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Ostkreis Mann zockt Kumpel 9000 Euro ab
Landkreis Ostkreis Mann zockt Kumpel 9000 Euro ab
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00:18 08.12.2018
Die Daten einer Kreditkarte, eine Tastatur und einen Computer: Mehr benötigte ein heute 54 Jahre alter Mann nicht, um seinen Freund um knapp 9000 Euro zu erleichtern. Quelle: Carsten Rehder/dpa / Symbolfoto
Kirchhain

Einen „besten Freund“ hat jeder nur einmal im Leben. Entsprechend pfleglich sollte man mit diesem umgehen. Dieses Gebot trat ein Mann aus dem Ostkreis mit Füßen.

Vor dem Kirchhainer Amtsgericht musste sich der 54-jährige Gebäudereiniger wegen Computerbetrugs in einem besonders schweren Fall verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf dem Familienvater vor, zwischen dem 20. April 2014 und dem 4. Oktober 2016 in 58 Fällen mit den Kreditkarten-Daten eines Bekannten im Internet eingekauft zu haben. Der vom Kreditkarten-Eigentümer zu bezahlende Schaden: 8914,74 Euro.

Der Angeklagte legte ein vollumfängliches Geständnis ab. „Ich weiß, dass ich eine Dummheit gemacht habe. Ich kenne den Geschädigten seit meiner Kindheit. Er ist der Patenonkel meiner Tochter und mein bester Freund“, sagte er dem Gericht.

Freundschaft ist gekündigt

Sein Freund habe ihn gebeten, für sich und seine Frau eine Reise online zu buchen, da er selbst über keine Internet-Kenntnisse verfüge. Dazu habe er die Kreditkarten-Daten seines Freundes eingeben müssen – und diese leider nicht mehr gelöscht, räumte der Angeklagte ein.

„Ich habe damit eingekauft – für Geburtstagsgeschenke und ähnliches. Und dann drohte der Strom abgestellt zu werden“, schilderte der Mann seine Situation. Er habe gewusst, dass er auffliegen werde. Aber auch, als ihn sein Freund gefragt habe, „hast du etwas mit meiner Kreditkarte bestellt?“, habe er nicht den Mut gehabt, den fortdauernden Betrug zu gestehen und mit einem „Nööö“ geantwortet.

Unerschrocken bestellte er munter weiter auf Kosten seines Freundes, bis dieser über seine Bank ermitteln ließ, wer ihn da so übel ausgenommen hat. Seitdem rede der Geschädigte nicht mehr mit ihm. Er halte nur noch Kontakt zu seiner Familie, sagte der Angeklagte.

Opfer musste Kredit aufnehmen

Im Zeugenstand redete der 48 Jahre alte Geschädigte dann doch. Mehr als der Verlust der rund 9000 Euro schmerze ihn, dass sein früherer Freund ihn angelogen habe. „Ich habe ihm geglaubt, dass er das nicht gemacht hat“, sagte der zutiefst enttäuschte Zeuge dem Gericht. „Ich will mich entschuldigen“, versuchte es der Angeklagte. „Ich habe mein Hemd für dich gegeben“, antwortete der Zeuge. „Ich hatte Angst“, so der Angeklagte. „Ich hätte Dir geholfen. Ich musste alles bezahlen. Ich musste dafür einen Kredit auf mein Haus aufnehmen“, entgegnete der traurige Zeuge.

Die Staatsanwaltschaft beantragte, den nicht vorbestraften Angeklagten wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs in einem besonders schweren Fall zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zu verurteilen, die auf drei Jahre zur Bewährung auszusetzen ist. Zugleich sei die Schadenssumme von 8914,74 Euro einzuziehen.

„Ich will alles zurückzahlen“

„Er hat kein Vermögen. Eine Vermögensabschöpfung hilft nicht“, erklärte die Verteidigung, die für ihren Mandanten eine sechsmonatige Freiheitsstrafe beantragte. Das dilettantische Vorgehen seines Mandanten erlaube es, die Taten im unteren Bereich des gewerblichen Betrugs anzusiedeln. „Das soll sich nicht wiederholen. Ich will alles zurückzahlen. Dafür habe ich einen Dauerauftrag eingerichtet“, versprach der Angeklagte in seinem Schlusswort.

Strafrichter Joachim Filmer folgte im Urteil dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Angeklagten wegen gewerblichen Computerbetrugs in einem besonders schweren Fall zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe, auf drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung. Auflage: die 8914,74 Euro müssen binnen drei Jahren an den Geschädigten zurückbezahlt werden.

Außerdem wird die Summe, um die sich der Angeklagte bereicherte, eingezogen. „Er hat seinen Freund betrogen und das 58-mal. Das ist ein heftiges Ding gewesen. Das muss im Straf­rahmen berücksichtigt werden“, sagte Strafrichter ­Joachim Filmer.

von Matthias Mayer