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Mombergs ältester Verein wird 150

Jubiläum Mombergs ältester Verein wird 150

Drei Konzerte, ein Dorfwochenende und ein vierteiliges "Theater-Kino" - das sind die öffentlichen Veranstaltungen, die der Gesangverein Momberg anlässlich seines Jubiläumsjahres organisiert.

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Knut Petersen mit den aktiven Sängern des Gesangvereins Momberg. Privatfoto

Quelle: www.peterlauritis.de Peter Lauritis

Momberg. 150 Jahre ist es her, dass 27 junge Momberger zusammensaßen und im Wirtshaus den Männergesangverein „Concordia“ aus der Taufe hoben. Die heute als „Gesangverein“ im Register eingetragene Gruppierung ist damit der älteste Momberger Verein. Hat sich in der langen Historie so einiges verändert, so blieb eins immer gleich: In den vergangenen 150 Jahren war und ist das Momberger Wirtshaus das Vereinslokal der Sänger.

Über die ersten 50 Jahre der Geschichte ist relativ wenig bekannt, berichtet Schriftführer Stefan Schmittdiel. Die schriftlichen Aufzeichnungen seien gering: „Sogar von Jahreshauptversammlungen wurden nur ein oder zwei Sätze notiert.“ Sicher ist: Bis 1964 fungierten stets der oder die Ortslehrer als Dirigenten - erster im Bunde war „Ortslehrer Schick“, der die Sänger von 1867 bis 1883 leitete.

In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 ruhte das Vereinsleben ebenso wie in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Danach kam der Chor nur schwer wieder auf die Beine. Ab 1947 wurde wieder gesungen und sogar Theater gespielt. Dirigent war Dorflehrer Ludwig Pack (1947 bis 1964), der auch als Organist fungierte. Die Momberger ernannten ihn letztendlich zum Ehrenchorleiter - ebenso wie Nachfolger Karl Fuchs. Der Neustädter war zufälligerweise auch Lehrer, aber eben nicht Ortslehrer in Momberg. Er leitete den Chor von 1964 bis 1983.

1983 zusätzlich einen Gemischten Chor gegründet

In der Chronik des Vereins heißt es, dass in den 1950er-Jahren der Besuch der Liederabende stark nachließ und meist die Sänger der teilnehmenden Vereine auch den Großteil des Publikums ausmachten. Eine Parallele zur heutigen Zeit, stellt Schmittdiel heraus. Weitere Parallelen sind die Nachwuchssorgen, die es schon damals gab, und die Bereitschaft der Sänger, sich „neuem Liedgut“ zu widmen - an das sich die Zuhörer langsam gewöhnten.

Schon in den 1950er-Jahren unterstützten Mädchen und Frauen den Männerchor bei kirchlichen Hochfesten. Allerdings gründeten die Momberger erst im Jahr 1983 zusätzlich einen Gemischten Chor. Die Weichen hatten sie schon 1977 gestellt: Damals wollten sich die Sänger ins Vereinsregister eintragen lassen und mussten sich entsprechend eine Satzung geben. Damals erfolgte auch die Umbenennung in „Gesangverein“.

Schon unter Karl Fuchs sei die Gründung eines Gemischten Chores zur Sprache gekommen, erinnert sich Vorsitzender Hartmut Schmitt. Die Umsetzung erfolgte dann mit dem Wechsel am Taktstock zu Heinz-Josef Botthof - einem „ganz jungen Leiter“, der 16 Jahre lang den Chor führte und zeitweise sogar extra aus München zu den Proben anreiste. Danach habe in Kathrin Schmitt ein „Sprössling des Vereins“ den Taktstock übernommen. „Sie war sehr jung und hatte es bei den erfahrenen Sängern zu Beginn nicht einfach.

Aber es ging sehr schnell, bis sie akzeptiert wurde: Sie war und ist einfach ein musikalisches Genie“, ist Hartmut Schmitt voll des Lobes über die Dirigentin, die später den Mädchendomchor in Köln leitete. Auf das Eigengewächs folgten noch Irina Büschl und Wilfried Tschuppik, heute gibt Knut Petersen den Ton an.

Niveau ist unglaublich hoch

Weitere Meilensteine der Vereinsgeschichte waren das Jahr 1953 und der Beitritt zum Wohrataler Sängerbund (heute Sängerkreis) und das Jahr 1993, als die Momberger erstmals eines ihrer beliebten Adventskonzerte ausrichteten. 1995 ließen sie sich erstmals als „Leistungs­chor“ zertifizieren, 1999 gar als „Konzertchor“. Dieses Prädikat erreichten sie noch einige Male: „Für einen Dorfchor war das unglaublich“, erläutert Schmittdiel.

Inzwischen darf sich der Gesangverein nicht mehr solch einer Bezeichnung rühmen: Nachdem die Sänger einmal die Hürde nicht geschafft hatten, seien sie nicht mehr zur Teilnahme am Chorwettbewerb zu motivieren gewesen, sagt Schmitt. „Das Niveau ist aber auch unglaublich hoch. Die Ansprüche sind meines Erachtens viel zu hoch“, ergänzt Schmittdiel: „Der Titel bringt eigentlich auch nichts. Wir singen noch sehr gut - und wollen dabei vor allem Spaß haben.“

Aktuell gehören dem gemischten Chor 42 Mitglieder an, im Männerchor sind noch 18 Sänger aktiv: „Aber auch mit zwölf Leuten auf der Bühne funktioniert unser Chor noch. Wir füllen den Raum, haben einen guten Klang und singen einfach gut zusammen“, freut sich Schmitt und spricht Chorleiter Petersen ein großes Lob für die Auswahl der Literatur aus.

Vierter Advent ist der Momberger Konzerttag

Und die werden die Momberger in diesem Jahr mehrfach zum Besten geben: Für den 1.April planen sie ein Kirchenkonzert unter Mitwirkung von sieben bis acht befreundeten Chören. Weitaus weltlicher geht es dann am 28. Oktober im Dorfgemeinschaftshaus zu, wenn der Gesangverein einen Liederabend (ebenfalls mit befreundeten Chören) samt Festkommers veranstaltet.

Zwischendrin gibt es noch ein „Dorfwochenende“ (1. und 2. Juli) mit Gedenkveranstaltung, Dankgottesdienst, Dämmer- und Frühschoppen sowie einem Mitmachkonzert. „An diesem Wochenende bleiben wir inger ins“, sagt Schmitt und „übersetzt“, dass die Momberger dann „unter uns“ feiern wollen. Vereinsintern ist dann die Geburtstagsfeier der Sänger, die dann exakt 150 Jahre nach dem Gründungstag stattfindet, sprich am 7. November.

Das Adventskonzert mit heimischen Musikgruppierungen findet diesmal am 23. Dezember statt. Eigentlich ist immer der vierte Advent der Momberger Konzerttag - dieser fällt aber in diesem Jahr auf Heiligabend.

Das Festprogramm hat aber auch schon begonnen: Die Sänger spielten einst auch Theater. Nun haben sie die Videoaufnahmen digitalisiert und zeigen sie als sogenanntes „Theater-Kino“ im „Sälchen“ des Wirtshauses. Weitere Vorführungen stehen am 29. Januar („Die Meisterboxer“), 19. Februar („Familienkrach im Doppelhaus“) und 12. März („Rambazamba am Lido Makkaroni) auf dem Programm - jeweils um 18 Uhr.

von Florian Lerchbacher

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