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Ostkreis Motorradfahren ist sein Leben
Landkreis Ostkreis Motorradfahren ist sein Leben
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18:16 01.06.2017
Ernsthausen

Als Christoph Klös gerade einmal ein halbes Jahr alt ist erkrankt er an Pseudokrupp und kommt zur Beobachtung in ein Krankenhaus. Damit beginnt für die Eltern Friedhelm und Brigitte Klös im Krankenhaus eine „Horrorzeit“.

Das Gehirn des Kleinen wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, eine geistige Behinderung bleibt zurück. Hinzu kommt die Befürchtung der Eltern, dass ein Fehler des behandelnden Arztes dafür verantwortlich ist. Damals erklären die Ärzte, dass ihr Sohn nie sprechen oder laufen werde. Die Vorhersage der Ärzte bewahrheitet sich nicht, lesen und schreiben lernen kann Klös aber nicht.

Doch er entwickelt schon früh eine ganz besondere Leidenschaft. Schon im Alter von sieben Jahren fährt er liebend gerne im Fahrradsitz auf der elterlichen Vespa mit. „Christoph war hyperaktiv und das hat geholfen“, erzählt Friedhelm Klös. Als er für den Fahrradsitz zu groß wird, sitzt Christoph Klös eine Zeit lang im Beiwagen der „Jawa“. Mit zwölf Jahren darf er dann als Sozius auf dem Motorrad mitfahren.

Begonnen hat alles mit Nachbar Walter Dinnebier, der nahm ihn einmal auf seiner Maschine mit. „Für Christoph ist Motorradfahren sein Leben“, macht Friedhelm Klös deutlich. Überhaupt liebt Christoph Klös alles, was mit Motoren zu tun hat. Motorräder und Autos erkennt er schon aus der Ferne. „Die gucken mich immer so an“, hat er einmal seinem Vater erklärt. Und deshalb gibt es seit vielen Jahren für Christoph Klös ein ganz besonderes Erlebnis zum Geburtstag. Dann wird unter dem Motto „Christophs-Motorrad-Treffen“ rund um das elterliche Haus ein großes Geburtstagsfest gefeiert.

Geburtstag unbekannt

Wann sein Geburtstag ist, das weiß Christoph Klös nicht. „Doch schon im Dezember kommt die Frage wann kommen denn wieder alle“, erzählt Friedhelm Klös. Gefeiert wird immer an einem Sonntag, um den Geburtstag herum. Wenn dann - wie in diesem Jahr - der Geburtstag direkt auf einen Sonntag fällt, ist das natürlich besonders schön. Was zunächst innerhalb der Familie, der Verwandtschaft und Nachbarschaft klein angefangen hat, ist heute zu einem Selbstläufer geworden und der Kreis immer weiter gewachsen.

Schon gegen Mittag sind die ersten Motorradfahrer angerückt. Es dauert nicht lange, dann stehen 45 Motorräder vor dem Haus der Familie, darunter auch zahlreiche Harley Davidsons. Die Mitglieder des „Harley-Davidson-Club-Midwest“ sind schon seit gut zehn Jahren dabei, um Christoph Klös ein besonderes Erlebnis zu schenken. Gemeinsam feiern sie und begleiten ihn nach dem gemeinsamen „Biker-Essen“ mit ihren Maschinen auf eine­ rund einstündige Ausfahrt. „Das ist Christophs Highlight des ganzen Jahres, sein Lebenselixier“, erzählt Mutter Brigitte Klös.

„Wann gehören Menschen mit einer Behinderung mal dazu? Christoph ist da mittendrin“, sagt Friedhelm Klös. Der 60-Jährige hat vor 20 Jahren den Motorradführerschein gemacht und ist später auch bei der Ausfahrt dabei.

Gerne würde Christoph Klös auch selbst einmal am Steuer sitzen. „Trösten lässt er sich dann als guter Beifahrer“, erzählt die Mutter. An seinem Geburtstag fährt Christoph Klös bei Walter Dinnebier auf seiner Kawasaki mit. „Walter ist sein Vorbild geblieben“, erklärt Friedhelm Klös.

Nach der Ausfahrt wartet dann noch Kaffee und Kuchen auf die Biker. Möglich wird das Fest nur mithilfe zahlreicher Familienmitglieder und Freunde. Zwar steht eine kleine Spendenbox bereit, doch eins ist für Familie Klös viel wichtiger: „Der Lohn ist sein Lachen und seine Freude“, sagt Friedhelm Klös.

von Karin Waldhüter

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