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Anrufer hören bei Notruf nur Besetztzeichen

Leitstelle Anrufer hören bei Notruf nur Besetztzeichen

Ein Notruf sollte immer ankommen, so die Hoffnung von Betroffenen. Angesichts von mehr als 900 Anrufen wurde aber offenbar eine Kapazitätsgrenze erreicht. Der OP sind vier Betroffene bekannt, die Dienstagabend nach dem Unwetter bei der Notrufnummer der Feuerwehr, der "112" nicht durchkamen.

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Ein Feuerwehrmann räumt am Dienstagabend Schlamm und Dreck aus einer Garage in Stausebach.

Quelle: Nadine Weigel

Kirchhain. Der OP sind vier Betroffene bekannt, die am Dienstagabend unmittelbar nach dem Unwetter die Notrufnummer der Feuerwehr, die „112“, gewählt haben, und das gleich mehrfach und über einen längeren Zeitraum. Bei keinem dieser Notfälle ging es um lebensbedrohliche Situationen, sondern um vollgelaufene Keller. Einer der Betroffenen sprach die OP gleich am Dienstag vor Ort an. Er zeigte zwar Verständnis für die Überlastung der Feuerwehr. „Aber was passiert, wenn jemand in einer solchen Situation einen Herzinfarkt hat“, fragte sich der Pensionär.

Am Dienstag, 7. August, kam es im Landkreis Marburg-Biedenkopf zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen. Grund waren heftige Gewitter, die einige Schäden hinterließen. 

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Ist es technisch möglich, dass ein Notruf mit einem Besetztzeichen endet? Sascha Hörmann von der Pressestelle der Kreisverwaltung räumt ein: „leider ja“. Im Zusammenhang mit dem Unwetter wurden in der Rettungsleitstelle des Landkreises knapp 900 Notrufe entgegengenommen und zugleich die Einsatzkräfte an mehreren hundert Einsatzstellen vor Ort sowie 31 unabhängig vom Wetter ausgelöste Rettungsdienst- und Krankentransporteinsätze koordiniert, erläutert die Kreisverwaltung. Angesicht dieser Flut an Notfällen sei das Besetztzeichen nicht auszuschließen, heißt es in der Antwort auf eine entsprechende Anfrage der OP an die Kreisverwaltung.

Der Diensthabende in der Leitstelle habe das Personal umgehend hochgefahren. Und eigentlich verfügt die Leitstelle auch über eine Überlauffunktion für solche Extremsituationen. Die sieht vor, dass überzählige Notrufe an die Leitstelle der Polizei weitergeschaltet werden. Ob es solche Weiterschaltungen am Dienstagabend gab, hat die Kreisverwaltung noch nicht klären können. Außerdem, so der Landkreis, ist es technisch wohl so, dass ein Besetztzeichen nicht bedeutet, dass die Verbindung nicht zustandegekommen ist.

Kein Hinweis auf eine Warteschleife

Der Anrufer befindet sich offenbar in einer Art Warteschleife. Einen Hinweis, also vergleichbar einer Ansage wie bei einem Callcenter, gibt es nicht. Der Kreis hat seit Längerem geplant, seine Leitstelle personell und technisch aufzurüsten. 

Zu Beginn des kommenden Jahres kommen weitere Abfrageplätze hinzu, wie Sascha Hörmann berichtet. Neben den dann sechs vom Land Hessen vorgesehenen Einsatzleitplätzen wird der Landkreis drei weitere Plätze sowie sieben Reserveabfrageplätze auf eigene Kosten einrichten, sodass regulär dann 9 und in solchen Extremsituationen wie am Dienstag dann 16 Abfrageplätze zur Verfügung stehen werden. Außerdem stellt das Land derzeit die Leitstellen um. Künftig sollen „Partnerleitstellen“ einspringen, wenn bei solchen Ausnahmesituationen eine Leitstelle überlastet sein sollte. Ein Teil der neuen Technik sei bereits eingebaut und vorbereitet.

Die betroffenen Kirchhainer, die am Dienstag eben nicht durchgekommen waren, gingen ganz unterschiedlich mit der Besetztsituation bei der Notrufnummer um. Einer machte sich auf in die Stadt, wandte sich am Marktplatz an die dortige technische Einsatzleitung und bekam im Laufe des Abends Hilfe. Ein anderer griff zur Selbsthilfe, kaufte eine Tauchpumpe und Eimer und rief die Familie und Freunde zusammen.

Tipp: Bei Besetztzeichen in der Leitung bleiben

Was ist bis dahin zu tun, wenn es zu einer vergleichbaren Situation kommt und bei Wahl der Notrufnummer 112 zunächst ein Besetztzeichen zu hören ist? „Im besten Fall auch bei einem Besetztzeichen in der Leitung bleiben, denn das Telefonat befindet sich auch dann in der Warteschleife“, sagt Sascha Hörmann für die Kreisverwaltung.

Am Dienstag waren bis in die frühen Morgenstunden des Mittwochs rund 400 Feuerwehrleute in Kirchhain und Umgebung im Einsatz. Die Kirchhainer Feuerwehren bekamen dabei Unterstützung von Katas­trophenschutzeinheiten aus Gladenbach, Dautphetal, Cölbe, Wetter und Marburg. Außerdem stand der Katastrophenschutz-Zug der Feuerwehren aus Biedenkopf in Bereitschaft. Hilfe für die Helfer gab es vom DRK.

von Michael Rinde

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