Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Naturparadies erhält Verlängerung
Landkreis Ostkreis Naturparadies erhält Verlängerung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:11 27.04.2017
Eine deutliche Verbreiterung des Bachbettes, Abflachung der Uferböschung und der Einbau von Totholz und Störsteinen.Foto: Matthias Mayer
Großseelheim

Vor der Renaturierung war die Wirft ein langweiliges, über weite Strecke grabenartiges Gewässer, das an verschiedenen Stellen Tiefenerosionen, zubetonierte Sohlen und Sohlenabstürze aufwies. Letztere sind Wanderhindernisse für alle Wasserlebewesen und sind nach der Vorgabe der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie beseitigt werden.

Ingo Pfeiffer vom Aßlarer Planungsbüro Koch hat damals die Umgestaltung der alten Wirft in eine lebendige und abwechslungsreiche Bachlandschaft geplant und diese Planung setzten die Wasserbauer der Bad Berleburger Baufirma HBB auf einer Länge von 1,6 Kilometern Länge perfekt um. Heute ist der untere Lauf der Wirft ein spektakuläres Gewässer, wertvolles Habitat für Fische, Amphibien und Wasservögel sowie beliebtes Ziel für Spaziergänger.

60000 Euro hat damals die vom Bauträger Wasserverband Lahn-Ohm beauftragte und vom Land Hessen mit 60000 Euro voll finanzierte Renaturierung des im Eigentum der Stadt Kirchhain befindlichen Gewässers gekostet.

Das gleiche Team verwirklichte jetzt den zweiten Bauabschnitt, der auf einer Länge von rund einem Kilometer vom bisherigen Ausbauende nur wenige Meter nördlich der Landesstraße bis in die Nähe der Teichanlagen des Fischereivereins Kirchhain reicht.

Wie Ingo Pfeiffer berichtete, verhinderte die massive Sohlenbefestigung der Wirft unter der Landesstraßen-Brücke verbunden mit den Sohlenabstürzen die Durchlässigkeit des Baches für Wasserlebewesen (Limnofauna). Mit Zustimmung von Hessen Mobil sei dieses Hindernis durch Substrateinbau in das befestigte Bachbett unter der Brücke sowie durch die Beseitigung eines Sohlabsturzes beseitigt worden.

Jenseits der Brücke Richtung Süden bleibt die Wirft auf dem ersten Blick unverändert. Allerdings wurde der im Bereich des Hundeplatzes stark eingetiefte Bach durch den Einbau von Grundschwellen leicht angehoben, um die weitere Eintiefung des Gewässers zu verhindern, wie Ingo Pfeiffer erläuterte.

Weiter südlich wurde die Wirft nach dem Vorbild im nördlichen Abschnitt renaturiert. Der Bach erhielt ein breiteres Bett, erhielt kleine Inseln und Altarme, die als Laichzone und bei Hochwasser als Schutzraum für weniger starke Wassertiere dienen können. Der Einbau von Totholz und Steinen verleihen dem Fließgewässer unterschiedliche Dynamiken. Die abgeschrägten Uferzonen erleichtern Wasservögeln den Zugang zum Bach und ermöglichen der Wirft das Mäandern. Das bedeutet: Der Bach soll sein Bett verändern können.

Schließlich wurde am südlichen Renaturierungsende ein Feuchtbiotop mit Zugang zur Wirft gebaut. „Das Feuchtbiotop dient der Fischfauna als Laichbiotop und Rückzugsmöglichkeit bei Hochwasserereignissen. Darüber hinaus stellt das Feuchtbiotop einen wichtigen Lebensraum für Avifauna (Gesamtheit der dort vorkommenden Vogelarten, die Redaktion) dar“, sagte Ingo Pfeiffer, der die gute Zusammenarbeit mit dem Großseelheimer Ortsvorsteher Helmut Hofmann und den Landwirten würdigte.

Auch der zweite Bauabschnitt wurde zu 100 Prozent aus Landesmitteln finanziert.

von Matthias Mayer

Anzeige