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Ostkreis Nabu verklagt Hessen
Landkreis Ostkreis Nabu verklagt Hessen
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06:15 26.05.2012
Das Archivfoto zeigt eine kleine Kolonie von Bechsteinfledermäusen, die europaweit unter Schutz steht. Archivfoto
Marburg

Einen Eindruck will der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) unbedingt vermeiden: Dass es sich bei der Nabu-Klage gegen den A-49-Abschnitt zwischen Schwalmstadt und Stadtallendorf um ein „ferngesteuertes Verfahren“ handelt. Der Nabu habe diese Klage nur eingereicht, weil es dafür genügend Unterstützung vor Ort gebe, betonte Landesgeschäftsführer Herbert Mai.

Vor vier Wochen war die Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Kassel eingegangen. Sie richtet sich gegen den Planfeststellungsbeschluss für den betreffenden, VKE 30 genannten Autobahnabschnitt. Rund 200 Seiten umfassen Klageschrift und Gutachten, die der Nabu nunmehr nachgereicht hat. Darin geht es naturgemäß um weit mehr als die Gründe für die eigentliche Klage. Dort führt der Nabu all die anderen Punkte an, die die Aktionsgemeinschaft zum Schutz des Ohmtals gegen die A 49 insgesamt und besonders gegen diesen Autobahnabschnitt ins Feld führt. Reinhard Forst erinnerte beispielhaft an die von ihm aufgedeckten Mängel in der Stellungnahme der EU-Kommission (diese Zeitung berichtete mehrfach). Er sprach gestern erneut von einer „Fülle an falschen Details“. Doch im Kern stützt sich die Klage auf zwei formale Punkte: Der Nabu sieht sich in seinen demokratischen Beteiligungsrechten ausgehebelt und sieht zugleich einen groben Fehler im Umgang mit geschützten Bechsteinfledermäusen im Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet Wieragrund. Den Planern sei bekannt gewesen, dass dort Bechsteinfledermäuse vorkommen, moniert Wulf Hahn vom Marburger Büro Regionconsult. Das Büro begleitet die Klage fachlich und hat unter anderem Gutachten für die Klageschrift verfasst. „Zwingend vorgeschriebene weiterführende Untersuchungen sind unterblieben“, sagt Hahn. Aus Sicht des Nabus hätte in diesem Falle eine Alternativtrasse geprüft werden müssen.

Folgt also jetzt beim Kampf gegen die A 49 die Bechsteinfledermaus auf die Stadtallendorfer Kammmolch-Vorkommen? Herbert Mai wendet sich gegen diesen Eindruck. „Es geht nicht nur um das einzelne Tier, es geht darum, Lebensräume zu erhalten, auch für den Menschen.“ Reinhard Forst erinnerte an den Verlust von Erholungsräumen rund um Stadtallendorf, wenn der dritte A-49-Abschnitt von Stadtallendorf nach Gemünden (Felda) Realität wird. Dann ginge etwa die Hälfte der Fläche des Herrenwaldes verloren, sagt Forst.

Was geschieht, wenn die Nabu-Klage in Leipzig Erfolg haben sollte? Dann dürfte die A 49 längerfristig bei Schwalmstadt-Treysa enden, Neustadt dürfte eine ganz erhebliche Verkehrsbelastung drohen. Nabu-Geschäftsführer Mai sähe die Schuld dafür nicht bei seinem Verband, sondern bei der Politik. „Wir schaffen das Problem nicht“, sagt Mai. Er sieht die Landespolitik gefordert, bereits jetzt über Alternativplanungen nachzudenken. Der Nabu-Landesverband sieht seine Klage in Leipzig nicht als „ferngesteuertes Verfahren“. Für Mai ist die Unterstützung durch die Aktionsgemeinschaft zum Schutz des Ohmtals ausschlaggebend dafür, dieses Verfahren anzustrengen. Die Aktionsgemeinschaft engagiert sich finanziell erheblich: Innerhalb von 14 Tagen brachte Forst 14000 Euro zusammen. 50 Unterstützer hätten sofort Geld zugesagt. Weitere 12000 Euro bringt der Nabu auf.

von Michael Rinde