Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Nächtliches Knallen raubt Menschen den Schlaf

Emsdorf Nächtliches Knallen raubt Menschen den Schlaf

Polizei und Ordnungsbehörde der Stadt Kirchhain stehen ebenso wie die Betroffenen vor einem Rätsel. Nächtliche Knallgeräusche reißen seit vergangenem Spätherbst Menschen aus dem Schlaf.

Voriger Artikel
Bisher stimmt der Zeitplan noch
Nächster Artikel
„Eine Gefahr für die Menschen“
Quelle: Thorsten Richter / Tobias Hirsch

Emsdorf. Fensterscheiben vibrieren, Jalousien erzittern, Porzellan klappert: So heftig fallen die dumpfen Knallgeräusche aus, die Menschen in der Gemarkung Emsdorf, in Wolferode und Hatzbach oder auch in der Altstadt von Stadtallendorf hören und das wohl seit vergangenem Oktober.

In Emsdorf sind die an Detonationen erinnernden Geräusche besonders laut zu hören. Der Ortsbeirat hat sich schon damit befasst, die Ordnungsbehörden der Stadt Kirchhain sind seit Anfang November eingebunden, die Polizei in Stadtallendorf ist eingeschaltet.

Das Hauptproblem: Niemand kann das Geräusch wirklich genau identifizieren und keiner kann genau sagen, wo es exakt seinen Ursprung hat. „Tagelang hört man nichts, dann passiert es wieder an jedem späteren Abend“, sagt Emsdorfs Ortsvorsteher Winfried Kläs gegenüber der OP. Einmal sei der Knall schon gegen 18.30 Uhr zu hören gewesen, ansonsten immer in Zeiträumen zwischen 22 und 1 Uhr in der Nacht. Angesichts der Lautstärke werden bei jedem Geräusch Menschen aus dem Schlaf gerissen. „Bei manchen bleibt zwangsläufig ein ungutes Gefühl oder Angst“, betont Kläs, der sich wie alle Betroffenen wünscht, dass diesem Spuk schnell ein Ende gemacht werden kann.

Seit Anfang Dezember setzt die Polizeistation in Stadtallendorf vermehrt Streifen in der Region ein, bisher nur mit dem Erfolg, dass Polizeibeamte auch das Geräusch hörten, es aber nie exakt räumlich zuordnen können. Mit Schüssen sind die Knallgeräusche wohl nicht vergleichbar. „Es klingt eventuell eher wie ein Knallkörper, aber lauter“, berichtet Polizeisprecher Martin Ahlich über Einschätzungen seiner Kollegen. Die anfängliche Überlegung, dass die Geräusche von Schutzanlagen für die Maisernte stammen könnten, haben die Ordnungsbehörden schnell ausschließen können.

Ein Emsdorfer reichte beim Fachbereich Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung ein Lärmprotokoll ein. Demnach gab es allein zwischen 2. November und 11. Dezember 13 dieser „Detonationen“. In einer Nacht „knallte“ es sogar gleich zweimal. Die Polizei registrierte zuletzt in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar eine „Detonation“, wie Martin Ahlich mitteilte. Ein Ohrenzeuge berichtete der OP, dass er das Geräusch auch in der Nacht zum vergangenen Sonntag hörte - und zwar in Kirchhain.

Bei den „Forstbehörden“ waren die Detonationen bisher kein Thema. Forstamtsleiter Lutz Hofheinz hat seine Mitarbeiter zwischenzeitlich aber auch für das Problem sensibilisiert. „Es ist weder für Menschen noch Tiere gut, wenn sie nachts aus dem Schlaf gerissen werden“, unterstreicht Hofheinz. Auch Spekulationen über nächtliche Bundeswehrübungen wurden schnell zu den Akten gelegt. Manöver hätte die Bundeswehr ohnehin weit im Vorfeld angekündigt, wie ein Sprecher der Division Spezielle Operationen der OP bestätigte. Außerdem kommen die Geräusche aus einer anderen Richtung.

Erlaubt sich ein Zeitgenosse üble Scherze mit seinen Mitmenschen? Ausschließen will das keiner. „Wenn es ein Schabernack sein sollte, beweist der Unbekannte allerdings ein großes Durchhaltevermögen. Alles ist sehr mysteriös“, sagt der Kirchhainer Fachbereichsleiter Gordon Schneider mit Blick auf den langen Zeitraum, seit dem es die nächtlichen Belästigungen gibt. Nach den bisherigen Hinweisen könnten die Geräusche in bewaldetem Gebiet zwischen Emsdorf, Kirchhain, Burgholz und Langenstein ihren Ursprung haben. Doch gesichert ist das nicht.

Darum baut die Polizei jetzt sehr auf die Hilfe der Betroffenen: Wer das Geräusch höre und es wirklich räumlich genauer einordnen könne, solle sich umgehend bei der Polizei in Stadtallendorf melden, bittet Polizeisprecher Ahlich. Dann sei es auch möglich, schnell zu reagieren und auch bei Tageslicht gezielter nach möglichen Spuren zu suchen. Unabhängig davon wird die Polizei ihre Streifen in der Region fortsetzen.

Doch um welche Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten geht es der Polizei? „Wir müssen das Geräusch zuerst mal identifizieren, bevor wir konkrete Ermittlungsverfahren einleiten können“, antwortet Polizeisprecher Ahlich. Auch die Ordnungsbehörde der Stadt Kirchhain, die eng mit der Polizei zusammenarbeitet, nimmt Hinweise entgegen. „Uns ist sehr daran gelegen, dass diese Vorfälle aufhören“, betont auch Gordon Schneider.

  • Hinweise nimmt die Polizei in Stadtallendorf zu jeder Tageszeit unter der Rufnummer 06428/93050 entgegen. Das Ordnungsamt der Stadt Kirchhain ist über die Rufnummer 06422/808-142 erreichbar.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr