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Licht tötet Keime im Trinkwasser

Stadtwerke Stadtallendorf Licht tötet Keime im Trinkwasser

Wasserversorger stehen vor zusätzlichen Herausforderungen. Sie müssen sich darauf einstellen, dass starke Regenfälle immer öfter krankmachende Keime in das Trinkwasser hineinbringen.

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Wassermeister Achim Rhein (von links) hat die Hand an der UV-Anlage, die er gemeinsam mit Carsten Kamm vom Gesundheitsamt und seinem Kollegen Rolf Weber vorstellte.

Quelle: Michael Rinde

Schweinsberg. Insgesamt vier Wochen lang mussten die Schweinsberger Haushalte das Trinkwasser im August und September vergangenen Jahres abkochen. Schuld waren bei Proben gefundene Keime. Ein Problem, das im vergangenen Jahr gehäuft bei verschiedenen Wasserversorgern im Landkreis auftrat. Im Falle Schweinsberg waren die Stadtwerke Stadtallendorf betroffen.

UV-Technik neu eingeführt

„Es gab allerdings Versorger, die hat es im vergangenen Jahr schlimmer getroffen. Bei ihnen haben wir dann auch Fäkalkeime im Wasser gefunden“, erläutert Carsten Kamm. Er arbeitet beim Fachbereich Gesundheitsamt in der Kreisverwaltung. Als Gesundheitsfachmann hatte Kamm im vergangenen Jahr unter anderem mit dem Fall Schweinsberg zu tun.

Letztlich hatten die Ereignisse in Schweinsberg aber dazu geführt, dass die Stadtwerke in der Pumpstation Schweinsberg zusätzliche Technik einbauten. Eine UV-Anlage mit drei Röhren bestrahlt das durchfließende Wasser und tötet auf natürliche Weise mögliche Keime ab. Das Schweinsberger Wasser stammt aus dem mehr als 60 Meter tiefen Brunnen. Er liegt etwa 200 Meter von der Pumpstation entfernt. In der Pumpstation selbst fließt ankommendes Wasser zunächst in einen Riesler, bevor es letztlich durch die UV-Anlage entweder ins Netz oder in den Hochbehälter gepumpt wird.

Zu niedriger Wasserdruck beklagt

Ganz vom Tisch ist das Thema Trinkwasser bei einigen Schweinsbergern offenbar aber immer noch nicht, obwohl die Zeit des Abkochens einige Monate vorbei ist. Im sozialen Netzwerk Facebook gab es in den vergangenen Tagen Kommentare, in denen sich über einen zu niedrigen Wasserdruck beklagt wurde.

Stadtwerke-Betriebsleiter Giselher Pontow und seine Mitarbeiter Rolf Weber und Wassermeister Achim Rhein reagieren überrascht. Druckverluste könne es nur geben, wenn es etwa zu Wasserrohrbrüchen komme oder wenn der Hochbehälter nicht mehr gefüllt ist. „Beides ist nicht vorgekommen“, sagt Weber.

Mit einem Druck von fünf Bar verlässt das Trinkwasser die Pumpstation. Beim Verbraucher kommt es laut Stadtwerken mit einem Druck von etwa vier Bar wieder an. Beim Weg durch das Leitungsnetz wird Druck abgebaut. Das gilt besonders dann, wenn das Wasser unmittelbar aus dem Hochbehälter stammt. Einzig Bewohner der Schweinsberger Burg könnten in den oberen Stockwerken Schwierigkeiten mit einem niedrigeren Wasserdruck haben. Das sei der höheren Lage des Gebäudes geschuldet, erklärt Weber.

22.241 Euro für Aufrüstung investiert

„Wenn es Probleme mit dem Druck bei Schweinsbergern gibt, dann können sie sich an uns wenden. Wir helfen gerne“, betont Giselher Pontow. Alternativ bestünde die Möglichkeit, sich an einen Installateur zu wenden.

Für die neue UV-Technik haben die Stadtwerke investieren müssen. Am Ende der Kostenaufstellung stehen 22.241 Euro einschließlich der Arbeitsleistungen, welche die Stadtwerke-Mitarbeiter dabei selbst erbracht haben. Natürlich können sich solche Investitionen auf den Wasserpreis auswirken.

Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi betont, dass Wasserversorger generell zum Reagieren gezwungen seien. „Solche starken und länger andauernden Niederschläge gab es früher nicht. Darauf müssen sich alle einstellen“, so Somogyi.

In Schweinsberg wie auch andernorts ließ es sich im vergangenen Jahr nicht genau klären, wie die Keime in den Brunnen beziehungsweise in das Trinkwasser gelangt sind. „Sicher ermitteln lässt sich das natürlich, wenn sich an der Brunnenabdeckung eine Undichtigkeit findet“, sagt Carsten Kamm von den Gesundheitsbehörden.

Ursachensuche bei Keimproblem schwierig

Wenn sich das Wasser samt Keimen aber von der Oberfläche aus erst einmal einen Weg gesucht hat, dann wird es um so schwieriger bis unmöglich. Problematisch ist es beispielsweise, so erklärt Kamm, wenn sich Wasser nach starkem Regen an der Oberfläche staut und dann versickert. „Darum brauchen wir die UV-Anlage als Vorsorge, um so etwas für die Zukunft zu verhindern“, betont Betriebsleiter Pontow.

Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke setzt derzeit auf eine sogenannte Schutzchlorung mit einer Stärke von 0,05 Milligramm Chlor (die OP berichtete). Beim Zweckverband wird aktuell über den Einbau von UV-Anlagen in den großen Wasserwerken Stadtallendorf und Wohratal beraten. Sie dürften eine ganz andere Dimension als die kleine Anlage in der Schweinsberger Pumpstation bekommen.

Folgekosten kommen hinzu

Die Stadtwerke Stadtallendorf haben im vergangenen Jahr auch die UV-Anlage in Wolferode erneuert. Dort wird das Wasser bereits seit mehreren Jahrzehnten mit dieser Technik zusätzlich gereinigt. Wolferode bekommt das Wasser aus einer Quellfassung nahe an der Oberfläche. Zusätzlicher Schutz war dort nötig. In Wolferode investierten die Stadtwerke 8 339 Euro.

Hinzu kommen natürlich Folgekosten. In Schweinsberg sind das jährlich 3 714 Euro einschließlich der Abschreibungen für die UV-Anlage

von Michael Rinde

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