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„Mister A 49“ fährt späte Ernte ein

Karl Friedrich Friauf „Mister A 49“ fährt späte Ernte ein

Karl Friedrich Friauf hat sein 60. Lebensjahr vollendet. Ein bedeutsames Arbeitsleben biegt auf die Zielgerade ein.

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60 Jahre alt, aber die Akte in den Händen verrät es: Karl Friedrich Friauf ist auch in seinem Strandkorb noch ein gutes Stück vom Vorruhestand entfernt.

Quelle: Matthias Mayer

Mengsberg. Die Abendsonne lugt eben noch am Horizont hervor und taucht den Balkon von Karl Friedrich Friaufs Haus in ein atemberaubendes Licht. „In Südfrankreich zahlen die Touristen für so einen Sonnenuntergang Geld. In Mengsberg gibt‘s den gratis“, stellt der Jubilar fest. Mengsberg, das ist seine Mitte. Er lebt in seinem Elternhaus, dem man weder von außen noch von innen sein Alter ansieht. Total modernisiert, im Keller arbeitet ein Brennwert-Kessel und auf dem Dach fangen eine Photovolatik- und eine Solarthermie-Anlage die Sonnenenergie ein. Ganz so, wie ein Besucher dies vom Zuhause eines Diplom-Ingenieurs erwartet.

Karriere begann als Laufbursche beim TSV

„Mengsberg ist ein tolles Dorf. Der Ort lebt und hat an vielen Ecken viele richtig gute Leute“, sagt er nicht ohne Stolz. Und dass dem heute so ist, hat das frisch gekürte Landessieger-Dorf im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auch dem Engagement von Karl Friedrich Friauf zu verdanken. Der startete seine Karriere für das Gemeinwesen im zarten Alter von acht Jahren als Laufbursche für den 1. Vorsitzenden des TSV Mengsberg - seinen Nachbarn. Dass er diesem viele Jahre später mal im Amt folgen würde, war damals noch nicht abzusehen. In vielfältigen Funktionen diente er dem TSV als Spieler, Trainer, Jugendleiter und im Vorstand ebenso, wie dem gewesenen Fußballkreis Ziegenhain. Bis in die jüngere Vergangenheit hinein waren es die Söhne Eric und Sven der Eheleute Friauf, die in unzähligen Spielen mit vielen Toren für Mengsberg des Ruhm des TSV mehrten.

„Wir haben eine einzigartig schöne Sportanlage und spielen mit unserem 900-Einwohner-Dorf seit 30 Jahren höherklassig Fußball“, stellt Karl Friedrich Friauf zufrieden fest. Zufrieden auch deshalb, weil das ohne großes Geld, dafür mit den Ideen und dem Engagement vieler Helfer gelang. Und genau das setzte und setzt der von den Ideen Willy Brandts geleitete Sozialdemokrat auch gemeinsam mit seinen Vereinsfreunden vom Heimat- und Verschönerungsverein um. Die Trinkwasser sparende Reaktivierung der alten Mengsberger Wasserversorgung zur Bewässerung des großen Sportzentrums stehen hier ebenso auf der Erfolgsliste, wie die bereits vollzogene oder bevorstehende Schließung von Lücken im Radwegenetz rund um Mengsberg.

Als Straßenplaner Verantwortung übernommen

Richtig bedeutsam für die Region ist der Ehrenämtler durch seinen Beruf als Straßenplaner bei HessenMobil, das den meisten Bürgern besser bekannt ist als Amt für Straßen und Verkehrswesen Marburg (ASV).

Viele große Straßenbau-Vorhaben haben von Karl Friedrich Friauf geleiteten Projektgruppen zum Baurecht geführt. Einige wurden von der Branche sogar als Leuchttürme gefeiert, aber herausragend ist die langjährige Planungsarbeit seines Teams an der Autobahn 49. Es ist kaum zu glauben, aber schon um 1925 herum wurde an der Autobahn Kassel-Marburg-Gießen geplant. Karl Fredrich Friauf sollte die Straße über sein ganzes Berufsleben hinweg begleiten. Als der gelernte Straßenbau-Techniker, der nach der Bundeswehr-Zeit noch ein Ingenieursstudium draufsattelte, 1977 beim ASV Kassel anfing, bekam er es gleich mit der A 49 zu tun. Er arbeitete für den Planfeststellungsbeschluss (Baugenehmigung) der inzwischen längst verworfenen Ohmtal-Trasse mit.

Die Straße ist bekanntlich heute - 35 Jahre später - noch längst nicht fertig. In der Rückschau beschleicht den Straßenplaner Demut und Dankbarkeit gegenüber dem eigenem Berufsleben. „Wenn man Pech hat, plant man in meinem Beruf ein Leben lang und hat keinen Ertrag“, sagt er mit Blick auf die unglaublichen langen Zeiträume zwischen Projektierung und Verwirklichung großer Straßenbauvorhaben.

A 40 ist die Krönung

Den „Ertrag“ hat die Friauf-Mannschaft zuletzt reichlich eingefahren. Die B 252, die er schon nach seinem Wechsel zum ASV Marburg 1980 mit „modernen Mitteln zum Ziel“ bringen sollte, ist nach 32 Jahren planfestgestellt. Die B 253 über die Sackpfeife nach Allendorf/Eder brachte das Friauf-Team im extrem aufwändigen Konsensverfahren zum Baurecht - alle Beteiligten mussten zustimmen. Aber die Krönung ist zweifellos die Schaffung des (noch beklagbaren) Baurechts für die VKE 40 der Autobahn 49, des längsten und planerisch anspruchsvollsten Teilstücks der Autobahn 49 in diesem Jahr.

„Es ist ein wunderbares Gefühl, so ein Großprojekt zur Planfeststellung geführt zu haben“, gewährt Friauf einen Einblick in die Gefühlswelt der fünfköpfigen A 49-Mannschaft, als die vielen Aktenordner mit den Planungsunterlagen nach Wiesbaden geschickt wurden.

Der „Mister A 49“ macht keinen Hehl daraus, dass neben der Planungslust auch manchmal der Planungsfrust mit am Zeichenbrett stand. Es sei für Straßenplaner normal, ständig neue Urteile oder neue Richtlinien in in Projekte einzuarbeiten. Als die neue FFH-Richtlinie die mühsamst erarbeitete A-49-Trasse Herrrenwald West gekippt habe, sei das ein Tiefpunkt gewesen. „Wir haben in Rekordzeit unter Druck und öffentlicher Beobachtung eine komplizierte Linie neu planen müssen - zusammen mit den besten Umweltbüros, Raumplanern und Juristen. Planungstechnisch haben wir uns da in der Champions League bewegt“, sagt Friauf, der dieses Niveau auch den A 49-Gegner bescheinigt: Reinhard Forst ist ein integerer und sehr fachkundiger Mann. Das gilt auch für Thomas Nogall vom BUND. Das sind für mich keine Gegener, sondern Sachverständige, mit denen zu diskutieren es eine Freude ist.“

von Matthias Mayer

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