Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Mit 2,29 Promille in die Leitplanke

Aus dem Gericht Mit 2,29 Promille in die Leitplanke

Am 22. Mai hätte es auf der Bundesstraße 62 bei Kirchhain eine Katastrophe geben können. Das ergab die Beweisaufnahme eines Prozesses vor dem Amtsgericht Kirchhain.

Voriger Artikel
Kirchhainer Stadtbücherei bleibt auch künftig erhalten
Nächster Artikel
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Ein Lkw-Fahrer passiert die Bundesstraße 62 bei Kirchhain. Hier rauschte ein alkoholisierter Brummi-Fahrer am 22. Mai mit seinem 40-Tonner in die Leitplanke. Foto: Tobias Hirsch

Kirchhain. Die Aussage eines geständigen Fernfahrers aus Rheinland-Pfalz, der sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, vorsätzlicher Trunkenheitsfahrt und unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu verantworten hatte, ergaben folgendes Bild:

Der Mann war am frühen Morgen schon so betrunken, dass er das Navigationsgerät seines Sattelzugs nicht mehr unfallfrei bedienen konnte. Die Folge: Er landete auf seinem Weg von der Eifel Richtung Berlin weitab der normalen Route auf der Bundesstraße 62 bei Kirchhain. Um 8.09 Uhr war er in der Nähe der Ausfahrt Kirchhain-West nicht mehr in der Lage, sein schweres Gespann auf der Straße zu halten. Er schrammte mit dem 40-Tonner auf etlichen Metern an der Leitplanke entlang, wobei sein Lastzug erheblich beschädigt wurde. Trotzdem setzte der verheiratete Vater von zwei Kindern die Fahrt fort - aus Angst vor dem Verlust seines Führerscheins und seines erst zwei Monate zuvor angetretenen Arbeitsplatzes. Besorgte Verkehrsteilnehmer informierten telefonisch die Polizei, die den Fahrer wenig später stoppte.

Die Blutentnahme ergab zur Tatzeit einen Mindestwert von 2,29 und einen Höchstwert von 2,69 Promille. Außerdem stellte der Gutachter einen unsicheren Gang, eine verwaschene Sprache und ein deutlich herabgesetztes Erinnerungsvermögen fest. Noch am gleichen Tag verlor der Fernfahrer seinen Job. Heute lebt er von Übergangsgeld.

Der Angeklagte bekannte sich gegenüber Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug zu seiner Alkoholsucht. Den enormen Alkoholpegel habe er sich in den frühen Morgenstunden während der Fahrpausen angetrunken. Grund seien die Sorgen um seinen lebensgefährlich erkrankten Vater gewesen. Der 40-Jährige berichtete dem Gericht von seinen Bemühungen, seine Sucht zu überwinden: Zwei klinische Entgiftungen und eine ambulante Therapie lägen hinter ihm, seit dem 18. September absolviere er eine stationäre Therapie.

Das Problem: Der Angeklagte brachte ein dickes Vorstrafen-Paket mit nach Kirchhain. Zwischen 1998 und 2008 wurde der Mann siebenmal verurteilt - darunter viermal einschlägig wegen Trunkenheitsfahrt. Zuletzt verurteilte ihn 2008 ein Gericht wegen einer Trunkenheitsfahrt zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die es für fünf Jahre zur Bewährung aussetzte. Noch während dieser Bewährungszeit wurde der Mann am 22. Mai wieder einschlägig auffällig.

Für Oberamtsanwalt Reinhard Hormel kam für den Bewährungsversager deshalb nur eine Freiheitsstrafe in Betracht. Eine Geldstrafe wäre Strafvereitelung im Amt. Hormel sprach von dem großen Gefahrenpotenzial, dass von dem Angeklagten für die Allgemeinheit ausgegangen sei. Dieser habe über Stunden einen 40-Tonner mit einem Promillewert bewegt, mit dem andere Menschen nicht mehr stehen könnten. Er beantragte deshalb eine zwölfmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung sowie eine zweijährige Führerschein-Sperre. Der Pflichtverteidiger des Angeklagten beantragte eine Freiheitsstrafe zur Bewährung für seinen Mandanten und verwies auf dessen Bemühungen zur Suchtüberwindung.

Amtsgerichtdirektor Edgar Krug verurteilte den Mann wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, vorsätzlicher Trunkenheitsfahrt und unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwölf Monaten, die er auf fünf Jahre zur Bewährung aussetzte. Er begründete diese letzte Bewährungschance mit der Bereitschaft zur stationären Therapie, den in der Vergangenheit bestandenen Bewährungszeiten und mit der großen Strafandrohung für den Angeklagten. Falle dieser noch einmal einschlägig auf, verschwinde er für mindestens zwei Jahre im Strafvollzug. Wenn dies ihn nicht von weiteren Taten abschrecke, sei ihm nicht mehr zu helfen, erklärte der Vorsitzende Richter.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr