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Mann torpediert Büchertauschbörse

Gemeinschaft Mann torpediert Büchertauschbörse

Birgit Jacobsen ist verzweifelt: Die Büchertauschbörse läuft gut, die Bürger nutzen sie gerne. Doch einer hält sich scheinbar nicht an die Regeln: Ein Mann soll stapelweise Bücher mitnehmen und sie auf dem Flohmarkt verkaufen.

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Birgit Jacobsen zeigt auf den Stempel des Vereins „Soziales Netzwerk Kirchhain“, mit dem sie Bücher für die Tauschbörse markiert, und appelliert an die Bürger: Wer solche Werke auf Flohmärkten entdeckt, möge auf den Kauf verzichten.Foto: Florian Lerchbach

Kirchhain. Eigentlich sind die Regeln der Büchertauschbörse im Kirchhainer Herkules-Markt ganz simpel: Wer möchte, kann ausgelesene Bücher abstellen und andere - maximal zwei - dafür mitnehmen. Sollte jemand einmal tatsächlich kein Buch zum Abliefern haben, in der Tauschbörse aber dennoch ein Werk nach seinem Geschmack entdecken, kann er oder sie dennoch zugreifen. So streng legt der Verein Soziales Netzwerk die Regeln schließlich nicht aus: „Manche Menschen liefern schließlich auch mal ein Buch ab, ohne ein anderes mitzunehmen“, erklärt Vorsitzende Adelheid Sauer.

Das Konzept basiert also auf Vertrauen, das die Bürger auch eigentlich nicht missbrauchen. Und doch scheint es ein schwarzes Schaf zu geben, dass das beliebte Projekt torpediert: Fast täglich komme ein Mann an die Bücherbörse und greife zu, berichtet Sauer. „Er liefert aber nichts ab sondern nimmt stapelweise Bücher mit“, klagt Birgit Jacobsen, die sich um das Projekt kümmert. Doch es kommt noch schlimmer: Bürger hätten ihn beobachtet, wie er die Werke auf Flohmärkten verkauft, ergänzt das Vorstandsmitglied und betont: „Er macht eine gute Sache kaputt.“

Eine Kassiererin habe den Mann einmal angesprochen und als Antwort bekommen, dass der Mann zugreifen dürfe, da es mit dem Verein abgesprochen sei, sagt Jacobsen: „Das stimmt natürlich nicht. Er nutzt Menschen aus, die das soziale Miteinander und das Motto ,Geben und Nehmen‘ pflegen.“

Die Bürger nehmen das junge Projekt gut an, der Durchlauf an Büchern ist riesig - kürzlich fand Jacobsen innerhalb von nur zwei Tagen zum Beispiel 140 neu abgelieferte Bücher vor, die sie dann stempelt und mit einem Aufkleber versieht. Besucher von Flohmärkten die an Ständen Bücher entdecken, die mit „Soziales Netzwerk Kirchhain“ markiert sind, sollten auf den Kauf bitte verzichten, appelliert Jacobsen. Ob der Verein rechtliche Schritte einleiten will, habe der Vorstand aber noch nicht entschieden, ergänzt sie.

Aus juristischer Sicht scheint der Fall auch nicht ganz so einfach zu bewerten: Annemarie Wied, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, fasst sich gewohnt kurz und erklärt, „dass ein Betrug nicht in Betracht kommt, dass auch der Vorwurf eines Diebstahls problematisch sein wird“. Allerdings könnte nach Einschätzung ihrer Behörde „möglicherweise der Vorwurf der Unterschlagung erhoben werden“. Sie schlägt vor, dass sich der Verein an einen Rechtsanwalt wendet.

In Gerichtskreisen stieß diese Zeitung aber auch auf eine andere Meinung: Es handele sich sehr wohl um einen Diebstahl, weil die Nutzungsbedingungen deutlich angeschrieben seien: Eins geben, eins nehmen und nicht mehr als zwei mitnehmen - wer dagegen verstoße, mache sich des Diebstahls schuldig, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Bücher ob ihrer Auszeichnung nicht „herrenlos“ seien und noch dazu in einem geschützten Raum stünden. Die Mitarbeiter des Sozialen Netzwerkes wollen sich jedenfalls nicht unterkriegen lassen und warten auch noch mit einem Hinweis auf: Wer stapel- oder kistenweise Bücher für die Tauschbörse habe, möge diese nicht einfach im Herkulesmarkt abstellen, sondern sie mittwochs zwischen 10 und 12 Uhr im Bürgerhaus während der Sprechstunde des Netzwerkes abliefern: „Wenn Kisten rumstehen, sieht es unordentlich aus - und das ist schlecht für den Markt, mit dem die Zusammenarbeit sehr gut ist“, begründet Jacobsen ihr Anliegen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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