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Energiewende Nächste Ausfahrt: Bioenergiedorf

Die Erfurtshäuser zeigten dem Aufsichtsrat und dem Vorstand ihrer neu gegründeten Bioenergiegenossenschaft sofort die rote Karte - was in diesem Fall allerdings ein gutes Zeichen ist.

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Gut gelaunt sorgten zahlreiche Erfurtshäuser mit ihren Unterschriften für die Gründung der Bioenergiegenossenschaft.

Erfurtshausen. „Wir gehen in Erfurtshausen ganz neue Wege.“ Zu den Worten von Bernd Riehl passt dann auch, dass die Erfurtshäuser dem Vorstand und dem Aufsichtsrat der Bioenergiegenossenschaft einstimmig die rote Karte zeigten: Was im Sport den Platzverweis mit sich bringt, bedeutete in dem Amöneburger Stadtteil Zustimmung. Wer die rote Karte hob, votierte für die für den Aufsichtsrat und den Vorstand vorgeschlagenen Mitglieder.

Das waren die Höhepunkte Nummer zwei und drei eines, so Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg, „historischen Tages für Erfurtshausen“. Im Vorfeld des Termins am Donnerstagabend hatte bereits festgestanden, dass 85 Häuser an das Nahwärmenetz angeschlossen werden sollen. In den ersten Minuten der Gründungsversammlung der Bioenergiegenossenschaft kamen drei weitere Gebäude dazu. „Ein paar haben wir aber noch in der Pipeline“, betonte Dr. Volker Seumer, der später zum Schriftführer des Vorstandes gewählt wurde.

„Die Energiewende ist gewollt, und wir wollen gerüstet sein“, hob Ortsvorsteher Wolfgang Rhiel hervor und lobte das dorfinterne „Kompetenzteam“, das durch „energische und geschickte Verhandlungen“ möglich gemacht habe, dass ein Nahwärmenetz entsteht: „Es hat sich gelohnt, hart zu bleiben.“

Rund zwei Millionen Euro kostet die Erfurtshäuser das Projekt, dabei rechnen sie mit rund 570000 Euro an Fördermitteln. Von 70 Anschlüssen waren sie im Vorfeld ausgegangen, inzwischen liegen sie bei 88. „Nicht dabei sind bisher die Kirche, das Bürgerhaus, das Feuerwehrgerätehaus und weitere 90 Häuser“, erklärte Bernd Riehl, der zunächst die Gründungs-, und dann die erste Mitgliederversammlung der Bioenergiegenossenschaft leitete, ehe seine Mitstreiter ihn in den Vorstand wählten. Zwar stehe die Zustimmung der Stadtverordneten noch aus, doch die Stadt Amöneburg werde der Genossenschaft beitreten, kommentierte Richter-Plettenberg.

Nach einer kurzen Zusammenfassung des Projektes erläuterte Volkmar Kaiser in Vertretung des juristischen Beraters Dr. Edgar Steinle die wichtigsten Punkte der Satzung, zum Beispiel sprach er über die Struktur der Genossenschaft, die Kündigungsfristen, die Geschäftsanteil in Höhe von 5000 Euro pro Mitglied aber auch die Möglichkeit, noch im Nachhinein Gründungsmitglied zu werden - was bis voraussichtlich 15. Oktober möglich ist. Dann wollen die Erfurtshäuser ihre Genossenschaft im Register des zuständigen Gerichts eintragen lassen.

Nach seinen Erläuterungen war es an der Zeit, Verträge zu unterzeichnen - was die Bürger in Scharen taten und so die Bioenergiegenossenschaft auf den Weg brachten.

Um 21.23 Uhr ging die Gründungsversammlung in die erste Mitgliederversammlung über. Die Genossen wählten fünf Mitglieder des Kompetenzteams in den Aufsichtsrat, der sich um 21.29 Uhr zur konstituierenden Sitzung zurückzog. Es dauerte nicht lange, dann vermeldete Bernd Riehl: „Es ist weißer Rauch aufgestiegen.“ Vorsitzender der Genossenschaft is Erhard Müller, als Vertreter fungiert Theobald Fischer. Schriftführer Dr. Volker Seumer steht Wolfgang Rhiel zur Seite, Beisitzer ist Lothar Dippell. In den Vorstand wurden Bernd Riehl, Dr. Markus Rhiel und Karlheinz Lohmer gewählt.

Seit dem gestrigen Freitag sind die Erfurtshäuser mit dem Ausfüllen von Förderunterlagen beschäftigt, am 15. Oktober soll die Genossenschaft ins Register eingetragen werden. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2013 vorgesehen. „Erfurtshausen wird eine große Baustelle“, sagte Richter-Plettenberg und erklärte, neben den Arbeiten am Nahwärmenetz stünden solche am Kanal an. Außerdem würden eventuell noch Glasfaserkabel für die Versorgung mit schnellem Internet verlegt. Im Herbst 2013 soll das Nahwärmenetz in Betrieb gehen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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