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Mengsberg hat Zukunft - die Zweite

Nahwärme Mengsberg hat Zukunft - die Zweite

"5,8 Millionen Euro sind sehr, sehr viel Geld - aber es ist gut angelegt", freute sich Bürgermeister Thomas Groll und betonte: "Sie nehmen die Zukunft in die Hand und finanzieren sie."

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Die Stimmung bei Genossen, Geldgeber, Generalunternehmer, städtischen Vertretern und Bauarbeitern ist zu Beginn des Projektes ausgezeichnet.

Quelle: Florian Lerchbacher

Mengsberg. Zwar soll erst im August der Bau der Heizzentrale „Am Berg“ beginnen und erst im kommenden Jahr das Solarthermiefeld folgen, doch seit Freitagmorgen sind die Arbeiten am Bioenergiedorf Mengsberg bereits in vollem Gange. Los geht es mit dem Nahwärmenetz, das letztendlich 9,2 Kilometer lang wird und etwas über 140 Genossen die Wärme ins Haus bringen soll. Für den Auftakt des historischen Projektes hatte sich Karlheinz Kurz, Vorstandsmitglied der Genossenschaft und Ortsvorsteher in Personalunion, etwas Besonderes einfallen lassen: Er verzichtete auf einen symbolischen ersten Spatenstich und ließ stattdessen einen Baggerfahrer, der mit seinem Arbeitsgerät in den kommenden Wochen und Monaten im Dorf aktiv sein wird, quasi den Startschuss geben: Er bat den Mann, mit der Baggerschaufel eine Sektflasche zu zertrümmern - denn Scherben sollen ja schließlich Glück bringen, noch dazu erinnerte die Handlung an eine Schiffstaufe.

Er wünsche sich einen unfallfreien Verlauf der Arbeiten, sagte Kurz und betonte: „Bei Baustellen kommt es immer zu Behinderungen. Ich hoffe, dass die Arbeiter möglichst gut mit den Bürgern über die Runden kommen. Ein erstes Feedback nach Beginn der Fräsarbeiten fiel jedenfalls gut aus.“ Aufsichtsratsvorsitzender Harald Trümner ergänzte, dass es bei Bauarbeiten meistens Widrigkeiten gebe: „Aber wir sind dafür da, um diese auszuräumen.“ Es seien in den vergangenen zwei Jahren auch schon einige Hindernisse aufgetreten, aber diese hätten die Mengsberger auch gemeistert.

„Wenn ich einen Film drehen wollte und eine Klappe zur Verfügung hätte, würde ich sagen: Unser Dorf hat Zukunft - die Zweite“, erklärte Bürgermeister Thomas Groll. In dem Wettbewerb sei es in Sachen Bioenergie vornehmlich um Theorie gegangen: „Und jetzt fängt die Praxis an.“ Der Rathauschef ist sich sicher, dass die Zahl der Genossen noch weiter wächst: „Wenn die Menschen etwas sehen, wachsen das Interesse und die Begeisterung - und sie fangen Feuer.“ Zwei Mengsberger haben dies, wie Kurz berichtet, bereits getan: „Ein weiterer befindet sich in Lauerstellung.“

20 Prozent der Wärme kommen aus der Sonne

Groll sprach den Mengsbergern noch sein Lob für ihr Engagement aus - aber auch den Vertretern der Firma Viessmann, die als Generalunternehmer fungiert, und der VR-Bank HessenLand als Darlehensgeber. Deren Prokurist Richard Wagner sprach Mitarbeiter Klaus Pfalz ebenfalls ein Lob aus und bezeichnete ihn als „Mister Nahwärmenetz“, der diese Projekte mit Herzblut vorantreibe. Pfalz stellte heraus, dass Mengsberg sein 13. Bioenergiedorf sei - er dies aber nicht als schlechtes Ohmen betrachte.

Die Mengsberger lassen ein rund 3000 Quadratmeter großes Solarthermiefeld samt Heizzentrale mit Holzhackschnitzelanlage und einem Biogaskessel bauen. Rund 20 Prozent des Wärmebedarfs sollen über Sonnenenergie gedeckt werden, der Rest wird von der Holzhackschnitzelanlage aufgefangen (zudem gibt es für Extremsituationen noch einen Biogaskessel). Sollte das Projekt gut laufen, lasse sich das Solarthermiefeld von der Größe her auch verdoppeln und sogar verdreifachen, verkündete Kurz. 10,5 Cent soll die Kilowattstunde kosten.

Geplant ist, die Heizzentrale am Ende des ersten Bauabschnitts im November in Betrieb zu nehmen und dann rund 50 Haushalte im Dorf an ihr Nahwärmenetz angeschlossen zu haben. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 5,4 Millionen Euro - 1,9 Millionen Euro kommen aus Zuschüssen. Für 80 Prozent der Summe bürgt die Stadt, die im Fall der Fälle die Anlagen übernehmen würde. Weitere 600000 Euro wollen die Mengsberger in eine Lagerhalle für die Hackschnitzel und einen Schulungsraum an der Nahwärmezentrale investieren.

von Florian Lerchbacher

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