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Ostkreis Moralisch verwerflich, aber eben nicht strafbar
Landkreis Ostkreis Moralisch verwerflich, aber eben nicht strafbar
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18:58 07.12.2010

Neustadt. Als eine inzwischen 17-Jährige gestern nach mehr als drei Stunden Verhandlung einen neuen Vorwurf auf den Tisch brachte, zog Annemarie Wied die Reißleine: „Ich hatte den Eindruck, sie legt auf der Suche nach einer Begründung nach. Ich wollte nicht, dass sie sich weiter in Widersprüche verstrickt“, begründete die Staatsanwältin, warum sie auf einmal den Freispruch für ein Neustädter Paar forderte.

Der 24-Jährige und die 19-Jährige hatten sich wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten müssen. Letztendlich setzte sich ein Handlungsstrang zusammen, den Richter Thomas Rohner als moralisch verwerflich aber nicht als strafbar bezeichnete.

Am 15. April hatte die Stadtallendorferin über eine Freundin die Neustädterin kennengelernt. Noch am gleichen Tag unterhielten sich die Beiden über Geschlechtsverkehr, wobei die damals 16-Jährige zugab, noch Jungfrau zu sein und dafür in der Schule gehänselt zu werden. Die Neustädterin, damals hochschwanger, berichtete daraufhin über ihr Sexleben mit ihrem Mann und bot letztendlich an, dass dieser die Entjungferung übernehmen könne.

Zudem überredete sie ihren Gast, für einen Pornofilm vor der Kamera zu tanzen – sie habe sich im Vorfeld über diese Möglichkeit des Geldverdienens informiert. 3.000 Euro sollte der Film bringen, das Geld hätten sie sich geteilt, gab die Angeklagte an. Dann jedoch habe sie festgestellt, dass die Stadtallendorferin erst 16 Jahre alt sei und einen geschlossenen Vertrag zerrissen.

Den 16. April verbrachte die Stadtallendorferin ebenfalls bei dem Paar. Am 17. April kam es dann zu sexuellen Handlungen: Der Neustädter scheiterte im Beisein seiner Frau bei dem Versuch, mit seinem Penis in die Vagina der jungen Frau einzudringen. Er entjungferte sie anschließend mit dem Finger, wobei die Stadtallendorferin starke Schmerzen erlitt.

Auch wenn die Handlungen gegen ihren Willen geschahen, so musste das Gericht letztendlich feststellen, dass sie dies nicht zum Ausdruck gebracht hatte und über sich ergehen ließ.

von Florian Lerchbacher

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Mittwoch in der Printausgabe der OP.

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