Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Mit 2,3 Promille die Kurve verfehlt

Aus dem Gericht Mit 2,3 Promille die Kurve verfehlt

Das war ein Volltreffer: Am 3. April 2016 rauschte ein Mann aus dem Ostkreis um 5.25 Uhr am Steuer seines Mercedes an der Einmündung der Kreisstraße 14 in die B454 in einen Verkaufsstand rein.

Voriger Artikel
Anders Arendt will nun doch nicht
Nächster Artikel
Neues Konzept, neues Leben

Kirchhain. Der aus Richtung Kirchhain kommende Autofahrer hatte die scharfe Rechtskurve am Ende der Kreisstraße nicht mehr bekommen und war geradeaus weitergefahren. Den Grund für den Aussetzer ermittelte später die Polizei. Der Mann war mit einem Wert von 2,3 Promille volltrunken unterwegs. Sein Beifahrer zog sich bei dem Unfall leichte Verletzungen zu.

Der zuvor unbescholtene Kfz-Mechaniker war auf dem Wege des Strafbefehlverfahrens wegen einer fahrlässigen Trunkenheitsfahrt in Tateinheit mit einer fahrlässigen Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 55 Tagessätzen à 50 Euro und zu einer Führerscheinsperre verurteilt worden. Gegen diesen Strafbefehl hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt, sodass es zu einer Hauptverhandlung vor dem Kirchhainer Amtsgericht kam.

Rechtsanwalt Winand Koch begrenzte den Einspruch aus den Rechtsfolgenausspruch, wie die Juristen das Strafmaß nennen. Sowohl die Geldstrafe, als auch die Dauer der Führerscheinsperre erschienen dem Verteidiger als zu hoch. Koch verwies auf das Nettoeinkommen seines Mandanten in Höhe von 1400 Euro.

Es geht nur um die Strafbemessung

Damit musste das Gericht nicht mehr in die Beweisaufnahme eintreten. Der von Amtsanwältin Julia Schmid vorgetragene Anklagesatz behielt Bestand. „Das Geschehen steht fest. Wir reden nur über die Strafzumessung. Dabei scheint die Tagessatzhöhe mit 50 Euro zu hoch angesetzt zu sein, sagte Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug in seiner Eigenschaft als Strafrichter. Auch die im Strafbefehl festgeschriebene Dauer der Sperrfrist könne etwas zu lang geraten sein, gab der Richter eine gewisse Richtung vor.

„Mein Mandant sieht sein Fehlverhalten ein. Und er muss dafür richtig bezahlen“, erklärte der Verteidiger. Täglich müsse sein Mandant 14 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz gefahren und von diesem wieder abgeholt werden.

Hinzu komme, dass er weder nach Inspektionen noch nach Reparaturen die von ihm hergerichteten Autos Probefahren könne. Das sei eine erhebliche Beeinträchtigung in den täglichen Arbeitsabläufen.

Außerdem lobte er das Nachtat-Verhalten des Unfallfahrers. Dieser arbeite seit dem Sommer intensiv an seinem Alkoholproblem, lasse sich regelmäßig auf Alkohol hin untersuchen, betonte der Strafverteidiger.

Richter hält sich an Strafmaß der Staatsanwaltschaft

In ihrem Antrag blieb Julia Schmid bei den 55 Tagessätzen, passte deren Höhe aber mit Rücksicht auf das tatsächliche Einkommen des Angeklagten auf 40 Euro an. „Mit zwölf Monaten Führerscheinentzug sind Sie gut aufgehoben“, sagte die Amtsanwältin an die Adresse des Angeklagten und verwies darauf, dass es sich wegen der Verletzung des Beifahrers nicht um eine folgenlose Trunkenheitsfahrt handele. Deshalb beantragte sie eine weitere Sperrfrist von vier Monaten. Winand Koch warb für eine milde Bestrafung seines Mandanten.

Diesen verurteilte Edgar Krug wegen einer fahrlässigen Trunkenheitsfahrt in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung. Dabei setzte der Richter beim Strafmaß den Antrag der Staatsanwaltschaft um. Dieser bewege sich am unteren Rahmen der Sanktionen. Für den Angeklagte spreche sein unbescholtenes Vorleben, gegen ihn die beiden tateinheitlich begangenen Delikte und der hohe Promillewert, sagte Edgar Krug, der die fällige MPU als eigentliche Hürde für die Wiedererlangung des Führerscheins sah. „Ohne die kommen Sie nicht weiter“, erklärte er. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr