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Ostkreis Vom Urlaubshorror zum Happy End
Landkreis Ostkreis Vom Urlaubshorror zum Happy End
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00:18 17.02.2019
Ein süßes Herz für zwischendurch: Für Michaele und Frank Dornhöfer aus Schweinsberg spielt gutes Essen eine besondere Rolle. Das Paar lernte sich im Urlaub auf Djerba bei einem katastrophalen Essen kennen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
Schweinsberg

Michaele und Frank Dornhöfer aus Schweinsberg sind seit 30 Jahren ein Paar und die glücklichen Gewinner des OP-Fotoshootings zum Valentinstag.

Zueinander fanden die beiden allerdings unter eher ungewöhnlichen Umständen. „Ich habe immer noch die Flugtickets und den alten Zettel mit seiner Nummer darauf“, verrät Michaele Dornhöfer lachend im OP-Gespräch. Mehr war ihr damals vor drei Jahrzehnten erst einmal nicht geblieben von dem netten Mann, der ihr im Urlaub fast die Haare vom Kopf gefressen hatte.

Doch zurück auf Anfang: Im Juni 1989 begann für die damals 23-Jährige ein kleines Abenteuer, sie reiste gemeinsam mit einer Freundin auf die tunesische Insel Djerba. „Das war ganz spontan und dann war es auch noch mein allererster Flug“, erinnert sich die heute 52-Jährige. Schon am Frankfurter Flughafen fiel allerdings ihrer Freundin ein junger, sportlicher Mann auf, der zufälligerweise in denselben Flieger­ stieg, im selben Hotelbus mitfuhr und dann auch noch in ­ihrem Hotel eincheckte.

Flugtickets und Urlaubsbilder haben sie aufgehoben. Foto: Thorsten Richter

Die erste und schicksalsträchtige Begegnung fand im Speisesaal des Hotels statt. Dort ­erlebten die Touristen einen kulinarischen Albtraum, „das Essen war übel und die Teller auch noch recht spärlich bestückt“, erinnert sich Michaele Dornhöfer mit Schrecken.

Zu den mageren Portionen kam auch noch ein schlechter Service, „es waren alles männliche Kellner und die kamen meistens nur zu den Tischen mit den Frauen.“ Wohl aus lauter Verzweiflung zog es Frank Dornhöfer und seinen Tischnachbarn schließlich zu den beiden jungen Frauen am Nachbartisch, um überhaupt etwas zu Essen zu bekommen: „Ich hatte einfach solchen Hunger und dachte, dass bei den beiden sicher etwas übrig bleibt, also habe ich einen ganz flehenden Blick aufgesetzt“, erklärt der heute 58-Jährige lachend.

Aus gemeinsamem Essen 
entwickelte sich mehr

„Die beiden haben dann unsere Reste gegessen und ich hatte­ wirklich Verständnis für ihn – er ist Sportler und muss eben viel essen“, ergänzt seine Frau. Die Männer blieben den Urlaub über mit am Tisch sitzen, sehr zur Freude der Freundin von Michaele Dornhöfer, war ihr der große Mann doch vorher schon aufgefallen. Der hatte allerdings nur Augen für die andere Frau und das nicht nur wegen der Zusatzrationen: „Da entwickelte sich mehr, und wir stellten ­gemeinsame Interessen fest.“

Auch ihr gefiel der „sympathische Mann“ immer besser. „Da war er dann, 28 Jahre alt, sportlich und durchtrainiert – das hat mich schon fasziniert“, erinnert sie sich grinsend. Schon damals widmete er sich dem Triathlon, Sport ist für beide ein großes Hobby, auch die Begeisterung für Musik und Filme verbindet das Paar bis heute.

Doch damit gerechnet, dass sich der neue Bekannte nach dem Urlaub wirklich meldet, hatte sie nicht. Schließlich lebten beide 100 Kilometer auseinander, sie in Gießen, er in Aschaffenburg, „ich dachte, den sehe ich nie wieder.“ Doch es kam anders: „Kaum war ich wieder zu Hause, klingelte auch schon mein Telefon“, erinnert sich Michaele Dornhöfer.

Und danach ging alles ganz schnell. Beide wurden ein Paar, nur fünf Monate später zog die Krankenschwester zu ihm, „alles ging ratzfatz, wenn es passt, dann passt es eben, wir sind bei vielen Dingen auf derselben Wellenlänge“, erklärt sie mit einem Schmunzeln. Die Heirat folgte­ auf dem Fuße nur eineinhalb Jahre später.

Später zog es sie nach Schweinsberg. Endgültig perfekt wurde ihr Glück mit der Geburt ihrer beiden Söhne und ihrer Tochter. „Wir lieben unsere drei Kinder über alles – Familie, Loyalität und Spaß sind uns wichtig, bei uns wird sehr viel gelacht“, erzählen beide zufrieden.

Heute, 30 Jahre nach dem verhängnisvollen Urlaub, blickt das Paar zurück „auf eine glückliche Ehe, in der wir viel erlebt haben, uns aber stets Freiheiten ließen – und es gab immer genug zu Essen“, sagt Michaele Dornhöfer lachend. Hungern musste ihr Mann nie wieder, „meine Frau kocht einfach klasse“, lobt er.

„Heute buchen wir im Urlaub auch immer all-inclusiv, zur ­Sicherheit“, witzelt seine Frau. Die Essensportionen sind heute großzügiger bemessen, doch bis heute sind beide froh, dass dies nicht immer so war – ohne das lausige Menü von damals, hätten sie sich vielleicht nie kennengelernt.

Und ihre damalige Urlaubsbegleitung, die am Anfang ein Auge auf den sympathischen Mit-Urlauber geworfen hatte? „Die war mir überhaupt nicht böse und wir sind immer noch befreundet“, sagt Michaele Dornhöfer.

Gehen beide heute am Valentinstag zum Essen aus? „Nein, das ist nicht so unser Ding, wir sind nicht so die großen Romantiker“, sagt sie. Auf Valentinsgeschenke verzichtet das Paar, „kleine Aufmerksamkeiten über das Jahr verteilt sind uns mehr wert und unser größtes Geschenk sind sowieso unsere Kinder“, finden die Eltern.
von Ina Tannert