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Ostkreis Nach der Flut kommt der Müll
Landkreis Ostkreis Nach der Flut kommt der Müll
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00:18 19.08.2018
Ein Haufen aus Sperrmüll, Farbeimern, Spielzeug, Autoteilen und Hausmüll türmt sich dem Festplatz. Die Stadt will das Müllproblem in Folge des Unwetters in den Griff bekommen. Sperrmüll wird nur noch nach Anmeldung abgefahren. Quelle: Matthias Mayer
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Kirchhain

Bürgermeister Olaf Hausmann nutzte die erste Zusammenkunft Kirchhainer Parlamentarier nach der Sommerpause, um diese über die Folgen des schweren Unwetters für Kirchhain (wir berichteten) zu unterrichten. Reiner Nau (Grüne), der an diesem Tag dem Ausschuss vorsaß, erinnerte daran, dass an jenem Abend verbürgt 140 Liter Wasser pro Quadratmeter in Kirchhain gefallen sind.

Der Anfang

Er habe das Unwetter in allen Formen mitbekommen. Erst leichter Regen, dann Platzregen und Hagel dazu. Dazu ein heftiger Sturm. Er sei telefonisch gebeten worden, das Rathaus wieder aufzuschließen und als Einsatzzentrale zur Verfügung zu stellen. „Wir haben dann relativ schnell das Bürgertelefon aufgeschaltet.

Die Schadensmeldungen, die wir von den Anrufern hörten, veranlassten uns, in Abstimmung mit dem Landkreis den Katastrophenalarm auszulösen und Verstärkung anzufordern. Da sich das Unwetter über dem Ostkreis ereignete, haben wir bewusst Feuerwehren aus dem Raum Marburg und dem Hinterland angefordert“, erläuterte der Bürgermeister.

Die Einsätze

400 Einsatzkräfte standen für Hilfeleistungen bereit. 150 Meldungen von vollgelaufenen Kellern liefen im Rathaus auf. „Wir haben nicht jede Meldung von vollgelaufenen Kellern bekommen. Die Nachbarschaftshilfe in dieser Nacht war beispielhaft“, stellte Olaf Hausmann fest.

Der Bürgermeister ging auch auf die Kommunikationsprobleme in dieser Nacht ein. Notruf und Bürgertelefon waren zeitweise wegen Überlastung nicht erreichbar. Olaf Hausmann sprach von einer Ausnahmesituation, auf die viele Bürger mit Verständnis reagiert hätten. Er bestätigte Informationen des Stadtverordneten Professor Erhard Mörschel (CDU), wonach spät in der Nacht nach einem bestimmten System Feuerwehrleute an Haustüren klingelten und ihre Hilfe anboten.

Bis morgens um 4 Uhr seien die meisten Einsatzstellen abgearbeitet worden – der Rest sei bis 6 Uhr erledigt gewesen. Ab 5.30 Uhr sei das Bürgertelefon wieder aufgeschaltet worden. Daraufhin seien weitere 30 Fälle abgearbeitet worden, sagte der Bürgermeister, der die Schadenszentren in der Kernstadt sowie in Kleinseelheim und in Stausebach lokalisierte. Diese Stadtteile seien besonders von Schlammmassen betroffen worden, während die übrigen Stadtteile vergleichsweise glimpflich davongekommen seien.

Der Bürgermeister würdigte­ zusammen mit den Stadtverordneten den selbstlosen Einsatz der Feuerwehrleute, für die die Stadt auf die Schnelle ein Versorgungszentrum im Bürgerhaus eingerichtet hatte.

Die Schäden

Der Bürgermeister differenzierte zwischen Schäden der Landwirte, der Privatpersonen und der Stadt. Nur über Letztere könne er seriös Auskunft geben, wobei sich die Schadenshöhe täglich ändere. Die aktuellen Gesamtschäden der Stadt bezifferte der Kämmerer mit 300.000 Euro.

Davon entfielen nach Abzug der erwarteten Leistungen der Versicherungen 100.000 Euro auf die Hochbauten. Exemplarisch nannte Olaf Hausmann das Hallenbad, in dessen Keller das Wasser 2,20 Meter hoch stand und die Kita Alsfelder Straße, deren Keller bis unter die Decke vollgelaufen sei. Das sei nicht allein dem Unwetter geschuldet, sondern auch 40 Jahre zurückliegenden Pfusch am Bau. Die Kita saufe jedes Jahr ab.

Auf den Tiefbaubereich entfielen Schäden in Höhe von 200.000 Euro. Betroffen seien­ Feldwege, Brücken, Wasserdurchlässe. Kosten verursachten zudem das fällige Spülen der Kanäle und der Windbruch. Der Annapark sei besonders betroffen. Er bleibe vorerst gesperrt, weil noch immer die Gefahr ­herabstürzender Äste bestehe.

Im Gillhof sei eine Platane umgestürzt, im Alten Dörfchen ein Hang abgerutscht, nannte der Bürgermeister weitere Schäden. Er bedankte sich für die unbürokratische Hilfe, die die Stadt durch das Personal von Hessen Forst und durch örtliche Baufirmen erfahren haben.

Entschädigung

Das Land Hessen hat einen Fond geschaffen, aus dem von Unwettern betroffene Bürger­ Hilfen des Landes beziehen können. Er habe während der jüngsten Begegnung mit Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) deutlich gemacht, wie wichtig solche Hilfen für die vielen betroffenen Bürgern seien. Die Stadt habe ihren Part erledigt, indem sie über die Kreisverwaltung den erforderlichen Antrag gestellt habe. Einen möglichen Zeitrahmen bis zur etwaigen Bewilligung der Hilfen nannte er nicht. Zuvor müsse das Regierungspräsidium den Antrag prüfen.

Der Müll

Das Thema Müll ist nach dem Unwetter noch aktuell, und das Ergebnis ist für den Bürgermeister einigermaßen ernüchternd. Was für den Unrat von Hochwasser-Opfern gedacht war, nutzten einige Bürger, um ihren Hausmüll und sogar ihren Sondermüll zu entsorgen. Deshalb habe die Stadt die Sammelstelle am Freibad aufgegeben.

Dagegen könnten die Betroffenen auf dem Festplatz gegenüber des Bauhofs weiterhin in den eingezäunten Zonen Hausmüll und Restmüll, Sondermüll und Elektroschrott abgeben. Auch auf diesen drei Feldern werde trotz eindeutiger Schilder Müll abgelagert, der dort nicht hingehöre. Deshalb müsse der Abfall von Hand sortiert werden, beklagte Hausmann.

Am Dienstag waren die Felder für Hausmüll, Sondermüll und Elektroschrott auf dem Kirchhainer Festplatz leer. Foto: Matthias Mayer

Sperrmüll, wie er derzeit im großen Umfang auf dem Festplatz lagert, kann nur noch nach vorheriger Anmeldung abgefahren werden. Dazu biete die Stadt verstärkte Abfuhr-Touren Ende August/Anfang September an, sagte Olaf Hausmann.

Wer Bedarf hat, kann die Abfuhr seines Sperrmülls im Bürgerbüro anmelden oder sich ein entsprechendes Formular im Netz unter www.kirchhain.de herunterladen.

Wer noch beschädigte Elektro- und Elektronik-Geräte hat, kann neben den turnusmäßigen Sammlungsterminen am 16. August und am 23. August auch die Zusatztermine 17. August und 24. August nutzen. Geschädigte können sich mit dem Hinweis auf „Unwetter Kirchhain“ direkt unter der Telefonnummer 06421/944144 melden.

Grüner Müll

Reiner Nau berichtete von Problemen einiger Bürger mit abgebrochenen Ästen und verdorbenen Kompost. „Wohin damit?“, fragte er. Für die Äste hatte der Bürgermeister eine Lösung parat. Hinter der Reithalle gebe es eine zentrale Sammelstelle für Astwerk.

Prävention

Der Stadtverordnete Uli Balzer fragte an, ob die Stadt nach diesem Ereignis präventiv tätig werde. Der Bürgermeister bejahte das. Vorkehrungen für künftige Jahrhundert-Ereignisse folgten jedoch erst im zweiten Schritt. Zunächst stünden noch Sicherungsaufgaben an. So werde die Stadt jetzt die durch den Wald führenden Radwege ­untersuchen. Dabei gehe es darum, vom Absturz bedrohte Äste zu erkennen.

Das Unwetter habe deutlich gezeigt, dass das fast vollständig neu ausgebaute Kirchhainer Kanalnetz eine Schwachstelle habe: das Viadukt. „Dort ist es sehr eng. Der Kanal hat die Wassermassen nicht fassen können“, nannte der Bürgermeister einen Ansatz für ein präventives Projekt.

Wer zeitnah sein Hab und Gut schützen möchte, kann von der Stadt Sandsäcke gegen eine Aufwandsentschädigung von 50 Cent pro Sack am Bauhof erwerben. Der notwendige Sand darf auf städtischen Spielplätzen entnommen werden.

Manöverkritik

„Wir haben die Situation gut ­gemeistert und das Menschenmögliche getan“, fasste der Bürgermeister zusammen.

von Matthias Mayer

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