun auf seinen jüngeren Bruder aufpassen. „Das beruhigt mich sehr“, gibt die Roßdorferin zu. Unterstützung erhält ihr Sohn ebenfalls von den sogenannten Paten aus der vierten Klasse in Mardorf. Sie begleiten den Erstklässler Julian jeden Morgen auf seinem Weg zum Schulbus. Der dauert ungefähr zehn Minuten und führt einmal komplett durch das ganze Wohnviertel.

Wie er sich beim Überqueren der Straße zu verhalten hat, das hat der Roßdorfer während ­eines mehrtägigen Verkehrstrainings im Kindergarten gelernt. Routiniert hebt er die Hand, wenn er über die Straße geht oder hinter einem Auto steht, das am Straßenrand parkt.

Die Schultüte, die wochenlang beim Nachbarn versteckt war, erhält er am Tag seiner Einschulung. Wie sie aussieht, das ist eine große Überraschung. Aber seinen Schulranzen, den hat Julian schon am Vortag voller Stolz präsentiert. Den grün-grauen Ranzen mit den bunten Ninja-Bildern hat er sich selbst ausgesucht.

Wie Julian sich auf dem Weg zu verhalten hat, hat er während eines Verkehrstrainings gelernt. Foto: Nadine Weigel

An der Lindenstraße angekommen, stellt er seinen Ranzen in die Haltestelle. „Das ist so gewollt, damit sie ihn nicht die ganze Zeit tragen müssen, wenn sie auf den Bus warten“, erklärt Ramona Wagner. Ist der Bus eingefahren, dann wird klassenweise eingestiegen. „Das regeln auch die Paten“, so die Roßdorferin, die mit Julian die Busregeln durchgegangen ist. „Sitzen bleiben, nicht rumbrüllen oder umherrennen“, zählt sie auf. Julian nickt.

Während er morgens immer in Begleitung zur Haltestelle geht, muss er mittags oder nachmittags allein zurück in die Gerhard-Hauptmann-Straße gehen. „Auch das haben wir mit ihm geübt, weil es zwei Möglichkeiten gibt. Aber ich bin guter Dinge, dass das problemlos klappt“, sagt Ramona Wagner, für die ein eigener Transport ihrer Jungs zur Schule nie zur Debatte stand. „Solange der Bus fährt, werden Nick und Julian auch mit ihm nach Mardorf fahren.“

Für sie beginnt dennoch eine stressigere Zeit. Denn nun muss sie morgens bei zwei Jungen dafür sorgen, dass sie pünktlich das Haus verlassen und alles vorbereitet ist, um anschließend selbst zur Arbeit zu fahren. Statt um acht oder halb neun klingelt für Julian ab sofort immer um 7 Uhr der Wecker zum Aufstehen. Die einzige Tatsache, die ihn ein bisschen ärgert. Ansonsten freut er sich auf „Mathe, Deutsch, Musik und Sport“, zählt Julian auf, der mit seinen Eltern, Nick, Oma, Opa, Tanten, Onkels, Paten und Nachbarn seinen neuen Lebensabschnitt feiert.

von Katja Peters 

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