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Mardorfer wollen sich selbst helfen

Jugendpflege Mardorfer wollen sich selbst helfen

Mardorfs Jugendraum ist derzeit geschlossen, nachdem Jugendliche dort tranken, rauchten und randalierten. Der Ortsbeirat hofft, dass die Burschenschaft die Problematik in den Griff bekommt.

Mardorf. Professionelle Jugendarbeit oder nicht? Zur Beantwortung dieser Frage setzen die Stadtverordneten auf die Rückmeldung der Ortsbeiräte. Das Gremium in Rüdigheim ist dafür. Mit Spannung erwartet wurde die Sitzung in Mardorf, schließlich ist dort derzeit der Jugendraum geschlossen.

Entsprechend groß war das Interesse der Mardorfer. Zahlreiche Vereinsvertreter waren zu der Sitzung gekommen - für Ortsbeiratsmitglied Jochen Splettstößer nur eine logische Konsequenz, schließlich gebe es in dem Dorf eine eine sehr gute Vereinsstruktur und damit einhergehende Jugendarbeit. Der Christdemokrat warf Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg während der außerordentlichen Sitzung vor, die Vereine nicht eingebunden und völlig vergessen zu haben, dass es zahlreiche junge Erwachsene gebe, die ausgebildete Betreuer seien und die pädagogische Betreuung und Aufsicht übernehmen könnten.

Hildegard Kräling (SPD) sieht die Vereine in der Verantwortung: Sie müssten sich aktiv um die Jugendlichen bemühen und sie zur Vernunft ermahnen. Diese Ansicht konnten die meisten der anwesenden Vorstände nicht verstehen: Die Jugendlichen die Probleme machten, engagierten sich nicht in Vereinen. Sie würden ihr „eigenes Ding“ machen und sich von keinen Strukturen auffangen lassen. Sie sahen auch keine Veranlassung, den Jugendraum professionell betreuen zu lassen: Selbst wenn ein Jugendpfleger für Ordnung und Ruhe sorgte, würden sich die Jugendlichen einfach woanders treffen.

Patrick Brandwein, der erste Vorsitzende der Mardorfer Burschenschaft, sah noch ein ganz anderes Problem: „Viele der Jugendlichen kommen gar nicht aus Mardorf.“ Als er selber noch regelmäßig in den Jugendraum ging, sei das anders gewesen. Viele Jugendliche kämen „von weit her“, nur um „einen zu kippen“ und zu randalieren. Für Kathrin Schick (FWG), stellvertretende Ortsvorsteherin und Mitglied der Burschenschaft, und ihn gibt es einen anderen Lösungsweg: Die Burschenschaft könnte die Aktivitäten im Jugendraum übernehmen und klare Strukturen schaffen. Viele der ehrenamtlichen Betreuer könnten die Aufsicht übernehmen. Das Anstellen einer hauptamtlichen Kraft wäre dann nicht mehr nötig.

Diesen Vorschlag nahmen die meisten der Sitzungsteilnehmer positiv auf - auf die Details wie Schlüsseldienst oder Kassenwesen wollten sie sich aber noch nicht festlegen. Allerdings ist nach OP-Informationen gerade das Kassenwesen ein weitere heikles Thema: Getränkerechnungen von mehr als 3000 Euro sollen noch offen sein.

Geld war aber an anderer Stelle noch Thema: Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg (parteilos) will, dass der Marburger Verein bsj die Jugendarbeit übernimmt. 35000 Euro müsste die Stadt jährlich für die Halbtagsstelle berappen. Für den Kinder- und Jugendbeirat ist dies zu viel. Der Bürgermeister sieht dies anders: Die Stadt gebe jährlich einen sechsstelligen Betrag für die Betreuung jüngerer Kinder aus - da sollten 35000 Euro für Jugendliche drin sein. Er hält die Professionalisierung der Jugendarbeit für dringend notwendig: In der Stadtverwaltung sei niemand zuständig. Da niemand die Jugendlichen im Jugendraum betreue, sei er in der Verantwortung. Die Stadt müsse zum Beispiel die Kosten für die mutwillig zerstörten Scheiben und Türen im Jugendraum tragen.

Nach intensiver Diskussion schritten die Ortsbeiratsmitglieder zur Abstimmung: Sie sprachen sich mit vier zu eins Stimmen gegen professionelle Jugendarbeit aus. Die endgültige Entscheidung liegt allerdings bei den Stadtverordneten.

von Jonas Hielscher

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