Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Rauschenberger macht gruseligen Fund im Schlafzimmer

Spinnenläufer Rauschenberger macht gruseligen Fund im Schlafzimmer

Halb Spinne, halb Tausendfüßer und ein bisschen Skorpion. Mit dieser gruseligen Entdeckung ist in Hessen normalerweise nicht zu rechnen. 

Voriger Artikel
Experte schwärmt vom „Butterweg“
Nächster Artikel
Büro plant Neubau des Hauses der Begegnung Neustadt

Der Spinnenläufer, der Anfang dieser Woche in einem Rauschenberger Haus entdeckt wurde, wurde anschließend von Michael Blauschies fotografiert.

Quelle: Michael Blauschies

Rauschenberg. Als Michael Blauschies am Dienstagabend das Licht in seinem Schlafzimmer anknipst, traut er seinen Augen nicht. An der Wand über dem Ehebett entdeckt er ein „buschiges Etwas“, wie er sagt. Ein Tier – halb Spinne, halb Tausendfüßer, ein bisschen Skorpion. Ein Tier, das er noch nie gesehen hat und ganz sicher auch nichts in seinem Schlafzimmer verloren hat.

Dabei kennt sich Michael Blauschies mit Ungeziefer aus. Er ist seit mehr als 30 Jahren Gas- und Wasserinstallateur in Marburg, hat Tausende Badezimmer und Kellerräume einschließlich ihrer tierischen Bewohner gesehen. Den bislang skurrilsten Fund seines Arbeitslebens machte er in einem Heizungsraum, in dem er einen toten Hasen entdeckte. In seinem Schlafzimmer hatte er bislang lediglich Besuch von Mücken und einem Weberknecht.

Das Wesen, das ihm und seiner Frau einen gehörigen Schrecken eingejagt hat und nun noch immer oberhalb der Kissen thront, ist rund sieben Zentimeter lang. Was beim ersten Eindruck „buschig“ wirkt, entpuppt sich beim Näherkommen als Beinreihe. Blauschies hat keine Ahnung, was da vor ihm an der Wand hängt – und wird trotzdem aktiv.

Biss für Menschen schmerzhaft, für Beute tödlich

Nur nicht entwischen lassen, ist der erste Gedanke. Blauschies nimmt Glas und ein Blatt Papier zur Hand, stülpt das Glas über das Tier und schiebt das Papier unter. Das Tier sitzt in der Falle. Er macht ein Handyfoto. Erst dann schaut er sich das Tier genauer an. Ein Wesen von länglicher Gestalt, ein Gesicht wie eine Wespe mit kräftigen Giftzangen und mehrere lange Beinpaare.

Seine Recherche ergibt: Es kann sich nur um einen Spinnenläufer (Scutigera coleoptrata) handeln. Eine Art aus der Gruppe der Tausendfüßer, deren Biss für den Menschen sehr schmerzhaft und für ihre Beute – Fliegen, Spinnen, Asseln – tödlich ist. Blauschies ist froh, dass er das Exemplar nicht angefasst hat, und weil es der schnellste Tausendfüßer der Welt ist, vor allem, dass es jetzt in seinem Glas sitzt.

Was er herausfindet, wirft neue Fragen auf. Der Spinnenläufer ist vor allem im Mittelmeerraum verbreitet, lebt dort häufig in Kellern. Seit einigen Jahren sind die Tiere aber auch in Südwestdeutschland (vor allem in sonnigen Weinanbaugebieten) nachgewiesen worden.

Klimawandel könnte Ausbreitung der Art begünstigen

Wie kommt das Tier also ins hessische Rauschenberg, das keinesfalls für seinen Weinanbau berühmt ist? „Wir haben keine Erklärung. Vielleicht haben wir es im vergangenen Sommer aus einem Hotel in Bayern mitgebracht“, vermutet Blauschies, dem bei dieser Vorstellung nicht ganz wohl ist. Vielleicht hat sich die Art aber auch mittlerweile ausgebreitet. Forscher haben zuletzt eine Nordwanderung der Art festgestellt, die sie mit dem Klimawandel in Verbindung bringen.

Die „Begegnung der dritten Art“ im Schlafzimmer bedeutet für seine Frau eine schlaflose Nacht, für den Hobbyfotografen ist der Fang dagegen ein Glücksfall. Immer wieder geht der Rauschenberger zum Ausgleich zu seiner Arbeit auf Fotosafari – in den Wäldern und Feldern im Landkreis, aber auch schon im Urlaub, wie zuletzt in Namibia. Dass er die spektakulärste Entdeckung in seinem Schlafzimmer machen würde, hätte er nie gedacht.

Michael Blauschies. Privatfoto

Michael Blauschies.

Quelle: Privatfoto

Am nächsten Tag wird der Spinnenläufer so zum Fotomodell. Blauschies fotografiert das Tier von allen Seiten, dokumentiert den Schlafzimmer-Fund und schickt die Bilder an die OP. Doch als dauerhaften Gast will die Familie den Untermieter nicht bei sich aufnehmen. „Ich werde nun mal ein bisschen herumtelefonieren, wohin ich den Spinnenläufer geben kann“, hat sich Blauschies vorgenommen. 

Seine Frau und er hoffen, dass die Geschichte damit erledigt ist. Doch etwas bereitet ihm noch Sorgen. Die Weibchen legen bis zu 60 Eier.

von Jan Schmitz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr