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Imam und Vorstand gehen auf Distanz

Moschee-Predigt Imam und Vorstand gehen auf Distanz

Im Februar hatte ein im Internet öffentlich gewordenes Gebet des Imams der Fatih-Moschee landesweit für Aufsehen gesorgt. Darin hatte er für den Erfolg der türkischen Armee in Syrien gebetet.

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Eine Predigt des Imams der Fatih-Moschee, in der für die türkische Armee und ihren Kampf in 
Syrien gebetet wurde, hatte Anfang Februar Aufsehen erregt.

Quelle: Archiv

Stadtallendorf. Die Erklärung von Imam Mahmut Sanal und dem Vorstand der Fatih-Moschee im Wupperweg kommt fast sieben Wochen nach der Veröffentlichung jener „Kriegspredigt“. Die Ditib-Jugend der Fatih-Moschee hatte sie gefilmt und im Internet veröffentlicht. Der Hessische Rundfunk machte sie öffentlich.

Seinerzeit hatte es zunächst keine Reaktion der Moschee-Verantwortlichen gegeben. Jetzt distanzieren sich der Vorstand der Moschee wie auch der Imam von den Aussagen. In der Predigt, die bereits seit längerem aus dem Netz wieder verschwunden ist, war seinerzeit auch die Rede, dass „Gott der ruhmreichen Armee im ruhmreichen Kampf helfen“ möge.

Das hatte Aufsehen erregt, gilt in Deutschland doch die strenge Trennung von Staat und Kirche. Zugleich steht der muslimische Dachverband Ditib schon seit längerem unter Verdacht, von der türkischen Religionsbehörde abzuhängen und gesteuert zu werden. Die OP veröffentlicht die Erklärung vom Moschee-Vorstand und Imam im Wortlaut (siehe unten).

Kreisausschuss zog „rote Linie“

Wie genau die Predigt zustande kam und wer sie letztlich formuliert hat, lässt die Stellungnahme der Fatih-Moschee allerdings offen.
Jene Predigt war am Freitag auch Thema im Kreistag. Die Kreistagsabgeordnete Ulrike Markert (AfD) stellte eine Anfrage, ob es mittlerweile Gespräche zwischen Kreis und Moscheegemeinde gegeben hat. Hatte es, wie der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) in seiner Antwort erläuterte.

Vorher hatte der Kreisausschuss bereits deutlich gemacht, dass für ihn eine Polarisierung der Religion nicht hinnehmbar sei und von einer „roten Linie“ bei der Zusammenarbeit von Kreis und Moscheegemeinden gesprochen. So heißt dazu es in der Antwort Zachows. Bei Gesprächen zwischen dem Ersten Kreisbeigeordneten und dem Moschee-Vorstand samt Imam Sanal kam offenbar deutlich rüber, dass sich der Vorstand der Moschee diese Aussagen nicht zu eigen machte.

Zachow hat dabei wohl deutlich gemacht, dass eine mündliche Distanzierung allein unzureichend wäre. Auf Anfrage der OP zeigte sich der Erste Kreisbeigeordnete zufrieden mit den schriftlichen Aussagen, die jetzt öffentlich wurden. „Ich bin froh über diese Stellungnahme. Sie ist die wohl weitreichendste Distanzierung in Hessen von Kriegsgebeten“, sagte Zachow. Die Stellungnahme zeige, dass der Moschee an einem friedlichen Zusammenleben gelegen sei.

Prediger hatte sich bislang von Gewalt distanziert

Auch Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) hatte Gespräche mit dem Moscheevorstand geführt. Unter anderem während der regulären Treffen, die seit Jahren gemeinsam mit dem Leiter der Polizeistation Stadtallendorf stattfinden. „Ich persönlich finde es gut, dass hier eine klare Position bezogen wurde. So kenne ich den jetzigen Imam der Moschee eigentlich auch“, sagte Somogyi am Freitagnachmittag nach Lektüre der Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung.

Der Inhalt jener Predigt hatte seinerzeit bei Kennern des Imams und der Fatih-Moschee besonders überrascht. Mehrfach hatte sich Mahmut Sanal öffentlich von Gewalt distanziert und unter anderem nach dem islamistischen Anschlag in Paris im Jahr 2015 auch an einer Gedenkveranstaltung teilgenommen.

von Michael Rinde

Im Wortlaut

Bezugnehmend auf die in der Presse diskutierte Verherrlichung von Kriegshandlungen durch den Imam der Ditib-Moschee Stadtallendorf möchten wir uns von den missverständlichen Aussagen distanzieren. Wir werden uns in Zukunft darum bemühen, unsere friedlichen Botschaften deut­licher auszudrücken.

Sowohl der Imam als auch der Vorstand der Ditib-Gemeinde in Stadtallendorf verfolgen in Einklang mit dem Dachverband ein Islam-Verständnis, welches geprägt ist von einer starken Friedensbotschaft für die Menschheit und somit mit keiner Art von Kriegspropaganda vereinbar ist. So wird die Wichtigkeit des Friedens vom Imam regelmäßig in den Freitagsgebeten betont.

Wir haben uns in der Vergangenheit und werden uns auch in der Zukunft stets gegen Gewalt und Terror aussprechen und diesbezüglich deutlich Haltung zeigen. Wir schließen in unseren Gebeten sowohl Opfer von Gewalt und Terror als auch ihre Familien ein. Gewalt, Terror und Krieg haben immer dieselben Opfer: unschuldige Menschen. Die Menschenleben sind von Gott gegeben und dürfen nicht von Menschen genommen werden. Gewalt, Terror und Krieg von jeder Seite wird deshalb von uns verurteilt und kann nicht gerechtfertigt werden.

Als Religionsgemeinschaft der Mitte, heterogen, überparteilich, offen für interreligiösen gesellschaftlichen Dialog, sehen wir unsere Verantwortung darin, einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden zu leisten und rufen stets für Frieden und gegen Hass und Gewalt auf. Gewaltverherrlichung hat keinen Platz in unserer Moschee.

Der Imam und Vorstand der Ditib-Moschee Stadtallendorf, unterschrieben von Vorstand Kerim Otkan und Imam Mahmut Sanal.     

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