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Mit dem Sammeltaxi nach Marburg und zurück

Kirchhain Mit dem Sammeltaxi nach Marburg und zurück

Pünklich zum Filmbeginn um 20 Uhr ins Kino nach Marburg? Nicht für die Großseelheimer. Nach dem neuen Fahrplan des RNV sind sie entweder eineinhalb Stunden zu früh dort oder eine halbe Stunde zu spät.

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Barbara Niehues-Lenhard (von links) und Conny Mild überreichten eine Unterschriftenliste an RNV-Geschäftsführer Heinz-Konrad Debus und Bürgermeister Jochen Kirchner.

Quelle: Tobias Hirsch

Kirchhain. Jede Stunde ein Bus, von den frühen Morgenstunden bis nach Mitternacht – und das an sieben Tagen in der Woche: Was für Großstädter gang und gäbe ist, bleibt für viele Dorfbewohner nur ein Traum. Zwischen Misthaufen und Milchkannen ist und bleibt der eigene Pkw oft die einzige Alternative zum öffentlichen Personennahverkehr.

In Großseelheim – mit etwas mehr als 2.000 Einwohnern der größte Kirchhainer Ortsteil – setzten sich die Bewohner nun für eine Verbesserung der Verkehrsverbindungen ein. „Viele Bürger sind daran interessiert, dass der öffentliche Personennahverkehr optimiert wird“, sagt Barbara Niehues-Lenhard.

Und wenn die Großseelheimerin viele sagt, dann meint sie auch viele: 360 Familien setzten ihre Unterschrift unter einen Antrag, den Niehues-Lenhard gemeinsam mit Conny Mild an den RNV-Geschäftsführer Heinz-Konrad Debus und Bürgermeister Jochen Kirchner überreichte. „Die 360 Familien vertreten 1.254 Menschen aus Großseelheim, Kleinseelheim, Schönbach und Niederwald“, betont Niehues-Lenhard. Neun Großseelheimer Vereine mit insgesamt 1.625 Mitgliedern unterstützen den Antrag ebenfalls. Sie fordern die Einrichtung eines Anrufsammeltaxis (AST), welches die genannten Orte mit Kirchhain und Marburg verbindet – und zwar an sieben Tagen in der Woche.

„Für die Ausweitung der Nahverkehrsverbindung besteht dringender Bedarf, besonders bei Eltern mit heranwachsenden Kindern, bei älteren Bürgern und Leuten, die manchmal auf ihr Auto verzichten wollen“, sagt Niehues-Lenhard. Besonderer Wert werde dabei auf eine Verbindung nach Mitternacht von Marburg zurück in die Heimatorte gelegt. „Eine Verbindung des Anrufsammeltaxis im Stundentakt halten wir für äußerst sinnvoll und notwendig“, unterstreicht die Großseelheimerin. Auch monieren die Großseelheimer, das eine Verbindung gegen 18.40 Uhr fehlt. „Pünktlich zu Veranstaltungen nach Marburg zu kommen ist unmöglich. Nach dem neuen Fahrplan wäre man entweder schon um 18.27 Uhr in Marburg oder erst um 20.27 Uhr“, sagt Nienhues-Lenhard.

Bürgermeister Jochen Kirchner, der selbst Mitglied im Vorstand des Regionalen Nahverkehrsverbands (RNV) ist, zeigte sich dankbar über die Initiative. „Manchmal fehlt uns eine Rückmeldung aus der Bevölkerung“, sagte er und begrüßte den Antrag der Bürger. Großseelheim und die umliegenden Orte seien stark nach Marburg orientiert. Darüber hinaus zähle Großseelheim zu den attraktivsten Ortsteilen der Ohmstadt, da sich dort Kindergarten, Grundschule und Lebensmittelgeschäft befinden. Eine bessere Verkehrsverbindung würde zweifelsohne eine Verbesserung der Lebensqualität bedeuten.

Heinz-Konrad Debus, Geschäftsführer des RNV, nahm die Anregung mit großem Interesse entgegen. Gleichzeitig bremste er aber auch die Euphorie: „Ob alle Wünsche realisierbar sind, hängt immer damit zusammen, ob sie auch bezahlbar sind“, sagte er. Eine Verbindung nach Mitternacht hält der Geschäftsführer für ausgeschlossen. „Die Grenze des AST liegt bei 24 Uhr“, erklärte er.

Eine Verbesserung verspricht Debus aber mit der Fahrplanänderung im Dezember: „Wir wollen versuchen eine neue Abendverbindung zu etablieren“. Im Klartext: Wer gegen 23.30 Uhr mit dem Zug am Kirchhainer Bahnhof ankommt, kann mit dem Anrufsammeltaxi in seinen Heimatort gelangen. „Die anderen Dinge werden wir sukzessiv weiterentwickeln“, sagte Debus.

von Tobias Hirsch

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