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Die Gemeinde soll zusammenwachsen

Neue Pfarrerin in Mengsberg Die Gemeinde soll zusammenwachsen

Seit einem Jahr ist Anne Rudolph als Pfarrerin im Kirchspiel Mengsberg, zu dem noch Wiera und Florshain gehören, tätig. Am Sonntag, 12. November, steht ihr Einführungsgottesdienst als ordentliche Pfarrerin an.

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Die Zeit des Übergangs hat für Pfarrerin Anne Rudolph bald ein Ende.

Quelle: Florian Lerchbacher

Mengsberg. „Ich wünsche mir, dass die Kirchengemeinde als Ganzes mehr zusammenwächst“, sagt Anne Rudolph, die neue Pfarrerin von Mengsberg, Wiera und Florshain - dem ältesten Kirchspiel im Schwalm-Eder-Kreis. „Die Dörfer sind noch sehr autonom“, ergänzt sie und verweist auf die politische Trennung, die es seit der Gebietsreform im Jahr 1974 gibt. Seitdem gehört Mengsberg schließlich als einziger der drei Orte dem Landkreis Marburg-Biedenkopf an. Entsprechend gilt es nun zunächst, die unterschwellig in den Köpfen der Gläubigen existierenden Grenzen abzubauen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Ab Sonntag, 12. November, auch „offiziell“, schließlich steht dann in der Mengsberger Kirche Rudolphs Einführungsgottesdienst auf dem Programm. Zwar ist sie seit einem Jahr in dem Kirchspiel tätig, allerdings zunächst als Krankheits- und später als Vakanzvertretung.

In Marburg, Heidelberg und Brasilien Theologie studiert

Rudolph ist 43 Jahre alt, geschieden und hat eine Tochter. Ursprünglich stammt sie aus Bebra-Weiterode. Ihr Theologiestudium absolvierte sie in Marburg, Heidelberg und Brasilien. In Südamerika war sie ein Jahr, ließ sich von zahlreichen Projekten inspirieren und lernte viel über die internationale Ökumene, wie sie betont. Zudem sei sehr spannend gewesen zu sehen, wie das Christentum in Brasilien gelebt wird: „Aufgrund der Hitze kommen die Gläubigen auch gerne mal in Flip-Flops zum Gottesdienst, in dem dann viel gesungen und getanzt wird.“ Ein Konzept für das Mengsberger Kirchspiel? „Vielleicht mal in einem Jugendgottesdienst“, kommentiert sie mit einem Schmunzeln.

Offen für "neue Gottesdienstformen"

Dabei sei sie sehr offen für „neue Gottesdienstformen“. ­Ohne deren Art konkretisieren zu wollen, stellt sie zumindest die Zielgruppe heraus: „Die mittlere Generation taucht selten in der Kirche auf. Vielleicht benötigen wir eine Gottesdienst-Form für die arbeitende Bevölkerung, in der die Menschen auftanken können und von der sie sich abgeholt und angesprochen fühlen.“

Freiheit pur im Kirchspiel

Für Rudolph ist das Kirchspiel die erste Station als Pfarrerin. Nach ihrem Vikariat in Frankfurt war sie acht Jahre im Schuldienst in Seligenstadt tätig: „Das war eine Bereicherung, weil Schulen ein eigenes System sind. Im Vergleich ist eine Kirchengemeinde Freiheit pur. Hier kann man viel mehr gestalten“, sagt sie und erläutert, dass sie sich beruflich habe weiterentwickeln wollen und deswegen den Wechsel vorangetrieben habe. Und so wundert es auch nicht, dass sie die Kirche etwas öffnen möchte - zum Beispiel für kulturelle Veranstaltungen: Schon jetzt plant sie beispielsweise eine Ausstellung mit ­Werken der Winterscheiderin Gerlinde Vestweber oder ein Saxofonkonzert in der Kirche am 13. Januar 2018.

Schon der Vater war Pfarrer

Den Berufsweg als Pfarrerin schlug sie ein, weil sie in ihrer Heimat quasi geprägt wurde: Ihr Vater ist Pfarrer, noch wichtiger sei jedoch ein Pfarrer gewesen, der in der Nachbarschaft lebte: „Das waren tolle Vorbilder.“ Besonders interessant sei, dass Geistliche mit „Menschen aus allen möglichen Lebenssituationen“ zusammenarbeiteten. Und für eben jene Menschen möchte sie Zeit haben: „Die Seelsorge ist ganz wichtig.“ Vor allem das Gespräch „zwischen Tür und Angel“, bei dem die Gläubigen sie einfach spontan ansprächen - sei es wegen Glaubensfragen, persönlichen Anliegen oder auch den ganz normalen Themen des Alltags: „Ich gehe gerne auf Menschen zu und interessiere mich dafür, was sie zu sagen haben. Will man es mit Luther sagen: Dem Volk aufs Maul schauen.“

Rudolph will "dörfliche Besonderheiten" bewahren

Ebenso wichtig ist es ihr, die Ökumene weiter voranzutreiben - schließlich gehen evangelische Kinder aus Mengsberg beispielsweise in den katholischen Kindergarten in Momberg. Noch dazu möchte Rudolph mehr Synergieeffekte in der Kirchengemeinde nutzen - und dabei trotzdem die dörflichen Besonderheiten wahren. Dazu passt dann auch, dass sie dem generellen Strukturwandel in der evangelischen Kirche und den daraus resultierenden Kooperationen mit anderen Gemeinden positiv gegenübersteht: „Ich sehe darin die Chance, ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen und gemeinsam zu wachsen.“

von Florian Lerchbacher

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