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Nach Giftanschlag: Auf 2,7 Kilometern kein Leben mehr

Tatverdächtiger ermittelt Nach Giftanschlag: Auf 2,7 Kilometern kein Leben mehr

Drei Wochen nach dem Giftanschlag auf die Fischaufzuchtanlage des Fischerei-Vereins Kirchhain bei Großseelheim wird das Ausmaß der Folgen für die Umwelt erkennbar.

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Quelle: Thomas Breme

Großseelheim. Ein Gutachter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf kommt zu dem Schluss, dass der von versteckten Wildkameras fotografierte Täter am frühen Morgen des 27. Oktober Peroxid in die Becken gekippt hatte. Das vergiftete Wasser floss über einen Zeitraum von vier Stunden über den Überlauf in die Wirft. Nach Feststellung des Gutachters wurde die Wirft auf einer Länge vom 2,7 Kilometer vollständig geschädigt. „Verbliebene Fische in der geschädigten Strecke sind durch Schleimhautverletzungen Sekundärinfektionen ausgesetzt; daneben ist das Atmungsepithel geschädigt, so dass diese Tiere noch an den Folgeschäden verenden werden. Die organischen Peroxide sind akut schädlich, werden aber in offenen Gewässern innerhalb kurzer Zeit neutralisiert und unschädlich, so dass die Substanz nicht längerfristig wirksam ist“, urteilt der Gutachter.

Dennoch sieht der Gutachter das Leben und den Lebensraum am und im Gewässer für einen Zeitraum von mindestens vier Jahren beeinträchtigt. Das trifft nicht nur den Fischerei-Verein hart, sondern auch geschützte Arten wie den Eisvogel und die Wasseramsel, die ihr Revier an der Wirft für Jahre verlieren. Das Problem: Weil alle Organismen in der Wirft abgestorben sind, finden die Kleinfische, von denen sich der Eisvögel ernährt, in dem Gewässer keine Nahrung.

Tatverdächtiger ermittelt

Die Nahrung der Kleinfische muss wiederum aus dem Oberlauf der Wirft oder auch der Ohm in das Gewässer einwandern. Allein für diesen Prozess veranschlagt der Gutachter einen Zeitraum von einem Jahr. Unterdessen hat die Polizei nach OP-Informationen einen Tatverdächtigen ermittelt und ihre Ermittlungsunterlagen bereits an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Dieser offenkundige Polizeierfolg ist für die Mitglieder des Fischerei-Vereins besonders wichtig, denn sie hatten bereits im August einen Giftanschlag auf ihre Aufzuchtanlage hinnehmen müssen. Insgesamt verendeten bei diesen Anschlägen qualvoll 10000 Fische, darunter wertvolle Laichtiere der Wildform der Bachforelle, deren Genmaterial kaum noch zu bekommen ist.

Erik Simon, der die Anlage für den Verein betreibt, hatte kurz nach der Tat gegenüber der OP die Hoffnung geäußert, dass der Täter möglichst schnell dingfest gemacht werden würde - weniger um ihn zu bestrafen, als um den Vereinsmitgliedern die Hoffnung zu geben, dass Bemühungen, die Zucht wieder neu aufzubauen, nicht gleich durch weitere Giftanschläge zunichte gemacht werden. „So lange der unerkannt draußen rumläuft, gibt es keine Motivation, den Neuaufbau der Zucht anzugehen, hatte Gewässerwart Ingo Pfeiffer gesagt.

Verein hatte einen konkreten Verdacht

Der Verein hatte der Polizei nicht nur Fotos der Wildkameras zur Auswertung übergeben, sondern auch von einem konkreten Verdacht gegenüber einem ehemaligen Vereinsmitglied gesprochen. Der Wiederaufbau der Zucht wird nach Schätzungen von Ingo Pfeiffer drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Ziel des Vereins ist es heimische Fischarten zu züchten, die nach ihrer Auswilderung in den Fließ- und Stillgewässern des Vereins in der Lage sind, sich ohne Zutun des Menschen fortzupflanzen. Den materiellen Schaden beziffert der Verein auf 5000 bis 10000 Euro. Der ideelle Schaden sei ungleich höher.

von Matthias Mayer

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