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Ostkreis Millionen für die Bundeswehr in Stadtallendorf
Landkreis Ostkreis Millionen für die Bundeswehr in Stadtallendorf
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00:17 16.07.2018
Seit Jahren gibt es Sanierungsarbeiten in der Herrenwaldkaserne. Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Der Bundeswehr-Standort Stadtallendorf mit der Herrenwaldkaserne im Zentrum bleibt ein mächtiger Wirtschaftsfaktor für die Region, allein schon was die Investitionen angeht. In den vergangenen drei Jahren steckte der Bund rund 15 Millionen in den Standort. In dieser Zahl sind allerdings auch Ausgaben für die Altlastensanierungen im ­Wasag-Gebiet enthalten.

Es wird aber keinesfalls bei diesen Summen bleiben. Zurzeit setzt der Bund die Sanierung der Kanalisation in der Kaserne fort, außerdem muss in das Wassernetz und die Löschwasserversorgung investiert werden. All das seien zunächst Ausgaben, von denen die Soldaten nicht viel sähen, sagt Oberstleutnant Marc Bögehold vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen in Wiesbaden. Parallel gibt die Bundeswehr weiter Geld für Fassaden- und Dachsanierungen aus. Im Jahr 2010 hatte der Bund die Unterkunftssanierungen ansonsten erst einmal beendet. In den nächsten Jahren fließen im Durchschnitt zunächst weitere fünf bis sechs Millionen Euro in den Standort – einschließlich der Altlastensanierung. Dort steht der Baubeginn bei der früheren Füllstelle II des ehemaligen Wasag-Werkes an.

Jetzt soll es schnell WLAN geben

 Unabhängig davon verfolgt der Bund mehrere Großprojekte in der Herrenwaldkaserne. Ein kurzer Überblick: 

  • Es steht der Bau eines neuen Sanitätsversorgungszentrums an, Kosten und Baubeginn sind aber noch offen.
  • Zu Zeiten des damaligen ­Divisionskommandeurs Eberhard Zorn fiel die Vorentscheidung für ein neues Betreuungszentrum. Die damalige Vision: Das Gebäude soll auch wie die Funktion einer Begegnungsstätte von Soldaten und Zivilbevölkerung bekommen. Als Standort war der Parkplatz vor der Kaserne in der Diskussion. Inzwischen werden mehrere Standorte in und außerhalb der Herrenwaldkaserne diskutiert. Erste Kostenschätzungen gehen von einem 10-Millionen-Euro-Projekt aus.
  • Noch offen ist der Bau eines neuen Gebäudes für eine Leitstelle des bundeswehreigenen Rettungsflugdienstes SAR. Es gibt mehrere Überlegungen, die aber von einer Entscheidung im Verteidigungsministerium über die Verlegung der Leitstelle nach Stadtallendorf abhängen.
  • Eines werden die am Standort eingesetzten und zum Teil in der Kaserne lebenden Soldaten allerdings im nächsten Jahr Zug um Zug merken. In den Unterkünften soll es – wie von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlangt – freies WLAN geben.

Im Einsatz ist das für Soldaten inzwischen eine Selbstverständlichkeit, in der Heimatkaserne die Ausnahme. Bisher existiert dieses Angebot so nur in fünf Modellkasernen bundesweit. Ein Dienstleister übernimmt die Aufrüstung. Bis 2020 sollen nun alle Soldaten, die in der Kaserne „unterkunftspflichtig“ sind, den Datenaustausch per Funk nutzen können. Unterkunftspflichtig sind Soldaten bis zum 25. Lebensjahr. Für sie muss die Bundeswehr Platz in ihrer Kaserne haben. Hinzu kommen freiwillig längerdienende Soldaten, die sich von der Unterbringungspflicht aber befreien lassen können.

Einzelstuben werden Mindeststandard

Derzeit sind die Mannschaftsunterkünfte in der Herrenwaldkaserne gut belegt. Der Platz ist allerdings auch weitgehend ausgeschöpft. Bis die in Stadtallendorf stationierten und in der Kaserne untergebrachten Soldaten allerdings in den Genuss des neuen, von der Verteidigungsministerin gesetzten Standards kommen, vergehen noch Jahre. Ab 2025, so die bisherigen­ Planungen, läuft das große ­Modernisierungsprogramm für die Herrenwaldkaserne an.

Der vom Ministerium definierte Mindeststandard sieht dann Einzelstuben vor, wie Bögehold erläutert. Aktuell seien die ­Stuben mit zwei Soldaten, mitunter auch mehr belegt, heißt es vom Kasernenkommandanten Oberstleutnant Friedrich Luchtenberg. „Das wird ein Projekt in zweistelliger Millionenhöhe“, so Jörg Töpper, Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums in Homberg (Efze). Offen sei noch, ob es reichen wird, die Unterkünfte zu entkernen oder ob sie Zug um Zug neugebaut werden müssten. Die Erfahrung lehre, dass Neubauten in diesen Fällen wirtschaftlicher seien, so Marc Bögehold vom Bundesamt für Infrastruktur.

„Haus Hohenwald“ verschwindet bald

Unabhängig davon bekommen die Unterkünfte Fernseher und Kühlschränke. Vier Zimmer im Feldwebel-Wohnheim sind schon auf diesem neuen Standard bei der Bundeswehr. Dort wurden auch die Duschen und WCs auf modernen Standard gebracht. Für die Hessen-Kaserne existiert derzeit keinerlei Bauprogramm. Deren Zukunft ist derzeit allerdings wieder komplett offen (die OP berichtete ausführlich). Bis Ende 2019 will der Bund über ihre weitere Nutzung entscheiden.

Es gibt allerdings Liegenschaften am Bundeswehrstandort Stadtallendorf, deren Tage wohl endgültig gezählt sind. Dazu zählt das „Haus Hohenwald“, das ehemalige Soldatenfreizeitheim. Es kam zuletzt im Jahr 2015 zu Ehren, als es als Verwaltungsgebäude für das Flüchtlingscamp neben dem Bundeswehr-Hallenbad genutzt wurde. Seitdem steht es wieder leer. „Wir planen den Abriss im Jahr 2020“, erläutert Bögehold im Gespräch mit dieser Zeitung.

Vor einer zumindest ungewissen Zukunft steht das Heizwerk der Hessen-Kaserne, ebenfalls in der Artilleriestraße. Es ist inzwischen wieder außer Betrieb. „Ein Weiterbetrieb wäre nur mit umfangreichen und teuren TÜV-Prüfungen überhaupt möglich“, sagt Töpper. Die drei derzeit noch als Unterkünfte genutzten Gebäude in der Hessen-Kaserne werden mit Heizcontainern versorgt.

Eine insgesamt herausragende Investition in den Standort Stadtallendorf ist der Komplex Altlastensanierung. Insgesamt sind 38 Millionen Euro im Gesamtkonzept, das auch den Standortübungsplatz („Kirtorfer Acker) enthält, vorgesehen. Dieses Geld fließt Zug um Zug, je nach Fortschritt bei den Sanierungen und Erkundungen über die nächsten Jahre hinweg verteilt. Priorität genießt aktuell die Füllstelle II, die auch von der Trasse der Autobahn 49 angeschnitten wird.

von Michael Rinde