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Ostkreis „Besonderer Ort“ wird 150 Jahre alt
Landkreis Ostkreis „Besonderer Ort“ wird 150 Jahre alt
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07:11 21.07.2018
Die Magdalenen-Oktav an 
der vor 150 Jahren geweihten Lindaukapelle ist bei Gläubigen sehr beliebt. Quelle: Florian Lerchbacher
Amöneburg

Anfang der 2000er-Jahre gab es Überlegungen, die Magdalenen-Oktav aus dem Veranstaltungskalender zu streichen. Kaum noch Gläubige kamen, um an den acht Gottesdiensten teilzunehmen. Eine­ ­Situation, die heute unvorstellbar scheint: Mindestens 400 Menschen kommen inzwischen wieder in die Lindaukapelle am Fuße Amöneburgs. Stehen besondere Prediger wie Erzbischof Dr. Ludwig Schick am Altar, sind es meistens doppelt so viele – es waren aber auch schon mehr als 1000 Gläubige, die sich an diesem besonderen Ort einfanden.

Wendepunkt war das Bonifatius-Jubiläum im Jahr 2004. Damals kam den Amöneburgern die Idee, jeden Abend von einer Musikkapelle aus der Region mitgestalten zu lassen. Ein Konzept, das aufging und fruchtete. Inzwischen ist die Magdalenen-Oktav jedenfalls nicht mehr aus dem Veranstaltungskalender der Seelsorgeeinheit Amöneburg beziehungsweise der ganzen Umgebung wegzudenken. „Die Kapelle ist ein ganz besonderer Ort. Ein Heiligtum außerhalb der Ortschaft, das eine ganz spezielle Anziehungskraft auf Gläubige ausübt“, betont auch Dr. Paul Lang, der Vorsitzende des „Lindau-Ausschusses“ – einer Untergruppierung des Pastoralrats.

Die Besonderheit des Ortes und der Oktav unterstreicht im Gespräch mit dieser Zeitung auch Erzbischof Schick (Archivfoto: Karin Waldhüter), der an diesem Sonntag den ersten Gottesdienst hält: „Mir ist die Lindaukapelle seit meiner Kindheit und Jugend vertraut und ich habe sie liebgewonnen. Zur Magdalenenoktav bin ich schon als Kind mit dem Fahrrad gefahren“, sagt der Geistliche.

„Hier wurde gebeichtet, gesungen und gebetet.  Dabei haben wir schon als Kinder erfahren: Der Glaube gehört zu unserem Leben und ist Bestandteil unserer Identität; wenn wir ihn leben und pflegen, dann tut das unserem Leben gut, gibt ihm Sinn, Vertrauen und Hoffnung“, sagt Schick. In einer Kapelle wie der „Lenna“, könne der Mensch „seine Sorgen und Nöte abladen und sie Gott übergeben und dabei ruhig werden, sich entlasten, Kraft sammeln“.

Schon als Kind habe sie ihm Kraft gegeben, wenn er im „meist übervollen“ Bus auf dem Weg nach Amöneburg war: „Ich/wir fuhren ja auch öfter mit Ängsten, Belastungen, Sorgen zur Stiftsschule. Zu meiner Zeit war der Schulalltag viel strenger als heute, autoritärer. Es hat mir gut getan, mich im Blick zur Kapelle aus dem Bus daran zu erinnern, dass es diese stillen Ort und den guten Gott gibt, der nicht ständig fordert, bei dem man ausruhen kann. Das hat den Schulalltag erträglich gemacht und das Leben insgesamt.“

Die Lindaukapelle ist ein Überbleibsel des im 14. oder 15. Jahrhundert untergegangenen Dorfes Lindau. Die Kapelle wurde 1343 geweiht. Die Patronin ist die Heilige Maria Magdalena (Foto: Lerchbacher) – die das zentrale Fenster des Gotteshauses schmückt (neben Elisabeth von Thüringen, der Zweitpatronin des Bistums Fulda, und Bonifatius, der an der Waschbach in der Nähe der Kapelle getauft haben soll – ihnen beiden wurde ebenfalls ein Fenster gewidmet).

Gedenktag Magdalenas, der ersten Zeugin der Auferstehung und Begleiterin Jesu, ist der Sonntag, 22. Juli. 

Die grüne Farbe ihres Umhangs steht für das Leben und soll auf die Hoffnung auf Auferstehung hinweisen. Das wallende Haar erinnert daran, dass sie Jesus die Füße wusch und mit ihren Haaren trocknete. Die Darstellung mit Kreuz und Totenschädel soll darauf hinweisen, dass sie ihre ganze Liebe auf Jesus richtete.

Während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) zerstörten die Schweden die Kapelle. Die Ruine – der Altar war verschont geblieben – diente weiterhin als Ort für Gottesdienste. 1866 wurden unter dem damaligen Amöneburger Dechanten und Pfarrer Philipp Heinrich Müller die Überreste der Kapelle abgetragen. Im Juni des darauffolgenden Jahres erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau, dessen Weihung dann im Jahr 1868 anstand.

Domkapitular aus Fulda hat Kommen zugesagt

Architekt sei der Kasseler Peter Zindel gewesen, berichtet Paul Lang, und ergänzt, dass Carl Schäfer, „der Meister der Neugotik“, der auch am Neubau der Stiftskirche maßgeblich beteiligt war, die Gestaltung und Ausstattung übernahm: „Er hatte die Idee, zweischiffig zu bauen und die Kapelle offen zu gestalten.“ Baulastträger seien die hessischen beziehungsweise preußischen Behörden gewesen, die nach der Säkularisierung die Baulast für kirchliche Gebäude im ehemaligen Stift Amöneburg übernommen hatte.

Die Kanzel ist so angebracht, dass Gläubige den Prediger auch von außen gut sehen und hören können. An Wallfahrtstagen wird jedoch ein hölzerner Altar im vorderen Raum platziert, von dem aus gepredigt wird. Und für die Jubiläums-Oktav hat der Lindau-Ausschuss wieder besondere Prediger gewonnen: Neben dem Erzbischof beispielsweise Neu-Priester André Lemmer, der am Samstag, 28. Juli, den Primiz-Segen spenden wird, oder am Sonntag, 29. Juli, Domkapitular Prof. Dr. Gerhard Stanke, der nach der Versetzung von Bischof Heinz-Josef Algermissen in den Ruhestand, im Bistum Fulda sozusagen die Nummer eins ist.

Äbtissin Elisabeth Kralemann hält die Predigt

Ebenfalls eine Besonderheit ist der Donnerstag, der Frauen gewidmet ist: Dann hält Äbtissin Elisabeth Kralemann aus Engelthal vom Orden des Heiligen Benedikt die Predigt – wobei durchaus ungewöhnlich ist, dass einer Frau diese Ehre zuteil wird. Sie war allerdings auch schon im Elisabethjahr 2007 zugegen, als auf Anregung Algermissens Bischöfe, Weihbischöfe, Äbte, die Oberen der Franziskaner und des Deutschen Ordens und eben sie in Amöneburg einen außergewöhnlichen Akzent zu Ehren der Heiligen in der Region setzten.

Die Messfeiern beginnen um 19.30 Uhr – Ausnahme ist Sonntag, der 29. Juli, wenn es schon um 18 Uhr losgeht, damit danach noch etwas Zeit zum Feiern ist. Gläubige werden gebeten, die ausgewiesenen Parkplätze auf Wiesen rund um die Kapelle zu nutzen. Das Parken an der Kreisstraße und direkt an der Kapelle ist untersagt.

von Florian Lerchbacher

Magdalenen-Oktav im Überblick

Sonntag, 22. Juli (Gedenktag der Heiligen Maria Magdalena): Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick aus Bamberg; Musik macht das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Mardorf.
Montag, 23. Juli (Heilige Birgitta): Pfarrer Marcus Vogler aus Amöneburg; Musikkapelle der Kolpingfamilie Amöneburg.
Dienstag, 24. Juli (Heiliger Christophorus): Pater Norbert J. Rasim OT aus Frankenberg-Wetter; Musikverein Erfurtshausen.
Mittwoch, 25. Juli (Heiliger Apostel Jakobus): Kaplan Frank Blumers aus Homberg/Ohm; Emsdorfer Blasmusik.
Donnerstag, 26. Juli (Heiliger Joachim und Heilige Anna): Äbtissin Elisabeth Kralemann OSB aus Engelthal (Predigt) und Dechant Markus Blümel aus Eiterfeld (Zelebrant); Stadtallendorfer Musikanten.
Freitag, 27. Juli: Pater Julian M. Schaumlöffel OSB aus Königsmünster; Blaskapelle Momberg.
Samstag, 28. Juli: Neupriester André Lemmer aus Mardorf; Musikkapelle Niederklein.
Sonntag, 29. Juli, ausnahmsweise 18 Uhr: Domkapitular Prof. Dr. Gerhard Stanke aus Fulda; Musikgruppe Roßdorf.     

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