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Ostkreis Mit Böllern ins Jubiläumsjahr
Landkreis Ostkreis Mit Böllern ins Jubiläumsjahr
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06:15 31.05.2012
Wie ein Lindwurm zog der lange Zug der Grenzgänger über die Felder. Am Pausenplatz (linkes Bild) erholten sich 400 Wanderer.
Hatzbach

Vor fünf Jahren hätten die ersten Überlegungen zu den Feiern begonnen, so Hatzbachs Ortsvorsteher Frank Drescher. „Ich freu mich, dass es heute endlich losgeht.“ Ähnlich schienen alle Hatzbacher zu denken, die fast ausnahmslos für den Grenzgang die neu entworfene Hatzbach-Fahne gehisst hatten.

Auf 400 Grenzgänger schwoll der Zug der Grenzgänger am Ende an, der pünktlich um 10 Uhr unter den Klängen des Posaunenchors am Bürgerhaus startete. Angeführt von den Hatzjägern setzte sich der Zug in Richtung Norden zur Grenze in Bewegung. Beim Verlassen des Ortes wurden die Grenzgänger mit lauten Böllerschüssen der Stadtallendorfer Schützen begrüßt.

Mehr als 400 Besucher kamen zum Hatzbacher Grenzgang und eröffneten damit feierlich das Jubiläumsjahr. Die Gemeinde wird in diesem Jahr stolze 750 Jahre alt. Fotos: Kai Erdel

Kurz vor dem Erreichen des Waldes und somit der Grenze, erwartet die Grenzgänger eine Delegation aus Speckswinkel. „Wir sind keine Grenzverletzer“, sagte Speckswinkels Ortsvorsteher Karl Stehl, der zu Recht darauf hinwies, dass Hatzbach und Speckswinkel keine gemeinsame Grenze besitzen.

An der Grenze zu Erksdorf warteten nicht nur zahlreiche Hatzbacher, welche auf von Schleppern gezogenen Planwagen dem Grenzgang folgten, sondern auch Erksdorfs Ortsvorsteher Helmut Schütz. Er wurde sogleich von den Hatzjägern ergriffen und „gehuppcht“, also mit den Worten „der Stein, die Grenze, in Ewigkeit“ dreimal auf den Grenzstein gesetzt. So sollte es allen Ortsvorstehern der Nachbarorte im Laufe des Tages ergehen.

In Richtung Emsdorf führte der weitere Weg öfter neben der Grenze her. Die Mitglieder des Arbeitskreises „Grenzgang“ unter ihrem Sprecher Horst Erdel hatten den Grenzverlauf in diesem Bereich mit Fähnchen sichtbar gemacht. Am Beginn der Grenze zu Emsdorf erwartete der Emsdorfer Ortsvorsteher Winfried Kläs mit einigen Getreuen die Grenzgänger. Im Anschluss erklärte Erdel den Grenzgängern bei einer weiteren Erfrischungspause, dass der Grenzverlauf zu Emsdorf in der Vergangenheit nicht immer unumstritten war. Zudem erläuterte Erdel den Verlauf des Gefechts bei Emsdorf, welches 1760 an gleicher Stelle stattfand. Die Stadtallendorfer Schützen mit ihren Böllern und Mitglieder der Kirchhainer Bürgergarde untermalten den Vortrag mit Böllern, Kanonen und Musketen.

Nächster Treffpunkt war der Beginn der Grenze zu Wolferode. Die Wolferöder waren mit 80 Einwohnern zum Pausenplatz am Ufer der Hatzbach gekommen. Dort gab es kühle Getränke und Erbsensuppe. Der Posaunenchor und der eigens für die 750-Jahr-Feier gegründete Projektchor unterhielten die frisch gestärkten Grenzgänger. Während der größte Teil der Grenzgänger sich ab hier auf den direkten Weg nach Hatzbach machte, blieb ein kleinerer Teil auf der Grenze und machte sich noch einmal in Richtung Norden auf den Weg. Unter ihnen der ehemalige Hatzbacher Peter Schunk.

„Ich bin an Stellen gewesen, an denen ich noch nie gewesen bin, oder an denen ich die letzten dreißig Jahre nicht war.“ Die Grenzgänger, welche Hatzbachs komplette Grenze abgelaufen hatten, wurden für ihre Leistung bei ihrer Ankunft am Bürgerhaus mit lautem Applaus empfangen. Dort gab es ein gigantisches Kuchenbüffet für alle.

Von Kai Erdel