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Naherholung auf der Erddeponie

Bürgermeisterwahl Naherholung auf der Erddeponie

Kommunalpolitisch hat Stefan Backhaus zwar ganz andere Vorstellungen als Amtsinhaber Michael Plettenberg, doch eine Gemeinsamkeit gibt es: Beide waren einst Mitglieder der SPD.

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„Transparenz und authentisches Vorgehen“ sollen die politische Arbeit von Stefan Backhaus prägen.Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Seit er vor rund drei Monaten seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in Amöneburg bekanntgab, hat sich Stefan Backhaus intensiv mit der Stadt, ihren Bürgern und den Themen, die diese beschäftigen, auseinandergesetzt. Hielt (und hält) er sich auf seiner Homepage beim Überblick über die Bereiche, mit denen er sich auseinandersetzen will, etwas vage, so zeigt er zumindest im persönlichen Gespräch klare Kante. „Als in Amöneburg kommunalpolitisch unerfahrener Mensch wollte ich mir zuerst einen Gesamteindruck verschaffen und erfahren, was die Bürger beschäftigt“, erklärt der 53-Jährige, der in den vergangenen Monaten entsprechend immer wieder den Kontakt zu den Amöneburgern suchte. „Kommunikation ist der Schlüssel für eine funktionierende Beziehung“, sagt er und betont: „Das muss auch ein Bürgermeister beherzigen. Man muss auch mal von oben nach unten Informationen weitergeben.“

„Transparenz und authentisches Vorgehen“ sollen seine politische Arbeit prägen: „In Verbindung mit respektvollem Umgang mit den Menschen.“ Entsprechend wolle er „Teamplayer mit politischer Verantwortung“ sein, der seinen Mitarbeitern vertraut. Müsse er auch, wie er erläutert: Zwar habe er an der Fachhochschule in Frankfurt sein Studium als Diplom-Verwaltungswirt mit dem Schwerpunkt Polizei abgeschlossen und sei als Kriminalpolizist regelmäßig in Kontakt mit Behörden: „Aber man hat doch auf den Ämtern seine Spezialisten.“ Sollten die Bürger ihm zum Rathauschef wählen, würde er sich als „Neuer“ von den Experten ihre Arbeit erklären lassen, von ihren Erfahrungen profitieren und sich in die verschiedenen Gebiete einer Verwaltung einarbeiten. Vorteil sei, dass er mit einem unvoreingenommenen Blick an die Aufgaben herangehen, sie verarbeiten und eventuell Abläufe effizienter strukturieren könnte: „Als Rathauschef - eine Bezeichnung, die ich eigentlich nicht mag - würde ich einen kooperativen Führungsstil pflegen und mit den Mitarbeitern respektvoll umgehen.“

Und er würde einiges umkrempeln: Das Atmen-Projekt will er beispielsweise komplett umstrukturieren. „Für die Visionen gibt es in der Bevölkerung keine Akzeptanz“, erklärt er. Daher halte er es für sinnvoller, das „Filetstück“ für Naherholung zu nutzen - mit einer Kombination aus Vogel- und Wildpark, einem Kletterpark, eventuell einem Themenpfad (wie dem Marburger Planetenpfad) und am besten noch Gastronomie. Zudem sollten aus den Stadtteilen auch für Inliner geeignete Wander- und Fahrradwege führen.

„Nein“ zu mehr Windrädern

Solche Vorhaben seien besser geeignet, um schnell Investoren zu finden und das Projekt zeitnah umzusetzen - mit dem Ziel, einen „Magneten“ für Menschen unterschiedlichsten Alters zu schaffen.

„Wenn es gelingt, dort Leben reinzubringen, können wir auch auf den Marktplatz wieder Leben bringen“, ergänzt Backhaus. Dieser sei gut geeignet für kleine Gewerbetreibende - aber auch eine Arztpraxis fände er gut: „Ich würde gerne eine Projektgruppe gründen, um zielgerichtet vorzugehen.“

In Sachen „Gewerbe“ plant er zudem, die Vermarktung des Roßdorfer Gebietes voranzutreiben. Sein „Wundermittel“: Er habe über den Sport ein Netzwerk von mehr als 500 Menschen zwischen 20 und 40 Jahren - und glaube, den ein oder anderen von der wirtschaftlichen Attraktivität des Stadtgebietes überzeugen zu können. Er wolle des Weiteren einen Gewerbeverband Amöneburg gründen, sich regelmäßig mit den Unternehmen austauschen und denke über eine Existenzgründerförderung nach.

Den Bau weiterer Windräder auf der Mardorfer Kuppe lehnt der Kandidat ab. Das angedachte Vorhaben beiße sich mit seinem Ziel, mit Naherholungsangeboten Touristen anzulocken: „Ich bin kein Feind Erneuerbarer Energien - aber die Anlagen müssen im Einklang mit der Natur, den Menschen und der Umwelt stehen.“ Und das täten sie seiner Meinung nach auf der Kuppe nicht mehr.

Nicht ganz so eindeutig ist seine Meinung bei einem zweiten Thema, gegen das sich eine Bürgerinitiative gegründet hat: Wenn der Investor den geplanten Bau einer Tankstelle am Berg so behutsam umsetze wie angekündigt, wäre er offen dafür: „Aber ich mache das vom Willen der Bürger abhängig.“

Als weiteren Punkt gibt Backhaus das Ziel aus, für Entlastung von Familien zu sorgen. Zum Beispiel denkt er über eine Art „Carsharing“ als Ergänzung zum Bürgerbus nach: Über Werbung möchte er Fahrzeuge finanzieren, die sich Bürger in Notfällen ausleihen können.

Der 53-Jährige geht als parteiloser Kandidat ins Rennen um den Posten des Bürgermeisters. Vor einigen Jahren sei er nach Gesprächen mit Landrätin Kirsten Fründt und Bundestagsmitglied Sören Bartol von der SPD begeistert gewesen und daher in die Partei eingetreten - dann aber wieder ausgetreten: „Mir fehlte auf überregionaler Ebene die Klarheit. Ich sah keine Unterschiede zu den anderen renommierten Parteien.“

von Florian Lerchbacher

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