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Ostkreis Mit Gottes Segen in die neue Saison
Landkreis Ostkreis Mit Gottes Segen in die neue Saison
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18:49 03.05.2017
Pfarrer Diethelm Vogel segnete nach dem Gottesdienst die Motorräder. Quelle: Karin Waldhüter
Stadtallendorf

Motorradfahren hat schon immer mit viel Gefühl, Leidenschaft, Freiheit und dem hautnahen Erleben der Natur zu tun. Das erklärt vielleicht auch die ganz besondere Stimmung, die alljährlich den Motorradgottesdienst beseelt. Miteinander freuten sich die Motorradfreunde über das gemeinsame Hobby, dankten Gott für die Freiheit, die es vermittelt und nahmen Gottes Segen mit auf die Straße.

Beim Anblick der schönen Bikes, die dicht an dicht auf den Kirchhof standen und dabei die Sonne auch noch vom Himmel lachte, wird wohl manchem Motorradliebhaber das Herz aufgegangen sein. Einen Anteil an der besonderen Atmosphäre hatten die erfrischenden Musikbeiträge der 13-köpfigen Gruppe „GosPop - Gospel Pop and more“ aus Rabenau. Mit ihren Frontsängern Christa Schnecker und Sascha Klein, den Chormitgliedern und der Band animierten sie das Publikum schnell zum Mitklatschen und Mitsingen. Die Gruppe, die auf ihre ­Gage verzichtete, begleitet seit sieben Jahren den ökumenischen Motorradgottesdienst.

Biker wissen, dass sie nicht unverwundbar sind

Zum 20. Mal hatten die Motorradfreunde Marburger Land am Samstag zu dem Motorradgottesdienst eingeladen. „In Hessen gibt es keinen ökumenischen Motorradgottesdienst der so alt ist, darauf sind wir besonders stolz“, betont Pressewart Günter Köller im Gespräch mit dieser Zeitung. „Als Motorradfahrer erfahren wir Gottes Schöpfung näher, man riecht mehr als Autofahrer, fühlt die Nässe und die Hitze, erlebt die Natur mit allen Sinnen und kann so nicht näher an der Schöpfung Gottes sein“, so Köller. Was aber nicht bedeute, dass sich die Biker mit dem Segen einen Freibrief holten, um dann den Asphalt brennen zu lassen. „Wie wissen, dass wir verwundbar sind und möchten uns das verinnerlichen“, betonte Köller.

Den Gottesdienst zelebrierten Pfarrerin Svenja Neumann und ihr katholischer Amtsbruder Diethelm Vogel gemeinsam. „Von Jahr zu Jahr sind es mehr Fahrer geworden, ich freue mich, dass die Kirche so voll ist“, erklärte Pfarrer Vogel. Der Pfarrer, selbst leidenschaftlicher Biker, segnete zum Abschluss Helme, Biker, Motorräder und Pilgermuscheln mit Weihwasser. In Kürze werden die gesegneten Pilgermuscheln sieben Mitglieder auf dem 8300 Kilometer langen Jakobsweg begleiten.

Svenja Neumann spürte in ihrer Predigt unter den Oberbegriffen Reise, Freiheit, Verwundbarkeit und Partnerschaft im Verkehr der Faszination des Motorradfahrens nach. Die Freiheit sei nicht alles, sondern zur Freiheit gehörte auch Verantwortung und dass man an diejenigen denke, die auch unterwegs seien, so Pfarrerin Neumann. Die Biker gedachten den verletzten und verstorbenen Verkehrsteilnehmern, baten um Kraft für deren Angehörige und um Schutz für eine glückliche, schöne Motorradsaison. „Wie klein haben wir angefangen und welch große Zahl sind wir heute“, erklärte Vereinspräsident Jürgen Wasserberg am Ende des Gottesdienstes.

Nach der Segnung der Motorräder durch Pfarrer Vogel machte sich lautstark der Motorradkorso, begleitet von der Zweiradstaffel des Polizeipräsidiums Mittelhessen, auf den 30 Kilometer langen Weg durch den Ostkreis.

von Karin Waldhüter

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